Das weiße Haus Bühler Seite 48 (halb links) soll einem dreigeschossigen Neubau weichen. In der Mitte (gelbes Haus) die denkmalgeschützte Rohrhirschmühle, rechts am Bildrand der bestehende dreigeschossige Neubau. | Foto: Ulrich Coenen

Bauantrag bei Stadt Bühl

Unterschriften gegen Achtfamilienhaus in Altschweier

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Es droht dicke Luft. An der Stelle des schlichten zweigeschossigen Wohnhauses Bühler Seite 48 in Altschweier plant ein Investor ein Achtfamilienhaus. Corina Bergmaier, Leiterin der Stabstelle Wirtschaftsförderung/Baurecht bei der Stadtverwaltung Bühl, bestätigte auf Anfrage diese Pläne, gegen die es in Altschweier offensichtlich erheblichen Widerstand gibt. Nach Informationen dieser Zeitung kursiert bereits eine Unterschriftenliste, die ein verärgerter Anwohner initiiert hat.

Dreigeschossiger Kubus

Bergmaier berichtete, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft der denkmalgeschützten Rohrhirschmühle ein dreigeschossiges Gebäude mit Flachdach entstehen soll. Der Bauantrag liegt bei der Stadtverwaltung vor. Verhindern kann die Baurechtsbehörde der Kommune das kaum.

Kein Bebauungsplan

Für den historischen Ortskern von Altschweier gibt es keinen Baubauungsplan. Das Bauvorhaben ist deshalb nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches zu beurteilen, der (so der Gesetzestext) die „Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile“ regelt und in den vergangenen Jahren in Bühl immer für Ärger sorgte. Neubauten sollen sich „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“.

An der gegenüberliegenden Seite der Bühlot gibt es bereits einen dreigeschossigen Neubau. | Foto: Ulrich Coenen

Höhe fügt sich ein

Corina Bergmaier wies darauf hin, dass es in Sichtweite des projektierten Achtfamilienhauses auf der anderen Seite der Bühlot bereits ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus gibt. „Im Hinblick auf die Höhe fügt sich das Achtfamilienhaus absolut ein“, meinte Bergmaier. Natürlich sei eine Nachverdichtung in einem alten Ortskern immer problematisch.

Ortvorsteher sieht Klärungsbedarf

Ortvorsteher Manfred Müller erklärte, dass sich der Ortschaftsrat bereits in Zusammenhang mit einer Bauvoranfrage mit dem Achtfamilienhaus beschäftigt hat. „Damals ging es aber vor allem um die Stellplatzfrage“, sagte er. „Über den Bauantrag haben wir noch nicht beraten. Aus meiner Sicht sind noch viele Fragen offen.“ Müller forderte, dass die Stadtverwaltung zunächst klären soll, ob das Achtfamilienhaus überhaupt genehmigungsfähig ist, und verwies auf den Umgebungsschutz für die denkmalgeschützte Rohrhirschmühle.

Der kleine Altbau (Bühler Seite 48) soll einem Achtfamilienhaus weichen. Der Bauantrag ist bereits gestellt. | Foto: Ulrich Coenen

Was ist mit der Rohrhirschmühle?

„Die Meinung im Ortschaftsrat zu diesem Projekt ist nicht eindeutig“, meinte Müller. „Aus meiner Sicht hat der geplante Neubau mit der Formensprache der historischen Mühle nichts zu tun und er orientiert sich auch nicht am Bestandsgebäude.“

ELR-Schwerpunkgemeinde

Ein Knackpunkt ist in diesem Zusammenhang, dass Altschweier und der benachbarte Stadtteil Eisental neuerdings ELR-Schwerpunktgemeinden sind. (ELR steht für Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum.) Dieser besondere Förderstatus im Zusammenhang mit der Dorfentwicklung dürfte aber auf das umstrittene Bauvorhaben kaum Einfluss haben, weil es keinen gültigen Bebauungsplan gibt.

Entscheidung nach Paragraf 34

Der ist für historische Ortskerne im Stadtgebiet Bühl die Ausnahme. Lediglich für Vimbuch gibt es ein solches Planwerk, das die Dorfentwicklung und die Gestalt der Neubauten regelt. Während in Neubaugebieten Bebauungspläne Standard sind, wird in den historischen Dorfkernen und auch in weiten Bereichen der Bühler Innenstadt nach Paragraf 34 entschieden.