Die Montage des Büromöbelherstellers USM in Bühl wird nach Leipzig verlegt. | Foto: Ulrich Coenen

Hiobsbotschaft für Bühl

USM verlegt Möbelmontage nach Leipzig

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Das neue Jahr beginnt mit einem Paukenschlag. USM, einer der renommiertesten Büromöbelhersteller der Welt, verlegt seine Montage aus dem Bühler Industriegebiet nach Leipzig. Mit dieser für die Stadt unangenehmen Nachricht überraschte das Schweizer Unternehmen, das in Münsingen seine Zentrale hat, gestern die Öffentlichkeit.

Der neue Standort in Ostdeutschland bietet nach Auskunft von USM-Pressesprecherin Sandra Schär (Münsingen) mehr Platz und eine bessere Anbindung an das Verkehrsnetz. „Wir sind in Bühl an unsere Kapazitätsgrenzen gelangt“, erklärte Schär gegenüber dieser Zeitung. „Wir haben zusätzlich zu unserem Stammhaus in der Siemensstraße in der Nähe bereits vor zwei Jahren ein zusätzliches Lager anmieten müssen. Auf diese Weise kann man aber nicht prozessorientiert arbeiten.“ Das Firmengelände in Bühl reicht nach Auskunft der Unternehmenssprecherin für die geplante Erweiterung nicht aus.

Geschäftsleitung bleibt in Bühl

Geschäftsleitung, Verwaltung Vertrieb, Verkaufsinnendienst, Planung, Marketing und Schulung für das Tochterunternehmen USM Deutschland sollen aber in Bühl bleiben. Schär nannte dies auf Nachfrage eine dauerhafte Lösung. Mit dem kompletten Abzug in Richtung Leipzig sei nicht zu rechnen. Das in Achern angemietete Objekt will USM allerdings aufgeben.

Dass die deutsche Zentrale von USM Deutschland in Bühl an der Kapazitätsgrenze ist, hatte die damalige Geschäftsführerin Sabine Prengel bereits am 15. August 2014 gegenüber dieser Zeitung erklärt. Sie sprach von einer Erweiterung in der Siemensstraße in rund drei Jahren. Das von Fritz Haller entworfene Gebäude steht für die Corporate Identity des Unternehmens und hat in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal. Die Pläne für die Bühler Erweiterung sind nach Prengels Abschied von USM vom Tisch. Stattdessen will der Möbelhersteller in Ostdeutschland wachsen.

Leipzig angeblich verkehrsgünstiger

„Am neuen, größeren Standort in Leipzig kann USM seine Möbelbausysteme effizienter montieren“, meinte Sandra Schär. „Er ist zudem für den Verkehr und Transport besser erschlossen. So kann sich USM schlanker aufstellen, schneller ausliefern und seine Wettbewerbsfähigkeit steigern.“ Ganze Arbeitsfelder, die bisher in der Schweiz konzentriert waren, sollen in Zukunft in Leipzig erledigt werden. Schär nennt die Montage für die Exportmärkte. In Leipzig wird USM ein Gebäude mieten. Die Produktion der Möbel wird auch in Zukunft in der Zentrale in Münsingen stattfinden.

Schockierter Betriebsrat

Der Bühler Betriebsratsvorsitzende Anton Wunsch wollte sich gestern gegenüber dieser Zeitung nicht zu der geplanten Verlagerung der Montage nach Leipzig äußern. „Ich bin erst am Morgen informiert worden und stehe noch völlig unter der Einwirkung dieser Nachricht“, sagte er. In der Montage in Bühl arbeiten nach seiner Auskunft 92 Mitarbeiter.

Für die von der Verlagerung betroffenen fest angestellten Mitarbeiter wird nach Auskunft von Schär eine Beschäftigung in der Schweizer Montage oder Produktion gesucht. „Hinsichtlich der betroffenen Montagemitarbeiter aus Bühl hat USM Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen, um mit ihm über die Auswirkungen der Verlagerung zu beraten und eine sozialverträgliche Lösung zu finden“, erklärte sie. Der Umzug der Montage nach Leipzig soll Ende 2018 abgeschlossen sein. In Bühl werden in den nächsten Monaten bauliche Veränderungen geprüft, wie die Montagehalle, die den größten Bereich des Gebäudes einnimmt, künftig genutzt werden kann.

OB Schnurr war nicht informiert

Die Nachricht schlug im Rathaus ein wie eine Bombe. Durch die Redaktion des Acher- und Bühler Boten erfuhr Oberbürgermeister Hubert Schnurr gestern, dass der Büromöbelsteller USM seine Montage von Bühl nach Leipzig verlegt. „Ich bin von der Geschäftsleitung enttäuscht“, meinte der OB. „Obwohl wir seit Jahren sehr gute und intensive Kontakte haben, hat mit uns im Vorfeld niemand gesprochen.“ Im September hat Schnurr USM gemeinsam mit Landrat Jürgen Bäuerle besucht. Im Dezember war die städtische Wirtschaftsförderin Corina Bergmaier beim Möbelbauer. „Jedes Mal kein Wort über einen Umzug“, sagte der Oberbürgermeister.

Erweiterung in Bühl war geplant

Nach Auskunft von Schnurr war in den vergangenen Jahren immer wieder von einer Erweiterung des Bühler Standorts die Rede. „Das Firmengelände in der Siemensstraße ist ausgedehnt und reicht bis zur Bosch-Kreuzung“, meinte er. „Wenn diese Fläche für die geplante Vergrößerung nicht reichen sollte, hätten wir USM gerne geholfen. Wir haben in Oberbruch noch Gewerbeflächen, die verkehrsgünstig direkt an der Autobahn liegen.“

Der drohende Verlust von fast 100 Arbeitsplätzen ist für Schnurr „schmerzhaft“. „Immerhin bleibt die deutsche Firmenzentrale in Bühl“, stellte er fest. „Dadurch behalten wir zumindest die Gewerbesteuer.“ Schnurr will nun umgehend das Gespräch mit der Geschäftsführung suchen.