Im Schwarzaldbad in Bühl ist zum Sommerbeginn nur wenig los. Immerhin haben diese Kinder im Sprunbecken viel Spaß. | Foto: Ulrich Coenen

Streifzug durch die Stadt

Verhaltene Atmosphäre: Die Bühler erleben keinen traumhaften Sommeranfang

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Der Sommeranfang fällt 2020 ausnahmsweise auf den 20. Juni. In diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie vieles anders, auch in Bühl. Unser Reporter beobachtete, wie die Bühler in den Sommer starteten und den längsten Tag des Jahres erlebten. 

Ein schöner erster Sommermorgen sieht anders aus. Am Vorabend hat es noch heftig gewittert, die Wolken über dem Himmel verziehen sich am Samstagmorgen nur zögerlich. In diesem Jahr fällt der kalendarische Sommeranfang auf den 20. Juni. Es ist also der längste Tag des Jahres. Den beginnen einige Bühler am Johannesplatz, wo sich Bistrot an Eisdiele reiht. Überdurchschnittlich viele Herren sitzen an den meist leeren Tischen. Sie haben ihre Ehefrauen beim Einkaufsbummel im Stich gelassen.

Frühstückslektüre im Johannesplatz: der Acher- und Bühler Bote. | Foto: Ulrich Coenen

Bei der Metzgerei Vogt hat sich schon eine längere Schlage vor dem Eingang gebildet. Geduldig warten die Leute mit Einkaufskörben und Stoffbeuteln vor der gläsernen Tür. In der freien Hand baumelt oft die Schutzmaske, die beim Betreten des Geschäfts angelegt wird.

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Raffaele Sassano serviert seinen Gästen im „Italia“ einen Cappuccino. | Foto: Ulrich Coenen

Für Raffaele Sassano, den Wirt des „Italia“, ist es wegen der Corona-Pandemie keine Saison wie jede andere „Bei schönem Wetter ist es okay“, sagt er. “Natürlich erreichen wir den Umsatz des Vorjahres nicht. Bei schlechtem Wetter bleiben die Gäste fast völlig weg. Niemand will sich ins Café setzen, die Menschen drängt es ins Freie. Auch am Abend ist sehr viel weniger los als normal.“ Offensichtlich sorgt die Pandemie dafür, dass die Bühler deutlich weniger ausgehen.

Die verkürzte Sperrstunde begeistert aber nicht alle Anwohner

Andreas Bohnert, Chef des Bühler Ordnungsamtes

Andreas Bohnert, der Chef des Ordnungsamtes der Stadt, kennt die Probleme der Wirte. Die Kommune hat am 12. Juni erstmals die Sperrstunde verkürzt. Die Gastronomen dürfen jetzt bis 24 Uhr öffnen. Bohnert war am Premieren-Wochenende selbst vor Ort und hat beobachtet, dass die Restaurants und Eisdielen die verkürzte Sperrstunde bei der Premiere kaum in Anspruch nahmen. In den Bistrots und Kneipen wurde diese Option von Wirten und Gästen aber genutzt. „Die verkürzte Sperrstunde begeistert aber nicht alle Anwohner“, räumt Bohnert ein.

Stoßstange an Stoßstange: So sieht es fast an jedem Samstagmorgen auf der Bühler Hauptstraße aus. | Foto: Ulrich Coenen

Ob die Corona-Regeln eingehalten werden, kontrolliert das Ordnungsamt in den Abendstunden am ersten Sommer-Wochenende nicht. „Wir schauen uns natürlich vorab an, ob die Wirte die Tische den Vorschriften entsprechend aufgestellt haben“, sagt Bohnert. Er berichtet, dass die liberalisierten und sich ständig ändernden Regeln zum Teil für Verwirrung sorgen. Im Ordnungsamt klingelt pausenlos das Telefon.

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Kaum Maskenträger auf dem Wochenmarkt

„Das totale Verbot war in dieser Hinsicht einfacher“, meint Bohnert. Allerdings sind es weniger die professionellen Gastronomen, die unsicher sind, sondern ganz normale Bürger, die an diesem Wochenende feiern wollen. „So hat beispielsweise eine Firma angefragt, die zum Start in den Sommer eine Grillparty mit 50 Gästen plant, um sich von uns beraten zu lassen“, erklärt Bohnert.

Der Wochenmarkt im Schatten von Pfarrkirche und Rathaus zieht samstags viele Besucher an. | Foto: Ulrich Coenen

Noch vor der Mittagsstunde bricht die Sonne durch. Der Himmel ist plötzlich blau. In der Hauptstraße und in der Eisenbahnstraße ist wie an jedem Samstagmorgen jede Menge los. Zeitweise rollen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Auch der Wochenmarkt ist gut besucht. Maskenträger sind in der Minderzahl. In der Fußgängerzone bummeln viele Menschen, am Johannesplatz ist jetzt kaum noch ein Tisch frei.

Einkaufsbummel in der Schwanenstraße | Foto: Ulrich Coenen

Die Einbrüche sind nach meinem Eindruck nicht so extrem wie in der Großstadt

Christoph Engelhardt, Vorsitzender von „Bühl in Aktion“

Christoph Engelhardt ist Vorsitzender der Innenstadtgemeinschaft „Bühl in Aktion“ und Geschäftsführer der Haushaltswarengeschäfts Bessey & Flammer. Natürlich bereiten die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie dem Einzelhandel große Probleme. „Bühl hat aber den Vorteil, dass es hier viele sehr engagierte inhabergeführte Geschäfte gibt“, stellt er fest. „Die Einbrüche sind nach meinem Eindruck nicht so extrem wie in der Großstadt.“

Selina Styrbu (rechts) und Melina Bisch räumen sommerliche Dekorationsartikel ins Regal. Die kommen bei den Kunden von Bessex & Flammer in dieser Saison besonders gut an. | Foto: Ulrich Coenen

Bei seinen Kunden sind aktuell Dekorationsartikel für den Sommer wie LED-Lichter sehr beliebt. „Die Leute können nicht ausgehen, da machen sie es sich daheim gemütlich“, erklärt Engelhardt.

Alles dicht: Der Parkplatz unterhalb der Burg WIndeck wurde von vielen Wanderer angesteuert. | Foto: Ulrich Coenen

Keinen freien Parkplatz gibt es am frühen Nachmittag mehr 385 Meter oberhalb von Bühl. Alle Stellplätze am Fuß der mittelalterlichen Burg Windeck sind belegt, meist von Wanderern, die von hier in den Schwarzwald aufbrechen.

Die Burg Windeck thront hoch über Bühl. Der bliebte Spielplatz erwies sich zum Somemrbeginn nicht gerade als Publikumsmagnet. | Foto: Ulrich Coenen

Auf dem beliebten Kinderspielplatz direkt nebenan ist überraschend wenig los. Und auf den grandiosen Ausblick vom Bergfried über das Rheintal müssen die Besucher seit Wochen verzichten. Der ist wegen Corona gesperrt.

Leere Liegewiese im Schwarzwaldbad | Foto: Ulrich Coenen

Vielleicht liegt es daran, dass sich über dem Rhein schon mächtige Wolken türmen. Im Schwarzwaldbad ist es zum Sommeranfang leer. Die Bademeisterin an der Kasse zeigt auf den Bildschirm über ihr. Aktuell nur 57 Gäste zählt der Computer. Im Foyer müssen alle eine Maske tragen, die dann im Freibad abgelegt werden kann.

Kaum was los im Freibad

„Es klappt gut mit den Corona-Regeln“, erzählt Jörg Zimmer, Geschäftsführer der Bühler Sportstätten GmbH. „Allerdings hält sich die Zahl der Freibad-Besucher wegen des durchwachsenen Wetters in den vergangenen Tagen in Grenzen.“ Während sich an heißen Hochsommertagen oft mehrere tausend Besucher im Schwarzwaldbad tummeln, sind es zurzeit sehr viel weniger. Spitzentag war bisher der 12. Juni mit 440 Badegästen. „Wir haben noch viel Luft nach oben“, berichtet Zimmer. „1200 Besucher dürfen in Corona-Zeiten ins Bad“.

Schwimmer hatten zum Start in den Sommer jede Menge Platz. | Foto: Ulrich Coenen

„Die Leute verhalten sich bisher sehr verantwortungsbewusst“, berichtet der Geschäftsführer. Ein Engpass sind die Duschen, die nur von drei Personen gleichzeitig betreten werden dürfen. „Das klappt ganz gut, Verstöße sind selten“, freut sich Zimmer.

Viele Bühler verpassten ihrem Auto eine Wäsche. | Foto: Ulrich Coenen

Statt sich ins kühle Nass zu stürzen, gönnen die Bühler zum Start in den Sommer offensichtlich lieber ihrem „Heilig’s Blechle“ eine Dusche. Die Waschanlage im Stadtteil Vimbuch ist gut frequentiert. Wer seinem Auto in einer der sechs Abteilungen eine Handwäsche verpassen will, muss warten. Eine Frau, die gerade ankommt, wirft einen entnervten Blick auf die Schlange und wendet gleich wieder.

Am Spätnachmittag ist die Sonne hinter Wolken verschwunden. Mit 22 Grad Celsius sind die Temperaturen aber angenehm. Doch Bühls beliebtester Treffpunkt, der Johannesplatz, ist nicht wie beim traumhaften Wetter in „normalen“ Jahren bis auf den letzten Platz gefüllt. Es bleiben viele Tische leer. In zwei Bistrots flimmert die Bundesliga über die Bildschirme der Biergärten. Zumindest für Bayern-Fans, die die Meisterschaft längst sicher haben, ist das mäßig spannend.

Kein Tramstart in den Sommer: An Nachmittag blieben auf dem Johannesplatz viele Tische leer. | Foto: Ulrich Coenen