Bei USM in Bühl laufen die Verhandlungen wegen der Verlagerung der Möbelmontage nach Leipzig nur schleppend an. | Foto: Ulrich Coenen

Aus für Möbelmontage in Bühl

Verhandlungen mit USM-Betriebsrat laufen nur schleppend an

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Knapp zwei Monate nach der Hiobsbotschaft sind die Mitarbeiter von USM immer noch ratlos. Am 10. Januar gab die Geschäftsführung bekannt, dass der Büromöbelhersteller seine Möbelmontage von Bühl nach Leipzig verlegen wird. 92 Arbeitnehmer sollen ihren Job verlieren. In Bühl bleibt lediglich die Verwaltung für USM Deutschland (wir berichteten).

Bisher nur ein Treffen

Der Betriebsratsvorsitzende Anton Wunsch berichtet auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Gespräche wegen eines Sozialplans mit der Geschäftsführung nur schleppend anlaufen. Bisher habe es nur ein einziges Treffen des Betriebsrats mit der Führungsebene gegeben, und zwar am 17. Februar. „Es wurde ein grober Fahrplan abgesteckt“, sagt Wunsch. „Außerdem hat man uns die Restrukturierungspläne vorgestellt.“ Zu diesen hat der Betriebsrat etliche Fragen, die er der Geschäftsleitung vorgelegt hat. „Wir hoffen, dass die Fragen bis zur nächsten Runde am 24. März beantwortet sind“, meint Wunsch.

Warum der Schweizer Möbelhersteller die Montage nach Leipzig verlegt, ist aus Sicht des Betriebsrates nach wie vor unklar. Ebenso unklar ist, ob Bühler Montagemitarbeiter bei Interesse zum neuen Standort nach Leipzig wechseln können.

Vermutlich schlechtere Konditionen

„Ich weiß von mindestens drei Interessenten“, sagt Wunsch. Leider gebe es von der Firmenleitung in dieser Hinsicht immer nur ausweichende Antworten. Ein Problem sei auch, dass die Geschäftsleitung erwarte, dass sich die altgedienten Kollegen für Leipzig neu bewerben. „Vermutlich soll es dort schlechtere Konditionen geben“, befürchtet Wunsch.

Ob die 13 Monteure, die in den fünf deutschen USM-Showrooms (Düsseldorf, Berlin, Hamburg, München und Stuttgart) bleiben dürfen oder durch neues Personal ersetzt werden, ist ebenfalls unklar. „Die Situation ist unbefriedigend“, konstatiert Wunsch

Am 31. Juli 2018 ist Schluss

Sicher ist lediglich, dass die Möbelmontage in Bühl bis zum 31. Juli 2018 abgewickelt werden soll. Ein erster Schritt steht laut Wunsch am 31. Januar 2018 an. Dann müssen die ersten 22 Bühler Mitarbeiter gehen. „Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird die Montage in Leipzig ihre Arbeit aufnehmen“, vermutet der Betriebsratsvorsitzende. „Leider haben wir bis heute keine richtige Vorstellung, wie das im Detail aussieht. Was die Geschäftsleitung uns vorgelegt hat, ist sehr dünn. Unklar ist auch nach wie vor, weshalb der Standort Leipzig besser sein soll als der in Bühl.“ Gewerbesteuersatz und Grundstückspreise könnten nicht der Grund sein.

Bisher hat erst ein Bühler Mitarbeiter von sich aus gekündigt, weil er eine neue Stelle gefunden hat.Wegen neuer Jobs hat der Betriebsrat ein Gespräch mit Oberbürgermeister Hubert Schnurr geführt.
„Wir erhalten über die Stadt Stellenangebote von Firmen mitgeteilt“, sagte Wunsch. „Fünf Firmen haben mich bereits kontaktiert. Allerdings sind eine ganze Reihe von Angeboten befristete Arbeitsverträge.“

Firmengründung in Bonn

Der Wechsel nach Leipzig wurde vom Schweizer Büromöbelhersteller USM offensichtlich schon seit längerer Zeit vorbereitet. Das Unternehmen hat dafür eine neue Firma gegründet, die den Namen USM Operations GmbH trägt. Deren Geschäftsführer ist Bernd Wagner, neben André Gerber einer der beiden Geschäftsführer der deutschen USM-Tochtergesellschaft in Bühl.

Das neue Unternehmen ist beim Amtsgericht Leipzig unter der Registernummer HRB 33425 eingetragen. Die bestätigte Mathias Winderlich, stellvertretender Pressesprecher des Amtsgerichts, auf Anfrage dieser Zeitung. Der Gesellschaftsvertrag ist auf den 11. Oktober 2016 datiert.

Altstadtsee 306 V V GmbH

Die Firma wurde aber nicht in Leipzig, sondern in Bonn gegründet und war ursprünglich beim Amtsgericht Köln unter HRB 89081 registriert. Sie hieß allerdings zu diesem Zeitpunkt noch völlig anders: Altstadtsee 306 V V GmbH. Ein Bezug zu USM war damit nicht erkennbar.

Das Stammkapital betrug 25 000 Euro. Gegenstand des Unternehmens war die Verwaltung eigener Vermögenswerte. Geschäftsführer war Andreas Koglin.

Neuer Gesellschafterbeschluss

Durch Gesellschafterbeschluss vom 26. Januar wurde der Firmensitz nach Leipzig verlegt. Geschäftsadresse ist jetzt die Alte Dübener Landstraße 7. Wer die Gesellschafter sind, wollte Pressesprecher Mathias Winderlich nicht sagen.

Gegenstand des Unternehmens ist nach Auskunft des Amtsgerichts: „Das Betreiben eines Operation Centers im Bereich von Bauelementen und Inneneinrichtungen.“