Bei Krankentransporten zwischen den Häusern des Klinikums Mittelbaden gibt es teilweise Engpässe. Das kann zu kritischen Situationen führen. Unser Foto ist ein Symbolbild. | Foto: Donecker

Fehlende Krankentransporte

Verletzter Patient musste mit dem Taxi in den OP

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Es gibt in Mittelbaden zu wenige Krankentransportmöglichkeiten im sogenannten Sekundärbereich. Dies bestätigte Norbert Roeder, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, auf Anfrage dieser Zeitung.

Während die Primärtransporte mit dem Rettungswagen bei echten Notfällen in der Regel gut funktionieren, gibt es bei notwendigen Verlegungen von Patienten zwischen den verschiedenen Häusern des Klinikums Mittelbaden oder zu anderen Kliniken im Ortenaukreis und in Karlsruhe Engpässe. Für die Betroffenen kann dies mitunter sehr beunruhigend sein.

Tagesgeschäft

Dass Patienten von einem Standort des Klinikums Mittelbaden zu einem anderen verlegt werden müssen, ist Tagesgeschäft. Die Klinik verfügt über keine eigenen Krankentransportfahrzeuge, sondern greift dafür auf das Deutsche Rote Kreuz zurück, das für diese Dienstleistungen ein Honorar erhält.

Kritische Notfälle

Kritisch wird es bei Notfällen, vor allem an Wochenenden. Dann stehen in den Häusern des Klinikums Mittelbaden lediglich zwei Operationsteams zur Verfügung, eines in Baden-Baden und ein weiteres in Rastatt. Ein drittes OP-Team speziell für Handchirurgie gibt es in Bühl. „Diese Kapazitäten reichen in der Regel aus“, berichtete Roeder. „Für weitere OP-Teams bräuchten wir noch mehr Fachpersonal, das unabhängig von den Finanzmitteln auf dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht. Es geht darum, Fachkräfte auch für eine komplexe Leistung rund um die Uhr bereit zu halten.“ Dabei besteht ein OP-Team in den jeweiligen Krankenhäusern aus Assistenzärzten (so genannter Vordergrunddienst) und einem Hintergrunddienst mit spezialisierten Fachärzten der verschiedenen medizinischen Disziplinen in Rufbereitschaft. „Je nach Erkrankungsfall werden mehrere Fachärzte hinzugezogen“, erklärte Roeder. Unabhängig vom Fachkräftemangel seien weitere OP-Teams mit den Mitteln, die den Kliniken zur Verfügung stehen, nur schwer finanzierbar. „Die vorgehaltenen Teams orientieren sich jedoch am tatsächlichen Bedarf, was an den meisten Tagen im Jahr auch ausreicht. Sollte die durchschnittliche Inanspruchnahme der Notfallversorgung jedoch steigen, würde das KMB auch mehr Kapazitäten vorhalten“

Manchmal wird es eng

Wenn ein OP-Team am Wochenende beschäftigt ist und ein weiterer dringender Notfall eingeliefert wird, kann es eng werden. Dies kommt, wie Roeder gegenüber dieser Zeitung einräumte, in Ausnahmefällen vor. Ein Fall aus dem Jahr 2017 wurde erst jetzt bekannt, weil sich der Betroffene an die Redaktion wandte.
Der Mann wurde an einem Wochenende gegen 12 Uhr privat mit einer schweren Handverletzung zum Bühler Krankenhaus gebracht. Weil die Klinik für Handchirurgie sich damals noch in Baden-Baden befand, wurde er nach einer ärztlichen Untersuchung mit einem Fahrzeug des Roten Kreuzes dorthin transportiert. Dort erfuhr der Patient, dass das OP-Team im Einsatz und noch mehrere Stunden beschäftigt ist. Eine Ärztin soll den Mann mit folgenden Worten empfangen haben: „Ich habe denen in Bühl doch gesagt, dass in Baden-Baden keine Behandlungsmöglichkeit besteht.“

Infektionsgefahr

Nach erneuter Untersuchung und Rücksprache mit dem Ortenau Klinikum in Offenburg sollte der Patient zur Operation dorthin gefahren werden. „Wegen Infektionsgefahr muss die Operation innerhalb von sechs Stunden nach der Verletzung erfolgen“, erklärte Norbert Roeder. Doch das Rote Kreuz konnte innerhalb der nächsten eineinhalb bis zwei Stunden keinen Krankentransport zur Verfügung stellen. Mit einer Infusion gegen die starken Schmerzen wurde der Patient in ein Taxi gesetzt und nach Offenburg gebracht. Dort wurde er operiert.

Verärgerter Patient

Der verärgerte Patient wandte sich in mehreren Briefen ans Landratsamt Rastatt, die Bundesregierung und das Sozialministerium in Stuttgart. Es entwickelte sich ein reger Schriftverkehr, der der Redaktion vorliegt. In einem Antwortbrief teilt das Sozialministerium mit, dass in diesem Fall der Ablauf verbesserungswürdig gewesen sei. Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, schreibt dem Patienten: „Ich kann Ihre Verärgerung über den Ablauf der Behandlung gut nachvollziehen.“

Suboptimal

Norbert Roeder bezeichnete den Ablauf des Krankentransportes gegenüber dieser Zeitung als „suboptimal“. „Der Patient hätte von Bühl direkt mit einem Krankentransport nach Offenburg verlegt werden müssen“, konstatierte er. Zum Transport mit dem Taxi habe es trotz der Unannehmlichkeiten für den Mann aber keine Alternative gegeben, um den Weg nach Offenburg zu beschleunigen. „Aus medizinischer Sicht bestand für ihn keine Gefahr, die Verärgerung des Patienten über diese Umwege ist jedoch auch für uns sehr gut nachvollziehbar. Auch wir hätten uns den Ablauf anders gewünscht“, erklärte Roeder.

Was sagt das Rote Kreuz?

Die Notfallrettung hat nichts mit qualifizierten Krankentransporten zu tun. Dies betonte Felix Brenneisen, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Bühl/Achern. „Für die Notfallrettung haben wir einen Sicherstellungsauftrag, im Bereich der Krankentransporte gibt es in der Region mehrere Anbieter. Das DRK unterliegt also dem Wettbewerb.“
Das Rote Kreuz ist aber nach Auskunft von Brenneisen im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden der größte Dienstleister für Krankentransporte. Insgesamt zehn Krankentransportwagen stehen in den DRK-Wachen des Land- und Stadtkreises zur Verfügung. Wenn aber das Klinikum Mittelbaden einen Krankentransport benötigt, wird dieser nicht direkt beim DRK, sondern über die Integrierte Rettungsleitstelle in Rastatt angefordert. Weil es Mitbewerber gibt, erledigt in den meisten Fällen ein Auto des Roten Kreuzes den Auftrag, aber längst nicht immer.
„Die Krankenhauslandschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert“, stellte Brenneisen fest. „Deshalb stimmen wir uns im Hinblick auf die Krankentransporte eng mit dem Klinikum Mittelbaden ab und führen regelmäßig Gespräche mit der Geschäftsleitung. Wir prüfen, ob unser Angebot die Nachfrage noch befriedigen kann.“ Brenneisen hob hervor, dass sich eine Terminplanung für Patiententransporte zwischen den verschiedenen Häusern des Klinikums Mittelbaden nicht minutengenau im Voraus planen lässt. „Wenn ein Arztbrief noch nicht fertig ist, muss der Krankentransport auch mal eine halbe Stunde warten“, berichtete er. „Dadurch verschieben sich die folgenden Termine.“
Der DRK-Geschäftsführer wies außerdem darauf hin, dass es wie überall im medizinischen Bereich auch bei den qualifizierten Krankentransporten einen Fachkräftemangel gibt.