Der schöne Schein trügt: Die Barock-Kirche in Moos weist erhebliche Schäden auf. Im Innenraum sind zahlreiche Risse entstanden, Putz fällt von der Wand.
Der schöne Schein trügt: Die Barock-Kirche in Moos weist erhebliche Schäden auf. Im Innenraum sind zahlreiche Risse entstanden, Putz fällt von der Wand. | Foto: Margull

Marode Fundamente

Verrottete Pfähle lassen Bühler Kirche wanken – Sanierung wird teuer

Anzeige

Es war ein ziemlicher Aufreger: Anfang Februar musste die Barock-Kirche in Moos aus Sicherheitsgründen für Besucher gesperrt werden. In den Wänden zeigten sich Risse, ganze Putzstücke fielen herab. Es zeigte sich schnell, dass keine akute Einsturzgefahr besteht. Die Probleme sind dennoch riesig, denn die Holzfundamente des Sakralbaus sind völlig marode.

Inzwischen ist die Pfarrkirche St. Dionys wieder für Besucher geöffnet. „Unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen finden auch Gottesdienste statt“, sagt Thomas Fuchs, Pfarrer des Kirchspiels Vimbuch, Weitenung, Moos. „Die Experten haben ein wachsames Auge auf die Schäden.“ Die Empore von St. Dionys, in deren Bereich die meisten Risse aufgetreten sind, bleibt aber für das Publikum gesperrt.

Alfons Burkart, der bereits an der Sanierung mehrere Kirchen in Mittelbaden maßgeblich beteiligt war, wurde von der Seelsorge-Einheit mit der Untersuchung der Schäden beauftragt. „Ich habe bereits im Februar gemeinsam mit einem Statiker und einem weiteren Fachbüro Vermessungspunkte an den Rissen angelegt“, berichtet Burkart. Die Risse wurden fotografisch dokumentiert. Gipsmarken wurden gesetzt, um die weitere Entwicklung der Risse zu beobachten.

Auch interessant: Bröckelnde Steine und marodes Gebälk in St. Dionys in Durmersheim

Kirche steht auf Eichenpfählen

Burkart kann immerhin vorerst Entwarnung geben: „Die Bewegung ist zum Stillstand gekommen“, sagt er. Doch die Situation in Moos ist durchaus problematisch. Bereits 2002 wurde Probleme an den Fundamenten der Kirche festgestellt. Jetzt will Alfons Burkart den Schäden im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund gehen.

Die Risse an Wänden und Decke sind deutlich zu sehen.
Die Risse an Wänden und Decke sind deutlich zu sehen. | Foto: Margull

Zunächst hat er Südseite des Kirchenschiffs graben lassen. Der Eichenpfeiler, der dabei freigelegt wurde, war in sich zusammengefallen. Eine zweite Probe am Übergang des Schiffs zum Turm zeigte dasselbe Schadensbild. „Wir haben auch an der Westseite des Turms gegraben“, berichtet der Architekt. „Dort sind wird aber nach 60 Zentimeter auf eine Ziegelschicht gestoßen.“ Es gab kein Durchkommen.

Jetzt sollen die Profis ran. Baugrund-Geologen planen in Absprache mit dem Architekten Probebohrungen in Moos. Der Sakralbau in der feuchten Rheinebene mit dem hohen Grundwasserstand wurde auf Eichenpfähle gegründet. Darüber haben die Bauhandwerker vor zweieinhalb Jahrhunderten einen Rost, ebenfalls aus Eiche gelegt. Eichenholz als Fundament ist eigentlich unbegrenzt haltbar, wenn es nicht trockenfällt. Genau das ist aber in Moos offensichtlich in den vergangenen Jahrzehnten gleich mehrfach passiert.

Sind Bauarbeiten schuld?

Burkart vermutet Bauarbeiten an der Autobahn und der Eisenbahn-Schnellstrecke als mögliche Ursachen.
„Früher soll es gerüchteweise in der Nähe der Kirche sogar einen kleinen Teich gegeben haben“, hat Burkart im Dorf gehört. Der ist jedenfalls längst verschwunden. „Die Fundamente liegen auch nicht permanent trocken“, berichtet der Architekt. „Aber von Zeit zu Zeit geschieht das immer wieder.“ Das reicht für die Zerstörung des jahrhundertealten Hartholzes.

Nach den Probebohrungen will Burkart der Seelsorgeeinheit ein Sanierungskonzept vorlegen. Sicher ist schon jetzt: Billig wird es nicht. Das weiß man auch im Erzbischöflichen Bauamt in Heidelberg. Hartmut Herold, ist dort Gebietsreferent für die Dekanate Rastatt und Baden-Baden. „Es gibt einen Termin für eine Besprechung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Architekten Alfons Burkart“, erklärt er. „Wir werden uns dann direkt vor Ort über die maroden Fundamente unterhalten.“