Der Dreck des Anstoßes: Verschmutzte Radwege beschäftigen die Kommunen. | Foto: pr

Kommunaler Dauerbrenner

Verschmutzte Radwege beschäftigen Rathäuser in Bühl und Ottersweier

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Es ist ein Problem in nahezu jeder Kommune: Mancher Rad- und Wirtschaftsweg zeigt gelegentlich Spuren der Arbeit auf den anliegenden Grundstücken. Radfahrer sind dann verärgert. Doch wie groß ist das Problem?

Der Radfahrer ist erzürnt. „Jetzt reicht’s mir“, schreibt er in einer Mail an die BNN-Redaktion. Verschmutzte Radwege haben ihn auf die Palme gebracht. Die Verursacher sieht er in Landwirten, die die anliegenden Felder bewirtschafteten und sich nicht um die Folgen kümmerten: „Überall grüne Kreuze aufstellen und dafür viel Zeit aufwenden, aber keine Zeit, um den Anliegerpflichten nachzukommen.“

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Was früher einmal gebührenpflichtige Verwarnungen nach sich gezogen hätte, sei heute Normalzustand, echauffiert sich der Mann und schiebt nach: „Eine super Werbung für den Fremdenverkehr ist das auch noch.“

Nicht nur Rad-, sondern auch Wirtschaftswege

Wie berechtigt ist der Ärger? Andreas Bohnert, der Leiter des Bühler Ordnungsamts, relativiert: „Es gibt zwar immer mal wieder Hinweise von engagierten Radfahrern, aber die Verschmutzung hält sich in Grenzen.“ Fakt sei, dass die Straßen nicht verschmutzt werden dürfe und der Verursacher eine nicht zu verhindernde Verschmutzung zügig beseitigen müsse.

Zweimal im Jahr müsse von Amts wegen eingeschritten werden, sagt Bohnert, in den allermeisten Fällen werde der Dreck von den Landwirten auch völlig geräuschlos entfernt. Dazu müsse noch ein weiterer Aspekt bedacht werden: „Es handelt sich hier sehr oft um Wirtschaftswege, die dürfen auch etwas anders aussehen als die Hauptstraße in Bühl.“

Die Stadt Bühl weist auf einen Online-Service hin. Gefahrenquellen, Hindernisse oder Verschmutzungen können über die Online-Plattform www.radar-online.net gemeldet werden. Im vergangenen Jahr seien auf diesem Weg 34 Mitteilungen eingegangen.

Es geht um gegenseitige Rücksichtnahme

Das betont auch Jürgen Pfetzer: „Mit wenigen Ausnahmen sind das Rad- und Wirtschaftswege, die dienen auch der Arbeit der Landwirtschaft“, sagt der Ottersweierer Bürgermeister. An den angrenzenden Flächen würden auch genau die regionalen Erzeugnisse produziert, nach denen auch im Zuge von Fridays for Future immer wieder gerufen werde. Dazu brauche es nun mal die Landwirtschaft.

Am Ende gehe es auch um gegenseitige Rücknahme: „Der Radfahrer kann keinen besenreinen Wirtschaftsweg erwarten, und die Anlieger müssen die Verkehrssicherheit gewährleisten.“ Entsprechende Appelle veröffentliche die Gemeinde regelmäßig im Nachrichtenblatt, vor allem bei der Maisernte, weil von zurückbleibenden Maiskolben auf den Wegen eine gewisse Gefahr ausgehen könne.

Das Problem sei ein Dauerbrenner: „Seit 20 Jahren bin ich Bürgermeister, und genauso lange steht dieses Thema ganz oben auf der Hitliste.“ Dass die Verschmutzung von Rad- und Wirtschaftswegen aber in Ottersweier und Unzhurst besonders ausgeprägt sei und die Gemeinde nichts dagegen unternehme, diesen Vorwurf höre er zwar immer wieder einmal, aber er ärgere ihn, „weil er ganz einfach nicht zutrifft und dieses Problem in jeder einzelnen Kommune zutrifft“.

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Verursacher kann zur Ersatzvornahme herangezogen werden

Einzelne Landwirte führten auf dem Traktor immer einen Besen mit, „und unsere Großlandwirte haben sogar eigene Kehrmaschinen“. Sie seien auch bestrebt, die Wege rasch zu säubern, und wenn es mal etwas länger gehe, habe dies auch mit dem Arbeitsaufkommen zu tun; dafür müsse man auch mal Verständnis haben. In extremen Fällen werde der Verursacher, wenn er denn klar identifizierbar ist, zur Ersatzvornahme herangezogen.

Weil dies aber ein aufwendiges Verfahren sei, setze man für die Reinigung zunächst eine Frist von 48 Stunden. Solche Fälle gebe es mehrere im Jahr. Erst vor Weihnachten sei es wieder soweit gewesen: „Der Landwirt reagierte und hat Besserung gelobt.“

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Tipps von Verbänden

Insgesamt aber rät Pfetzer zur Gelassenheit. Und er weist wie Andreas Bohnert auf Tipps von Verbänden hin, mit denen die Landwirte die Gefahr der Verschmutzung angrenzender Wege deutlich reduziert könnten: In unmittelbarer Nähe zur Straße werde zunächst parallel gefahren, weshalb der Wirtschaftsweg nicht tangiert werde.

Das hält auch Stefan Schrempp für einen guten Vorschlag. Der Acherner Bezirksgeschäftsführer des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands setzt auf ein gutes Miteinander: „Geben und Nehmen ist für alle Beteiligte das Beste.“ Für viele Landwirte gehe es hier um ein emotionales Thema. Ihre Äcker hätten früher an die Straße gegrenzt, dann hätten die Landwirte für wenig Geld Flächen für die neuen Wege abgegeben und anschließend „Stress durch die Freizeitnutzung“.

Oft beschweren sich dieselben Anrufer

Je nach Lage des Grundstücks könne da ziemlich viel los sein, und da könne sich schon mal Frust aufbauen: „Manche sagen, sie hätten von ihrem Land abgegeben, um dann blöd angemacht zu werden.“ Auch in der BLHV-Geschäftsstelle werde in solchen Angelegenheiten immer wieder mal angerufen. „Ein Massenphänomen ist es aber nicht“, stellt Schrempp klar, „und es sind oft dieselben Anrufer, und zwar auf beiden Seiten, also bei Radfahrern und Landwirten.“ Unabhängig davon, wer im Recht ist, ruft Schrempp beim betroffenen Landwirt an, denn er weiß:  „Man muss mit den Leuten reden, und in der Regel lässt sich im Gespräch viel klären.“