Die drei kleinen Altbauten an der Nordseite der Rheinstraße sollen einem viergeschossigen Neubau für betreutes Wohnen Platz machen. Einen fünfgeschossigen Baukörper hat die Stadt abgelehnt | Foto: Ulrich Coenen

Wohnbauprojekte in Bühl

Vier Geschosse für betreutes Wohnen

Anzeige

Wohnraum ist in der Bühler Innenstadt Mangelware. Gemeinderat und Technischer Ausschuss müssen sich regelmäßig mit dem Thema Nachverdichtung beschäftigen. Kleine Altbauten werden abgerissen und durch größere Gebäude ersetzt.

Abrissbirne droht

Intensiv diskutiert wurde in der Öffentlichkeit bereits ein Neubau an der Westseite des Nordtor-Kreisels, der im September 2016 Thema im Gemeinderat war (wir berichteten). Den Häusern Rheinstraße 4 bis 8, die im Sanierungsgebiet „Nördlicher Stadteingang“ liegen, droht die Abrissbirne.

Oberbürgermeister Hubert Schnurr hatte den Gemeinderat seinerzeit informiert, dass ein Bühler Investor alle drei Grundstücke zusammenzufassen und dort ein großes Wohnhaus errichten wolle. Während das sehr kleine Haus Nr. 8 wenig ansprechend ist, haben Haus Nr. 6 und vor allem das Eckhaus 4 durchaus reizvolle und für ihre Entstehungszeit in Bühl typische Fassaden. Der erhebliche Sanierungsbedarf ist aber bei allen drei Gebäuden unübersehbar.

Es geht nicht voran

Große Fortschritte hat das Bauvorhaben in den beiden vergangenen Jahren offensichtlich nicht gemacht. Corina Bergmaier, die Leiterin der städtischen Bauordnungsbehörde, berichtete auf Anfrage dieser Zeitung, dass im Rathaus eine Bauvoranfrage vorliegt. Schwerpunkt des Neubaus solle betreutes Wohnen sein.
Weil kein Bebauungsplan für den Bereich des Nordtors existiert, wird der Bauantrag nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches entschieden, der die „Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile“ regelt. Demnach ist ein Neubau zulässig, wenn er sich „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“. In der Vergangenheit haben Projekte in der Kernstadt, die auf Basis des Paragrafen 34 genehmigt wurden, vor allem bei Anwohnern immer wieder für Widerspruch gesorgt.

Fünf Geschosse abgelehnt

Nach Auskunft von Bergmaier wollte der Investor ursprünglich einen fünfgeschossigen Neubau errichten. (Zum Vergleich: Das Nordtor ist inklusive Eckturm nur viergeschossig, die Bestandsgebäude zweigeschossig). Nach Rücksprache mit der Stadtverwaltung hat der Investor seine Pläne abgespeckt. Es soll nur noch vier Geschosse geben. Das 2016 noch angedachte Ladenlokal im Erdgeschoss für den dort aktuell untergebrachten Schuster ist nach Auskunft der Bauordnungsbehörde allerdings vom Tisch.

Zu wenige Stellplätze

Abgesehen von den beachtlichen Dimensionen gibt es einen weiteren Knackpunkt: die Stellplatzfrage. „Da hat es geknirscht“, räumt Bergmaier ein. Während Stellplätze für Gewerbebauten abgelöst werden können, ist dies bei Wohnbebauung nicht möglich. „Der Nachweis von Stellplätzen ist in der Innenstadt ein grundsätzliches Problem“, sagt Bergmaier. „Einerseits hätten wir gerne mehr Wohnungen, andererseits fehlen uns Stellplätze. Bei den meisten Neubauten ist eine Tiefgarageneinfahrt aus Platzgründen nicht möglich. Ein Autoaufzug für drei oder vier Stellplätze ist sehr aufwendig und teuer.“
Die im Zusammenhang mit dem Wettbewerb Campus angedachte dritte öffentliche Tiefgarage für die Innenstadt könnte die Situation deutlich entschärfen.

Ein dreigeschossiges Wohnhaus mit Penthouse soll an der Stelle des Gebäudes Mühlenstraße 4 entstehen, das den Eingang zum Hänferdorf markiert | Foto: Ulrich Coenen

Bebauungsplan ist vom Tisch

Aktuell kein Thema mehr ist ein Neubau mit Gastronomie in der Eisenbahnstraße (Café Carlos). Mit diesen Plänen hatte sich der Gemeinderat im November 2016 beschäftigt (wir berichteten). Das Projekt, das unmittelbar an den Geltungsbereich der Erhaltungssatzung westliche Eisenbahnstraße (zwischen Schulstraße/Herbert-Odenheimer-Straße und Güterstraße) grenzt, löste im Rathaus seinerzeit Alarmstimmung aus. Für den betroffenen Abschnitt der Eisenbahnstraße zwischen Schulstraße und Kirchplatz, der unmittelbar an den Stadtgarten grenzt, gibt es keinen gültigen Bebauungsplan. Alle Bauanträge wären also nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches zu behandeln, der für bebaute Innenbereiche gilt. Um dem aus dem Weg zu gehen, beschloss der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans „Eisenbahnstraße am Stadtgarten“.

Inzwischen ist das vom Tisch. „Es gab zunächst eine Anfrage des Wirtes, die nicht weiterverfolgt wurde“, berichtet Corina Bergmaier. „Später ist er gemeinsam mit einem Investor mit einem durchaus vielversprechenden Projekt auf uns zugekommen.“ Doch auch das sei inzwischen kein Thema mehr.

Pläne für Eingang zum Hänferdorf

Deutlich konkreter sind die Pläne für einen Neubau am Eingang zum Hänferdorf. Das bereits mehrfach umgebaute Haus an der Ecke Johannesstraße/Mühlenstraße (Mühlenstraße 4) soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Im April 2018 informierte OB Hubert Schnurr den Gemeinderat, dass ein Bühler Geschäftsmann auf dem nur rund 300 Quadratmeter großen Grundstück ein dreigeschossiges Wohngebäude mit Penthouse plane (wir berichteten). Bis zu vier Wohnungen sind möglich. Der Gemeinderat stimmte der notwendigen Änderung des Bebauungsplans Hänferdorf ohne Diskussion zu. „Ein Bauantrag liegt aktuell noch nicht vor“, erklärt Corina Bergmaier auf Anfrage dieser Zeitung.