Die Hauptgeschäftsstelle der Volksbank Bühl: Für Geschäftskunden mit Einlagen jenseits der 100.000 Euro wird ein „Verwahrentgelt“ eingeführt. | Foto: Bernhard Margull

Für Geschäftskunden

Volksbank Bühl zieht beim Negativzins nach

Anzeige

Die Volksbank Bühl führt für Geschäftskunden Negativzinsen ein. Mit dem „Verwahrentgelt“, wie die Gebühr in der Branche genannt wird, reagiere das Kreditinstitut auf das Marktumfeld, sagte Vorstandsvorsitzender Claus Preiss im bnn.de-Gespräch.

Seit zwei, drei Jahren führten viele Banken und Sparkassen den Negativzins für hohe Kundeneinlagen ein. Die Volksbank habe sich dem bislang stets widersetzt, so Preiss. Nachdem aber die Mitbewerber in der Umgebung diesen Schritt alle gegangen seien, komme die Volksbank Bühl nicht umhin, ebenfalls zu diesem Instrument zu greifen.

„Durch das von den Kollegen eingeführte Verwahrentgelt ist zu uns so viel Geld geflossen, dass unsere Kundeneinlagen deutlich stärker gewachsen sind als das Kreditgeschäft“, sagt Preiss. So stimme die Balance im klassischen Geschäftsmodell zwischen Kundeneinlagen und -krediten nicht mehr. Die Differenz beziffert er auf einen Betrag im „deutlich höheren zweistelligen Millionenbereich“.

Unter dem EZB-Zinssatz

Deshalb werden die Geschäftskunden informiert, dass vom 1. Februar bis 30. Juni die entsprechenden Verträge um die Position Verwahrentgelt ergänzt werden. Für sämtliche Firmenkunden gibt es einen Freibetrag von 100.000 Euro, was darüber hinaus geht, wird künftig je nach Betrag mit einem Negativzins zwischen 0,35 und 0,45 Prozent belegt. „Damit bleiben wir unter den 0,5 Prozent, die die EZB erhebt und die nach unserer Beobachtung die Banken in der Region berechnen“, sagt Preis.

Auch interessant: Volksbanken Ortenau und Schwarzwald-Baar bereiten Zusammenschluss vor

Ein Geschäftsmodell solle aus dem Verwahrentgelt nicht werden, andererseits „können wir nicht die Zukunftsfähigkeit der ganzen Bank aufs Spiel setzen.“ Ein jährlich überproportionales Wachstum führe zwangsläufig zur Frage, was damit passiere, „und ins Wertpapiergeschäft einzusteigen, nur damit wir als Bank kein Verwahrentgelt bezahlen müssen, scheidet aus“. Preiss betont aber auch, dass die Neuerung mehr als 90 Prozent der Gewerbekunden überhaupt nicht betreffe, vier Prozent der Kunden machten den größten Teil des Volumens in diesem Bereich aus: „Insofern ist das kein Massenthema.“ Für die Geschäftskunden sei es aber schon ein Paradigmenwechsel, räumt er ein.

Universalbanken besonders hart getroffen

Eine Universalbank wie Volksbank oder Sparkasse treffe der Negativzins besonders hart, zumal ihre Wettbewerbsfähigkeit schon durch die überbordende internationale und nationale Regulatorik eingeschränkt werde und die von Mario Draghi initiierte Niedrigzinsphase zusätzliche Schmerzen bereite. Gegenüber Groß- und Investmentbanken seien die regionalen Universalbanken im Nachteil: „Wir sind kundenfinanziert, die anderen haben keine Kundeneinlagen und deshalb auch keine Negativzinsen. Sie können sich auch anders als wir negativ refinanzieren.“

Keine Pläne bei Privatkunden

Für die Privatkunden schließt der Volksbank-Chef ein Verwahrentgelt derzeit aus: „Das kommt nicht, solange uns die umliegenden Mitbewerber nicht dazu zwingen.“ Auch werde die Volksbank Bühl im Gegensatz zu anderen Kreditinstituten im Land langfristige Sparverträge der Kunden einhalten: „Wir haben nicht einmal geprüft, ob wir kündigen könnten.“

Die Volksbank Bühl sieht derzeit keine Notwendigkeiten zu Fusionsgesprächen. „Wir sind gut aufgestellt, Größe und Eigenkapitalausstattung sind so gut, dass unsere Zukunftsfähigkeit gesichert ist“, versichert Vorstandsvorsitzender Claus Preiss.
Nach dem Bekanntwerden von Fusionsplänen der Volksbank in der Ortenau und der Volksbank Schwarzwald Baar Hegau, die zusammen eine Bilanzsumme von 8,1 Milliarden Euro auf die Waage brächten, stellt sich die Frage der weiteren Entwicklung der Bankenwelt in der Region. Das Geschäftsgebiet der Volksbank Bühl umfasst auch das Hanauerland, in der Ortenau hatten erst vor vier Jahren die Volksbanken Achern und Offenburg fusioniert. Die direkte Nachbarschaft hätte auch eine Kontaktaufnahme der Volksbank in der Ortenau Richtung Norden plausibel erscheinen lassen. Doch das sei kein Thema gewesen, wie Preiss sagt: „Wir wurden informiert über Fusionsgespräche, es gab aber keine Anfrage.“ Interesse hätte es auf Bühler Seite auch nicht gegeben. „Von den regulatorischen Anforderungen her ist die Volksbank Bühl kerngesund“, sagt Preiss. „Wir können investieren und wachsen und uns eigenständig weiterentwickeln.“