Die Jugendkonferenz ist eines von mehreren Mitteln, mit denen die Beteiligung der Bühler Jugendlichen an der Entwicklung in der Stadt gesichert werden soll. | Foto: pr

Neue Konzepte in Bühl

Vom Jugendrat bis zur Jugendapp

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Trotz der bei früheren Anläufen teils erheblichen Probleme bei der Kandidatensuche soll im kommenden Frühjahr wieder ein Jugendrat gewählt werden. Allerdings ist dies nur ein Teil eines Maßnahmenbündels, mit dem die Jugendbeteiligung in Bühl weiterentwickelt werden soll und das der Kultur- und Sozialausschuss einstimmig gebilligt hat; die letzte Entscheidung darüber wird der Gemeinderat haben.

Ergebnisse der Jugendkonferenz

Präsentiert wurden dem Gremium die Ergebnisse der jüngsten, mittlerweile fünften Jugendkonferenz, bei der im Oktober zahlreiche Jugendliche neue Möglichkeiten der Beteiligung besprochen hatten. Veronique Noel, die Leiterin des Jugendzentrums Komm, berichtete im Ausschuss über sich verändernde Bedürfnisse der Jugendlichen. Durch schulische Veränderungen sei die Freizeit geringer geworden, „und die ist deswegen heilig geworden“. Grundsätzlich müsse das Konzept der Jugendbeteiligung ständig überprüft und angepasst werden. In den vergangenen zwei Jahren habe die Bühler Jugendbeteiligung auf drei Säulen geruht: offene Kinder- und Jugendarbeit, aufsuchende Jugendarbeit und die Jugendbeteiligung. Noel blickte zurück auf den Jugendgemeinderat, der 2012 aufgelöst wurde, das Projekt „Jugend bewegt“ und die 2014 erstmals ausgerichtete Jugendkonferenz.

Jugendrat läuft nicht mehr gut

Damals war die Einführung eines Jugendrats beschlossen worden. Nach gutem Start laufe es nicht mehr so gut, sagte Bürgermeister Wolfgang Jokerst. Zuletzt seien kaum noch genügend Kandidaten gefunden worden, erläuterte Veronique Noel, und die durchschnittliche Teilnahme an den Sitzungen habe sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Manche Sitzungen seien mangels Teilnehmer  ausgefallen, und auch geplante Veranstaltungen hätten wegen des fehlenden Engagements zu den Akten gelegt werden müssen, so Noel. Die Verwaltungsvorlage gibt als einen Grund an, „dass die Bühler Jugendlichen derzeit keinen direkten Mehrwert erkennen, den ein Engagement im Jugendrat mit sich bringt (es fehlt an nichts).“

Beteiligung an Schulen

Nun sind verschiedene Neuerungen vorgesehen. Im Oktober bereits eingeführt wurde ein „Partizipationsstammtisch“ als Plattform zum Austausch und für Diskussionen über wechselnde Themen.
2019 ist die Einführung der „Jugendbeteiligung an Schulen“ geplant, wobei zunächst geklärt werden soll, wie dies über und mit der SMV umsetzbar ist. Anfang des Jahres 2019 soll eine Jugendbeteiligungsapp online gehen, „um Umfragen, Meinungsbilder, einen Informationsaustausch und Veranstaltungshinweise einfach und schnell ermöglichen zu können“, wie es in der Verwaltungsvorlage heißt.

2020 gibt es ein Jugendhearing

Die nächste Jugendkonferenz ist für den Spätherbst geplant, wobei sich die Jugendlichen laut Noel zwei Termine im Jahr und „mehr Eventcharakter“ wünschen. 2020 soll es erstmals ein Jugendhearing geben. Dabei werden Ideen und Wünsche gesammelt und versucht, diese in Form von Projekten umzusetzen. Die Jugendlichen können sich formlos und je nach Interesse an verschiedenen Aktionen und Projekten beteiligen. Die Themen legt die Jugendkonferenz fest.

„Substanz und Potenazial“

Vorschläge mit Substanz und Potenzial, „eine zeitgemäße Jugendbeteiligung auf den Weg zu bringen“, erkannte Bürgermeister Wolfgang Jokerst. Auch aus den Fraktionen kam uneingeschränkte Zustimmung, auch wenn es einerseits verwundere, andererseits sehr positiv zu werten sei, dass es an nichts fehle, wie Margret Burget-Behm (CDU) sagte. Die Jugend in welcher Form auch immer in die Kommunalpolitik einzubinden, sei sehr gut, und auch die permanente Nachjustierung sei zu begrüßen. Jokerst unterstrich dies mit dem Hinweis, dass zuletzt nur ein Jugendcafé vermisst worden sei, „und das wird kommen“.
Walter Seifermann (GAL) erkannte einen Zusammenhang zwischen dem fehlenden Engagement und der Zufriedenheit: Wenn die Jugendlichen unzufrieden wären, würden sie sich eher einbringen, meinte er. Nur so könne man etwas erreichen.

Schulterschluss angemahnt

Von der Wunschvorstellung eines regelmäßig zusammensitzenden Jugendrats, der diverse Themen bespricht, müsse man sich verabschieden, meinte Timo Gretz (SPD). „Als Juso hätte ich mir gewünscht, zu allem meinen Senf dazugeben zu können“, scherzte er. Wenn der Jugendrat nicht mehr zustande komme, müsse es eben über Projekte gehen. Seine Fraktionskollegin Heidrun Zeus bezeichnete einen engen Schulterschluss zwischen Jugendrat und Gemeinderat als sehr wichtig: „Man kann gegenseitig profitieren.“ Komm-Leiterin Veronique Noel bestätigte den Wunsch der Jugendlichen nach einem engen Austausch: „Man muss aber auf sie zugehen.“ Vielleicht müsse der Hund zum Jagen getragen werden, meinte Ludwig Löschner (GAL). Die Gründe für das nachlassende Engagement, wie geringer werdende Freizeit und hohe Zufriedenheit unter den Jugendlichen, seien für ihn aber nachvollziehbar. Kritisch betrachtete Löschner den Jugendrat. Wenn sich dafür nicht genügend Kandidaten fänden und am Ende jeder Bewerber gewählt würde, sei die demokratische Legitimierung fragwürdig: „Das wäre eine Scheindemokratie.“ Für Wolfgang Jokerst war dieser Begriff zu hart. Die Jugend müsse zur repräsentativen Demokratie hingeführt werden. Dass dies vielleicht schwieriger sei als früher, räumte Jokerst ein.

Jugendapp läuft über Komm

Zur Jugendapp führte Veronique Noel auf eine Frage von Ludwig Löschner aus, dass sie theoretisch jeder herunterladen könne und abgefragt werde, ob der Nutzer über oder unter 16 Jahren alt sei. „Es kann nicht wild gepostet werden, das läuft alles über das Komm“, machte sie deutlich. Auf Löschners Frage, ob auch Gemeinderäte Zugang zur App haben könnten, meinte Jokerst schmunzelnd: „Ja, aber vielleicht sollte man sich mit einem Bild von früher anmelden.“