Sebastian Wußler leitet jetzt das Amtsgericht Bühl. | Foto: Lienhard

Neuer Amtsgerichtsdirektor

Von Freiburg nach Bühl

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Der neue Direktor des Bühler Amtsgerichts heißt Sebastian Wußler und hat eine „Doping-Vergangenheit“: Er leitete etliche Jahre die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping in Freiburg. Wußler folgte auf Jürgen Früh, der in den Ruhestand gegangen ist.

Das Bühler Amtsgericht ist eines der kleineren im Land. Deshalb war es für Sebastian Wußler auch ein attraktives Berufsziel. Seit Anfang Februar ist der 37-Jährige der neue Direktor der Behörde. „Am Anfang meiner Laufbahn war ich an kleinen Amtsgerichten tätig, und da hat es mir gut gefallen. Man ist nah am Bürger und hat ein breites Betätigungsfeld, sagt Wußler. So bewarb sich der promovierte Jurist um die Nachfolge von Jürgen Früh, der seit Dezember im Ruhestand ist.

Doping-Staatsanwalt in Freiburg

Wußler hatte Gefallen am Standort Bühl gefunden, als er im vergangenen Jahr als Leiter der Freiburger Doping-Staatsanwaltschaft eine Anklage am Amtsgericht Bühl vertrat; es ging um das Verbringen großer Mengen von Doping-Mitteln am Baden-Airpark. Die Zeit in Freiburg war sehr spannend für Wußler, der dabei auch eng mit den Kollegen in München zusammengearbeitet hat, die derzeit in der „Operation Aderlass“ ermitteln. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie wichtig es ist, dass Betroffene „auspacken“: „Das System ist geprägt von Mauern, Verschweigen und Vertuschen.“ Das Thema Doping bleibt auch nach dem Wechsel nach Bühl aktuell, zum einen durch eine Vortragstätigkeit an der Hochschule für Polizei und zum anderen durch ein wissenschaftliches Forschungsprojekt an der Katholischen Hochschule in Freiburg, an dem Wußler beteiligt ist. „Straffälligenhilfe für Dopingtäter und Hilfestellung für Dopingopfer“ lautet der Titel.

Viele Fluggastverfahren

Der Baden-Airpark, der indirekt zum ersten engen Kontakt mit Bühl geführt hat, stellt künftig einen Arbeitsschwerpunkt für den Amtsgerichtsdirektor dar: Neben dem Betreuungsrecht ist er als Richter vor allem für Fluggastverfahren zuständig. Dabei handelt es sich um Verfahren, in denen Ansprüche wegen Flugverspätungen oder -annullierungen geltend gemacht werden. Eine genaue Statistik liegt noch nicht vor, „aber die Zahlen sind im vergangenen Jahr enorm gestiegen und liegen im dreistelligen Bereich“, berichtet Wußler, für den es auch reizvoll ist, „etwas komplett Neues zu machen“. In den Betreuungssachen wiederum hat er zu entscheiden, wer sich um die Angelegenheiten von Menschen kümmern soll, die aus geistigen oder körperlichen Gründen nicht mehr selbst dazu in der Lage sind und auch keine Vollmacht angefertigt haben.

Mitarbeiter machten Start leicht

Der neuen Aufgabe begegne er mit „großer Freude und Respekt“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten ihn sehr offen und freundlich empfangen: „Das hat mir den Start in Bühl leicht gemacht.“ Die Stimmung in der Behörde sei gut, „und das ist viel wert“. Vier Richter (inklusive Direktor), drei Rechtspflegerinnen, zehn Geschäftsstellenmitarbeiter und ein Wachtmeister sind hier tätig. Zudem sind dem Amtsgericht vier Gerichtsvollzieher zugeordnet. „Damit sind wir unter den kleinen Amtsgerichten im Land eines der größeren“, meint Wußler mit einem Augenzwinkern und bekennt sich zu den kleinen Einheiten: „Die Justiz muss auch in örtlicher Hinsicht bei den Bürgerinnen und Bürgern sein. Unser Gericht wird oft in menschlichen Ausnahmesituationen aufgesucht. Daher ist es gut und wichtig, dass die Rechtssuchenden vor Ort eine Anlaufstelle und Ansprechpartner finden“.

Elektronische Verfahrensakte kommt

Aktuell sieht Wußler die kleinen Einheiten nicht gefährdet; Herausforderungen gebe es aber sehr wohl. Dazu zählt er die anstehende Einführung der elektronischen Verfahrensakte. „Das ist ein Systemwechsel“, meint der Amtsgerichtsdirektor, ist sich aber sicher: „Die papierlose Aktenführung und Verfahrensbearbeitung wird für alle Beteiligten viele Erleichterungen und Chancen bieten.“

Sebastian Wußler stammt aus dem Vorderen Kinzigtal. Der verheiratete Vater von drei Kindern hat in Freiburg Rechtswissenschaften studiert und in Speyer ein verwaltungswissenschaftliches Ergänzungsstudium absolviert. Seine Dissertation wurde 2011 von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg angenommen und 2014 in Buchform veröffentlicht; der Titel: „Leitlinien der Rechtsprechung zum Persönlichkeitsschutz von Religionsgemeinschaften vor öffentlichen Äußerungen. Darstellung und kritische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des kirchlichen Dienst- und Arbeitsrechts“. Das Referendariat führte ihn zum Landgericht Offenburg, ehe Wußler als Richter an den Amtsgerichten Breisach und Müllheim und beim Landgericht Freiburg arbeitete. Im Jahr 2011 wechselte er zur Staatsanwaltschaft Freiburg, wo er von 2012 an die Ermittlungsgruppe Doping leitete, die landesweit für strafrechtliche Ermittlungen bei Dopingdelikten zuständig ist. In seiner Freizeit ist Wußler ein begeisterter Läufer. Ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem als Redaktionsmitglied der Verbandszeitschrift des Deutschen Richterbundes sowie als Vorsitzender des Prüfungsauschusses der Katholischen Hochschule in Freiburg.