Aus dem Balzhofener Wasserwerk kommen 25 Prozent des Bühler Trinkwassers. Jetzt wird, um auf ein mögliches PFC-Problem vorbereitet zu sein, eine Versorgungsalternative ohne dieses Wasserwerk erarbeitet. | Foto: Lienhard

Bühl: PFC rücken an Wasserwerk

Vorbereitung auf den Fall der Fälle

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Die gute Nachricht vorneweg: Das Bühler Trinkwasser weist nach wie vor keine Spuren einer PFC-Belastung auf. Aber, und jetzt werden die Nachrichten schlechter, die Sorgenfalten werden größer, weil die PFC immer näher an das Wasserwerk in Balzhofen rücken. Mittlerweile sind auf Grundstücken im den Tiefbrunnen umgebenden Wasserschutzgebiet sehr hohe PFC-Belastungen nachgewiesen, weshalb die Stadtverwaltung und die Stadtwerke samt Zweckverband Trinkwasserversorgung Bühl und Umgebung (dem auch Ottersweier und Bühlertal angehören) sich auf eine mögliche PFC-Belastung des Wassers vorbereiten. „Wir müssen handeln“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Rüdiger Höche.

Drei Schritte geplant

Wie auf die veränderte Situation reagiert wird, soll mit dem Landratsamt Rastatt besprochen werden, das beispielsweise beim Wasserrecht federführend ist. Die Nachricht über die belasteten Flächen ist noch brandneu, „wir wissen das noch keine 14 Tage“, sagt der Bühler PFC-Beauftragte Markus Benkeser. Am 14. Dezember stehe ein Gespräch im Landratsamt an, das in verschiedenen Punkten Klarheit bringen soll.
Proben des Landratsamt hatten laut Benkeser den neuerlichen PFC-Stein ins Rollen gebracht. 22 weitere Hektar wurden untersucht, und dass 4,5 Hektar davon anschließend als belastet eingestuft werden mussten, war einerseits angesichts der immer neuen PFC-Meldungen nicht ganz überraschend, vor allem aber die Nachrichten aus Balzhofen waren ein Schlag in die Magengrube (weitere PFC-Flächen fanden sich in Weitenung, Vimbuch und den Bußmatten). Das auch deshalb, weil just die Balzhofener Flächen sehr hoch belastet sind. „Sie sind relativ nahe am Tiefbrunnen“, berichtet Höhe. „Sowohl Roh- als auch Trinkwasser sind aber PFC-frei.“ Die letzte Probe sei im November analysiert worden; jährlich zweimal wird bislang auf PFC untersucht: „Damit haben wir bereits nach den Meldungen von PFC-Funden in Rastatt begonnen.“

Häufigere Proben

Nun soll in Absprache mit dem Landratsamt der Probenzyklus verringert werden. Vier- bis sechsmal im Jahr will Höche das Bühler Wasser auf PFC untersuchen lassen (jede dieser Proben schlägt mit 400 Euro zu Buche). Ein zweiter Schritt ist ein hydrologisches Gutachten, mit dem die Richtigkeit einer These überprüft werden soll: „Wir gehen von zwei Grundwasserströmen aus, die sich in 20 beziehungsweise 44 Metern Tiefe befinden“, erläutert Höche. „Dazwischen ist schluffiger Sand, der nichts durchlässt. Wir fördern das Trinkwasser aus der unteren Schicht, und wenn die These stimmt, sind wir damit auf der sicheren Seite.“

Szenario ohne Balzhofen

Der dritte Schritt schließlich: Es wird nun ein Plan entwickelt, wie die Bühler Trinkwasserversorgung gänzlich ohne das Balzhofener Werk auskommen könnte (von dort kommen derzeit 25 Prozent des Bedarfs). Dass dies den Ernst der Lage zeigt, ist Benkeser und Höche bewusst. Technische Möglichkeiten, das PFC aus dem Wasser zu filtern, gäbe es, bestätigt Höche, eine entsprechende Membran sei in Balzhofen auch eingebaut. Aber dann stelle sich die Frage der Entsorgung des Eluats. Auch deshalb wäre für Höche die Stilllegung des Ende der 1960er Jahre in Betrieb gegangenen Wasserwerks Balzhofen die erste Option; dann liefe die Versorgung ausschließlich über das Wasserwerk Landmatt zwischen Bühl und Ottersweier. Ob es soweit kommt, ist ungewiss, sicher aber ist für Höche: „Unbelastetes Trinkwasser hat höchste Priorität. Und deshalb müssen wir etwas tun, um vorbereitet zu sein.“

 

Auf Bühler Gemarkung sind mittlerweile rund 100 Hektar mit perfluorierten Chemikalien (PFC) belastet. Mit den jetzt bekannt gewordenen 4,5 Hektar hat sich auch der Kreis der betroffenen Eigentümer und Bewirtschafter erhöht; die Ackerschläge verteilen sich auf 17 verschiedene Besitzer, wie der städtische PFC-Beauftragte Markus Benkeser berichtet. Und sie seien alle neu im Kreis der mit PFC konfrontierten Grundstückseigentümer: „Die Bewirtschafter dieser Äcker waren in den vergangenen drei Jahren mit PFC nicht in Verbindung gebracht worden.“
Nicht nur im Bereich des Wasserwerks Balzhofen wurden neue Flächen entdeckt, sondern auch beispielsweise in Weitenung. Für beide Stadtteile gelte aber weiterhin die Aufforderung an private Brunnenbesitzer, kein Grundwasser zu verwenden. Völlig unbelastet seien aber jene Flächen, die zu Wohnbaugebieten werden sollen: „Das ist alles untersucht und frei von PFC“, sagt Benkeser.
Was gemacht werden könne, werde auch gemacht, sagt Benkeser ebenso wie Stadtwerke-Geschäftsführer Rüdiger Höche. Das bezieht sich nach den PFC-Nachrichten aus dem Wasserschutzgebiet auch auf juristische Fragen. Höche kündigt eine Anzeige gegen Unbekannt an: „Wir betreiben als Zweckverband eine Produktionsstätte für Trinkwasser, und diese Produktion könnte jetzt gestört werden. Dagegen wollen wir vorgehen.“ Allerdings müsse zuerst geklärt werden, wer die juristische Auseinandersetzung zu führen habe, ob Stadtwerke/Zweckverband, Stadt oder Landkreis. Grundsätzlich sei juristisch die Lage derzeit völlig ungewiss, sagt Markus Benkeser: „Wir müssen zuerst das Ergebnis der Hügelsheimer Klage abwarten, bei der es um die mögliche Verjährung der Vorwürfe geht.“ Für Höche sind diese Dinge derzeit zweitrangig: „Wir müssen jetzt etwas tun und handeln, wie das refinanziert wird, ob da Schadensersatz geleistet werden muss, das können wir uns später noch überlegen.“