Das denkmalgeschützte Gasthaus Rindfuß in der Hauptstraße in Bühl hat einen neuen Eigentümer und wird saniert. | Foto: Ulrich Coenen

Traditionsgasthaus in Bühl

Was wird aus der alten Gaststube?

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Die denkmalgeschützte Traditionsgaststätte zum Rindfuß in der Hauptstraße in Bühl hat einen neuen Eigentümer. Ralf Feuerer hat das Gebäude an einen Investor verkauft. Zwar bleibt die Gastronomie erhalten, doch im Rahmen der Sanierung wurden Teile der Innenausstattung der Gaststube demontiert. Dies kritisiert der Historische Verein Bühl.

Demkmalschutz seit 1990

Das Gasthaus zum Rindfuß wurde 1990 in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen, die seinerzeit von der Kunsthistorikerin Wiltrud Heber im Auftrag der Landesdenkmalpflege für das Stadtgebiet Bühl erarbeitet wurde. Nach Auskunft der Denkmalliste befand sich das ursprüngliche Gashaus Rindfuß in der Nähe der Bühlot. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Schildgerechtigkeit auf das jetzige Gebäude in der südlichen Hauptstraße übertragen.

Mit Stadtgeschichte eng verbunden

Das zweigeschossige Gebäude mit massivem Untergeschoss und einem Obergeschoss aus Fachwerk trägt ein flaches Walmdach. Das originale Fachwerk ist verputzt. Das heute sichtbare Zierfachwerk zwischen Ober- und Untergeschoss wurde nach Auskunft der Denkmalliste später aufgenagelt. „Das Traufgesims auf Konsolen und die hölzerne Zierblende unterhalb der Dachrinne lassen ebenfalls auf Änderungen im Bereich des Obergeschosses und des Daches schließen“, heißt es weiter. Wiltrud Heber berichtet ebenfalls von Umbauten im Inneren, die im Frühjahr 1881 stattgefunden haben. „Als traditionsreiches Gasthaus ist der Rindfuß mit der Stadtgeschichte Bühls eng verbunden“, urteilt sie. „Wegen der Aussagekraft als materielle Quelle für die Ortsbaugeschichte sowie für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte ist der Bau ein Kulturdenkmal aus wissenschaftlichen Gründen. An seiner Erhaltung besteht insbesondere wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes ein öffentliches Interesse.“

Diese Postkarte, die sich in die Zeit zwischen 1942 und 1955 datieren lässt, zeigt die ältesten erhaltenen Ansichten der Gaststube. | Foto: Stadtgeschichtliches Institut Bühl

Eva Wigand-Helbing, die stellvertretende Vorsitzende des Historischen Vereins Bühl, ärgert sich über die „Auskernung“ des Gasthauses. „Die hölzerne Wandvertäfelung und die mit der Wand verbundenen Sitzbänke sind mehr als ein Jahrhundert alt“, meint sie. „Eine solche Einrichtung muss man behutsam restaurieren und nicht herausreißen. Gerade wegen dieser Ausstattung sind die Leute ja ins Gasthaus gegangen.“

„Nicht nur Fassaden schützen“

Wigand-Helbing betont, dass der Denkmalschutz sich nicht auf die äußere Hülle des Gebäudes beschränke, sondern auch den Innenraum betreffe. „Es ist ein Fehler, wenn beim Erhalt historischer Bauwerke immer nur über Fassaden diskutiert wird“, sagt die Architektin und Regierungsbaumeisterin. „Leider gibt es in der Bühler Stadtverwaltungen niemand, der solche Sanierungen fachkundig begleitet. Das Ergebnis im Fall Rindfuß ist verheerend.“

Wenige historische Ansichten erhalten

In welchem Umfang die Ausstattung der Gaststube noch dem Umbau von 1881 angehörte, ist nicht einfach zu beantworten. Bei einer Recherche dieser Zeitung im Stadtgeschichtlichen Institut fand sich lediglich eine historische Postkarte, die neben einer Außenansicht drei Innenansichten des „Rindfuß“ zeigt. Auf der Rückseite der Postkarte wird Frida Bechtler als Gastwirtin genannt. Sie hatte ab 1942 die Konzession auf dem „Rindfuß“. Die Postkarte stammt also aus den 1940er oder 1950er Jahren.

Nicht alles ist orginal

Die charakteristische Wandverkleidung der Gaststube mit Brettern mit Blockhausprofil und die Wandbänke gab es damals schon, ebenso die zentrale Säule aus Eisen und die Theke. Eindeutig eine Zutat der vergangenen Jahrzehnte ist aber der Boden mit großformatigen Fliesen, der den Holzdielenboden ersetzte, der auf der Postkarte zu sehen ist.

Stadt weist Kritik zurück

Corina Bergmaier, die Leiterin der Abteilung Baurecht und damit der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Stadtverwaltung, erklärte gegenüber dieser Zeitung, dass die Baumaßnahmen im Vorfeld mit dem Landesamt für Denkmalpflege als zuständiger Fachbehörde abgestimmt wurden. „Für die Sanierung des Inneraums mit der Gaststube gab es Auflagen“, berichtete Bergmaier. Die modernen Fliesen und die Wandverkleidung durfte der neue Eigentümer entfernen. Erhalten werden mussten die Lambris (so nennt man die Vertäfelung im Sockelbereich der Wand), die Türen und die Treppe. Die Holzfenster dürfen nur mit derselben Sprosseneinteilung erneuert werden.

Bauherr hält sich an Auflagen

Eine Baustellenbegehung mit der für Bühl zuständigen Gebietsreferentin des Landesamtes für Denkmalpflege dieser Tage hat gezeigt, dass sich der Bauherr an alle Auflagen gehalten hat. „Im Hinblick auf die Haustür und die neue Werbeanlage müssen jetzt nur noch Details abgestimmt werden“, sagte Corinna Bergmaier.