Weinreben, soweit das Auge reicht: „Wir rechnen mit einem sehr guten Jahrgang und einer durchschnittlichen Menge“, so Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands.
Weinreben, soweit das Auge reicht: „Wir rechnen mit einem sehr guten Jahrgang und einer durchschnittlichen Menge“, so Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands. | Foto: Leonhard

Wirtschaft

20 Prozent weniger Wein bei badischen Winzergenossenschaften – Verband dennoch zufrieden

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Über das Wetter konnten sich die badischen Winzer dieses Jahr nicht beklagen. Das regnerische Frühjahr und der heiße Sommer ließen die Trauben wie erhofft gedeihen, dazu herrschten während der Weinlese bislang nahezu optimale Witterungsbedingungen. „Wir rechnen mit einem sehr guten Jahrgang und einer durchschnittlichen Menge“, betont Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, am Donnerstag in Bühl.

Zwar liege die Weinmenge bei den badischen Winzergenossenschaften 2019 mit rund 85 Millionen Liter etwa 20 Prozent hinter dem Rekordjahr 2018 zurück, aber immerhin bewege sich die Weinproduktion noch im langjährigen Mittel.

Kühlerer Mai, schwere Gewitter und Hitze

Gebremst wurde die Entwicklung der Trauben laut Glaser durch den etwas kühleren Mai. Außerdem sorgten schwere Gewitter im Markgräflerland für Schäden und der mehrmonatige Hitzesommer für Sonnenbrand. „Trotzdem sind die Trauben mit den hohen Temperaturen recht gut zurechtgekommen“, so Glaser. Das sei für die Winzer auch ein Indiz, dass sich die Trauben sehr gut auf klimatische Extremereignisse einstellen können.

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Absatz steigt um 1,8 Prozent

Zufrieden ist Glaser auch mit dem laufenden Geschäftsjahr. Im ersten Halbjahr stieg der Absatz der 72 Winzergenossenschaften – die für rund 70 Prozent der badischen Weinproduktion verantwortlich zeichnen – um 1,8 Prozent auf 43,7 Millionen Liter Wein und Sekt. Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum um 0,5 Prozent auf 127,8 Millionen Euro zu.

Die diesjährige Weinlese läuft noch bis Mitte Oktober. Bislang zieht auch Geschäftsführer Ralf Schäfer von der Affentaler Winzer eG ein positives Fazit. „Ich freue mich jeden Tag, an dem ich morgens friere. Dann bekommen die Trauben ein besseres Aroma“, so Schäfer, der auch mit dem Oechsle-Gehalt zwischen 80 und 95 Grad bei den badischen Weinen gut leben kann.

Am Ende hätten sich sogar die Niederschläge Anfang September noch positiv auf die Qualität der Trauben ausgewirkt. „So hat der Wein den richtigen Alkoholgehalt und die notwendige Säure“, sagt Schäfer.

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Weine aus Baden-Baden und Bühl werden weiterhin getrennt vermarktet

Durch die Fusion der Baden-Badener Winzergenossenschaft mit der Affentaler Winzer eG wurden laut Schäfer im vergangenen Jahr bereits die Weichen für eine Optimierung der Vertriebswege gestellt. „Viele unserer Mitglieder sind Halberwerbs- und Hobbywinzer. Da werden immer wieder Betriebe aufgegeben“, erinnert Schäfer an eine Halbierung der badischen Weinbaubetriebe von 25.480 im Jahr 2000 auf 12.622 zum Jahresende 2018.

Trotz der einheitlichen Organisation würden die Weine aus Baden-Baden und Bühl aber weiterhin getrennt voneinander vermarktet.

Winzer aus Oberkirch und Kappelrodeck schließen sich zusammen

Auch sonst liegen in Baden Genossenschaftsfusionen im Trend. Im laufenden Jahr schlossen sich bereits die Oberkircher Winzer und die Winzergenossenschaft Hex vom Dasenstein aus Kappelrodeck sowie die Winzergenossenschaften aus Mühlhausen und Kraichgau zusammen. Außerdem ist noch der Zusammenschluss des Kaiserstühler Winzervereins Oberrotweil mit der Winzergenossenschaft Jechtingen-Amoltern geplant.

China ist ein attraktiver Absatzmarkt

Prognosen über weitere Fusionen sind laut Glaser und Schäfer derzeit aber unseriös. Bei der Affentaler Winzergenossenschaft soll derweil der Exportanteil von derzeit fünf bis zehn Prozent ausgebaut werden.

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„Das ist aber kein einfaches Unterfangen“, so Schäfer. Chancen sieht er vor allem in China, wo die Affentaler Weine im Jahr des Affen gut verkauft wurden. Und viele Russen schätzten die Weine aus Baden-Baden. Neugründungen hätten es wegen des gesättigten Marktes aber schwer.