Es dampfte noch: Der Bahnhof Bühl zu "Großvaters Zeiten". | Foto: Sammlung Kohler

Vortrag: Eisenbahn in Bühl

Weinbergschnecken reisten mit dem Zug

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Bühl. Gut 400 Zeitzeugeninterviews, Quellen-Studium im Stadtgeschichtlichen Institut in Bühl und zahlreichen anderen Archiven, überhaupt eine unbändige Forscher- und Sammelleidenschaft in Sachen Eisenbahngeschichte in und rund um Bühl: Wenn Thomas Gries (Bühl) und Thomas Kohler (Lichtenau), beide im Modellclub 1:87 Lichtenau aktiv, über den Bahnhof Bühl, die Bühlertalbahn sowie die Mittelbadische Eisenbahn (heute SWEG) berichten, dann schöpfen sie aus einem schier unendlich scheinenden Wissens- und Geschichtenfundus. Dazu kommen viele historische Bilder, die sie im Laufe der Jahre gesammelt haben.

Vortrag über die Eisenbahn in Bühl

Am Sonntag, 30. September, 19 Uhr, öffnen die beiden im Rechtecksaal des Bürgerhauses Neuer Markt in Bühl sozusagen ihre Schatztruhen, und halten einen Vortrag – auf Einladung des Historischen Vereins Bühl – in Wort und Bild über inzwischen fast 175 Jahre Eisenbahngeschichte in Bühl. „Das soll natürlich keine trockene Faktenreihung werden“, so Thomas Kohler, Vorsitzender des Modellclubs Lichtenau und Projektleiter in Sachen Nachbau des Bühler Bahnhofs im Modell, „wir werden viele Bilder zeigen.“

Obst-Transport ein Themenschwerpunkt

Einen Schwerpunkt des Multimedia-Vortrags bildet der Obstverkehr vom „Bühler Zwetschgenbahnhof“. 500000 Zentner sind für Anfang der 1930er Jahre in den Statistiken verzeichnet. Thomas Gries, der alle Zeitzeugeninterviews führte, hat die Laufwege der Obstzüge in einer Grafik aufbereitet. „So etwas hat es bislang noch nicht gegeben“, sagt der Kenner der Bühler Eisenbahngeschichte. Damit wird sehr anschaulich, dass die Bühler Zwetschge auf der Schiene von Mittelbaden nach Berlin, nach Köln, nach Königsberg/Ostpreußen (heute Kaliningrad) und zu vielen anderen Zielen mehr reiste.

Von der „alten Eisenbahn“ ist nur noch wenig zu sehen

Heutzutage ist von der „alten Eisenbahn“, respektive der späteren Bundesbahn mit ihrer Fahrzeugvielfalt, vom Dampfzug ins Bühlertal und dem „Enteköpfer“ Richtung Schwarzach und weiter nach Kehl, von Bahnmeisterei, Expressgutschalter und Bahnpost nichts mehr zu sehen. Auch die französischen Streitkräfte, die in Bühl das Economat, also das zentrale Versorgungszentrum für ihre Truppen in Deutschland unterhielten, generierten einiges an Verkehr auf der Schiene. Drei Gleise gab es im „Eco“. „Bühl durfte sich mit Fug und Recht als Bahnknoten bezeichnen“, so Thomas Kohler.

Dampfloks halten auch heute noch im Zuge von Sonderfahrten in Bühl | Foto: Jörg Seiler

Heutzutage ist das Mittelzentrum Bühl durch Schwarzwaldbahn und Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) mit einem guten Verbindungsangebot ausgestattet, vom Status her ist der ehemalige Bahnknoten allerdings nur noch ein Haltepunkt.

Rückblick auf die „große Zeit“ der Eisenbahn in Bühl

Gries und Kohler wollen in ihrem Vortrag die „große Zeit“ der Eisenbahn in Bühl in all ihren Facetten lebendig werden lassen; die Epoche, als zum Beispiel Fernzüge mit klangvollen Namen wie Hispania-Express (Laufweg von Hamburg bis ins spanische Portbou) durch die Zwetschgenstadt rollten, als Schnecken noch per Bahn hierherkamen und über die längst abgerissene Güterhalle ihren Weg zum Kunden fanden, als das damalige Raiffeisenlager in der Meister-Erwin-Straße noch die Düngemittel-Säcke per Güterwagen geliefert bekam, als die Fahrt auf dem „Enteköpfer“ von Bühl (MEG-Bahnhof) über Schwarzach nach Kehl schon fast eine kleine Weltreise war.

Bahn war für die wirtschaftliche Entwicklung Bühls sehr wichtig!

„Wir freuen uns auf diesen Vortrag, spiegelt er doch auf ganz eindrückliche Weise auch die wirtschaftliche Entwicklung Bühls wider, die ohne Bahn nicht so erfolgreich verlaufen wäre“, konstatierte Rüdiger Schmitt vom Historischen Verein.