Das „Windecker Reiterlein“ beschäftigt aktuell das Amtsgericht Bühl. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es ein besonderer Fund. | Foto: Martin Strotz

Amtsgericht weist Klage ab

„Windecker Reiterlein“ bleibt im Stadtmuseum Bühl

Anzeige

Das „Windecker Reiterlein“ und die vier alten Bauteile aus der Burg Windeck (so genannte Spolien) bleiben Eigentum des neuen Burgherrn Erwin Junker. Richterin Alexandra Schneider verkündete am Freitag im Amtsgericht Bühl das Urteil und wies die Klage auf Herausgabe des spätmittelalterlichen Kinderspielzeugs und der mittelalterlichen Spolien durch die frühere Eigentümerin der Burg ab.

Exponate im Depot

Damit verbleiben die Gegenstände im Stadtgeschichtlichen Institut der Stadt Bühl, das mit dem Stadtmuseum eine organisatorische Einheit bildet. Mit Beginn des Rechtsstreits wurden die Exponate aus der Ausstellung genommen und im Depot des Stadtgeschichtlichen Instituts eingelagert. Karsten Schaumann, der Syndikus der Firma von Erwin Junker, betonte am Freitag gegenüber dieser Zeitung, dass Reiterlein und Spolien auf ausdrücklichen Wunsch von Junker weiterhin als Leihgaben im Museum bleiben sollen.

Schriftliche Urteilsbegründung folgt

Die schriftliche Urteilsbegründung liegt den Prozessparteien, die zur Urteilsverkündung nicht erschienen waren, noch nicht vor und soll ihnen in der nächsten Woche zugestellt werden. Richterin Schneider erklärte nach der Urteilsverkündung gegenüber der Presse, dass sie Reiterlein und Spolien als Zubehör der Burg sehe.

Kein vergleichbarer Fall

Das war die entscheidende Frage. Als Zubehör der Burg gehen die Stücke mit dem Verkauf des Baudenkmals nämlich automatisch ins Eigentum des neuen Burgherrn über. Schneider hatte bei einem vergeblichen Gütetermin im Januar festgestellt, dass es in der deutschen Rechtsprechung bislang keinen vergleichbaren Fall gebe.

Zweite Instanz wahrscheinlich

Bereits damals deutete sich an, dass die jeweils unterlegene Partei das Urteil des Amtsgerichts nicht akzeptieren und dieses in zweiter Instanz vor dem Landgericht Baden-Baden anfechten wird. Vom Rechtsanwalt der unterlegenen früheren Eigentümerin war am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Die Stadt und Erwin Junker bilden in diesem Verfahren eine Allianz. Junker war der auf Herausgabe verklagten Stadt als Streithelfer zur Seite gesprungen.

Eigentümer sieht sich bestätigt

Karsten Schaumann sieht sich nach dem Urteil in seiner Rechtsauffassung bestätigt. „Wenn ein Landwirt seinen Hof verkauft, gehören Traktor und Pflug, die er in der Scheune des Nachbarn ausgelagert hat, selbstverständlich auch zum Hof“, meinte er in einem Vergleich. „Ich freue mich, dass das Recht gesiegt hat.“ Jetzt müsse man sehen, wie es weiter gehe. Frank Wolz, der Anwalt der Stadt, freute sich nicht minder, geht aber davon aus, dass die Gegenseite in die zweite Instanz geht. Nachdem die Stadt der früheren Burgherrin bereits im Vorfeld des Prozesses ein Kaufangebot unterbreitet hat, konstatierte er: „Es geht bei dieser Sache nicht ums Geld.“ Dass die fünf historischen Stücke und insbesondere das Reiterlein in Bühl bleiben, sei eine gute Sache. „Die Windeck ist schließlich unsere Hausburg“, meinte Wolz.

OB Schnurr spricht von erstem Schritt

„Wir sehen unsere Auffassung bestätigt, wollen aber die Urteilsbegründung abwarten“, sagte OB Hubert Schnurr. Bevor das Urteil Rechtskraft erlangt, sollen die fünf Exponate allerdings nicht aus dem Depot in die Ausstellung zurückkehren. „Dieses Urteil ist in jedem Fall ein erster Schritt“, meinte Schnurr. „Wir wollen mit dem Reiterlein und den vier Spolien auch in Zukunft die Geschichte unserer Burg im Stadtmuseum darstellen.“