Balzhofen bildet die südliche Grenze der heute bekannten PFC-Belastung. Der Stadtteil ist wie auch Weitenung von PFC-belastetem Grundwasser unterflossen. | Foto: Klatt

PFC: Ein Überblick in Bühl

„Wir sitzen mit im Boot“

Von Patricia Klatt

Lange Zeit konnte man sich in Bühl der Illusion hingeben, PFC in Boden und Wasser, in Gewerbe- oder Baugebieten oder bei der Planung von Radwegen sei doch mehr auf den Landkreis beschränkt, zwar bedauerlich, aber ohne direkte Relevanz für Bühl und Umgebung. Das ist schon lange Vergangenheit: „Wir haben hier die am höchsten mit PFC belasteten Flächen, Probleme mit dem Grundwasser und mit Weitenung und Balzhofen gleich zwei Ortsteile, die von PFC-belastetem Grundwasser unterflossen werden, mit den entsprechenden Konsequenzen für die Bewohner“, erklärt Markus Benkeser, der PFC-Beauftragte der Stadt Bühl.

Trinkwasser unbelastet

Das einzig Erfreuliche an dem ganzen Problem sei das nach wie vor unbelastete Trinkwasser, aber das sei auch nur der Tatsache geschuldet, dass die Trinkwasserbrunnen glücklicherweise weit genug entfernt von PFC-Flächen liegen würden, so Benkeser. „Das Ganze kam Ende 2014 ins Rollen, als wir auf Verdacht hin den Sportplatz in Eisental untersuchen ließen“, erinnert sich Benkeser. „Die Nachweise waren leider positiv. und seit 2015 sitzen wir mit im Boot.“

Flächen teils sehr hoch belastet

Nach heutigem Stand sind Ackerflächen in den Bußmatten auf Vimbucher und Eisentaler Gemarkung zum Teil sehr hoch belastet, außerdem Flächen in Weitenung sowie Äcker zwischen Waldhägenich und Balzhofen. Bei den Letzteren liege die Quotientensumme für die verschiedenen PFC zwischen zwei und vier, (wenn sie kleiner als eins ist, gilt die PFC-Belastung als unbedenklich), so Benkeser. Bühl hat außerdem Bodenproben eigener Grundstücke untersuchen lassen ebenso wie Brunnen an Grillplätzen und Sportplätzen oder Löschwasserbrunnen, um die Risiken für die Bevölkerung zu minimieren. Dies ergab einen großflächigen Gemarkungsüberblick. Es konnten dadurch Rückschlüsse auf die Ausbreitung der Chemikalien gezogen und notwendige Maßnahmen eingeleitet werden.

Baugebiete PFC-frei

Die Kosten für die Bodenuntersuchungen werden zum Teil von der Stadt und zum Teil vom Landratsamt getragen. „Bis Ende 2017 werden wir wohl rund 80 000 bis 100 000 Euro dafür ausgegeben haben“, so Benkeser, „aber dafür haben wir einen detaillierten Überblick und wissen zum Beispiel, dass im Ortsteil Moos nichts gefunden worden ist und dass die südliche Grenze der momentan bekannten Belastungen auf Höhe Balzhofen liegt“. Außerdem wurden alle Baugebiete, die seit 1999 ausgewiesen wurden, nachträglich untersucht, und erfreulicherweise sei dort keine PFC-Belastung nachweisbar. „Natürlich werden auch alle Neubaugebiete kontrolliert, auch dafür sind die Bodenproben bereits genommen worden. Für die möglichen Erweiterungsflächen in der Weststadt und bei der Gewerbeschule stehen die Ergebnisse noch aus“.

Aktive Suche nach Lösungen

Benkeser ist zufrieden damit, wie die Stadt mit der PFC-Problematik umgeht, das sei alles sehr sachlich und man bemühe sich um die größtmögliche Transparenz, auch durch eigene Informationsveranstaltungen wie zum Beispiel in Weitenung. Die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch mit dem Landratsamt in Rastatt funktionierten ebenfalls hervorragend. „Auch die Bühler Landwirte zeigen sich kooperativ und geben Auskunft darüber, ob auf ihre Flächen Papierschlämme ausgebracht worden sind“. Möglicherweise PFC-belastete Papierschlämme werden als Ursache der Verseuchung diskutiert, bereits 2007 gab es Beschwerden über Papier auf Bühler Äckern, „leider wurden die Papierreste nicht auf PFC untersucht, aber der Acker, von dem sie stammten, ist heute einer der am höchsten mit PFC belasteten Äcker“, so Benkeser.
Alternativlos ist für ihn die Kommunen-übergreifende Zusammenarbeit, zumal PFC sich mit dem Grundwasser ausbreite, und sich zum Beispiel in Richtung Sinzheim und Hügelsheim zu bewege. In Bühl suche man aktiv nach Lösungen und Kooperationen, wo immer es möglich sei, so Benkeser.