Vor der Kulisse des Kinder- und Familienzentrums diskutierte OB Hubert Schnurr im Obergeschoss der Mensa mit der Bürgerinitiative, die einen anderen Standort für die geplante Mensa fordert. | Foto: Ulrich Coenen

Umstrittene Mensa in Bühl

„Wo sollen dann die Kinder spielen?“

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Der Konflikt bleibt, aber die Diskussion war fast immer sachlich. Am nächsten Mittwoch entscheidet der Gemeinderat über den Bebauungsplan für den Garten des Kinder- und Familienzentrums (Kifaz), auf dem eine Mensa einstehen soll. Vorher traf sich OB Hubert Schnurr mit der Bürgerinitiative (BI) zum Schutz der Oase im Kifazgarten zu einem Meinungsaustausch in der Mediathek. Vom Panoramafenster im Obergeschoss hatten die Teilnehmer einen guten Blick auf das Gelände und das am Vortag aufgebaute Baugerüst, das die Höhe des geplanten dreigeschossigen Neubaus andeuten soll (wir berichteten).

Kulturviertel in Bühl

Schnurr gab zunächst einen Überblick über die Entwicklung des Quartiers, das sich seit der Eröffnung des Bürgerhauses Neuer Markt 1989 zu einem Kulturviertel entwickelt hat. Mit dem 2017 abgeschlossenen Wettbewerb „Campus Bühl“ will die Stadt dieses Kulturviertel weiterentwickeln. „Die Notwendigkeit einer Mensa ist für die 1200 Schüler der Aloys-Schreiber-Schule und der Realschule gegeben“, meinte er. Der OB wies darauf hin, dass bereits der Bebauungsplan aus dem Jahr 1990 eine Bebauung des Kifaz-Gartens vorsehe. „Zugegebenerweise wird aus der eingeschossigen Mensa aus dem Wettbewerb ein dreigeschossiger 12,9 Meter hoher Kubus. Wir brauchen die Klassenräume in den Obergeschossen jetzt.“ (Die Wohnanlage St. Elisabeth gegenüber ist rund 12,5 Meter hoch.) Als Ersatz für den Kifaz-Garten, der überbaut werden soll, will Schnurr den Bereich zwischen Mediathek und Mensa neu gestalten. „Auch mit Bäumen“ erklärt er. „Das gibt eine andere Qualität“.

Kritik aus dem Publikum

Das wurde aus dem Publikum kritisiert. Es mache keinen Sinn, den „kleinen Park zu vernichten“ und an anderer Stelle Ersatz zu schaffen. Stattdessen solle die Stadt den Kubus auf dem Grundstück unmittelbar nördlich der Mediathek bauen. „Dagegen sprechen städtebauliche Gründe“, meinte Schnur. „Es würden viele kleine Räume entstehen.“ Rosemarie Becker bezweifelte die Notwendigkeit des Jugendcafés, das in der Mensa entstehen soll. „Der Jugendrat kommt nicht auf die Beine“, sagte sie. Da stelle sich die Frage, ob die nächste Jugendgeneration überhaupt noch ein Jugendcafé wünsche. Bürgermeister Wolfgang Jokerst wies darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren insgesamt fünf Jugendkonferenzen für das Café ausgesprochen hätten. Der Bedarf sei unstrittig.

„Wir brauchen die Mensa“

BI-Sprecher Wolfgang Flösser betonte: „Keine Frage: Wir brauchen die Mensa.“ Er bezweifelte aber, ob der Standort im Kifaz-Garten der richtige sei. „Wieso können wir das Gebäude nicht verschieben?“, fragte er. „Bis eine neue Oase als Ersatz für den bisherigen Garten nachgewachsen ist, dauert viele Jahre.“ Als Alternative brachte Flösser erneut eine Aufstockung der Realschule ins Gespräch, beispielsweise mit Pfeilern. „Das könnte schön aussehen und ist technisch machbar.“

Kurzfristige Lösung

Schnurr berichtete, dass die Aufstockung geprüft wurde, aber mit einem vernünftigen technischen Aufwand nicht realisierbar sei. „Wir müssen auch die Kosten im Auge behalten“, meinte er. „Wir brauchen kurzfristig Mensa und Klassenräume. Wir haben bereits genug Zeit verloren.“ Der Standpunkt der Mensa im Kifazgarten blieb aber ein Streitpunkt in der Diskussion. „Im Garten werden Familienfeste gefeiert“, stellte ein Mitglied der BI fest. „Wenn jetzt der Koloss kommt, wo sollen dann die Kinder spielen?“

„Die richtigen Fragen“

„Sie stellen die richtigen Fragen, die wir uns auch stellen“, konterte Jokerst. „Wir haben aber andere Antworten. Wir haben unsere Position.“ „Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan als Satzung noch nicht beschlossen“, sagte Schnurr. Das Kommunalparlament entscheide am Mittwoch. Die Argumente der BI seien dem Gremium bekannt.