Die Klinik in Bühl wird zum Streitobjekt zwischen den Krankenhausträgern in Baden-baden und Offenburg. | Foto: Ulrich Coenen

Klinikum Mittelbaden

„Woher hat der Gutachter die Zahlen?“

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Beim Klinikum Mittelbaden ist man irritiert und verärgert. Die Zukunftspläne des Ortenau Klinikums, über die diese Zeitung in den vergangenen Tagen mehrfach ausführlich berichtet hat, sorgen in Mittelbaden für Missstimmung. Geschäftsführer Jürgen Jung kritisiert die Überlegungen in Offenburg im Hinblick auf die Zukunft des Krankenhauses in Achern mit deutlichen Worten. „Ich staune über die Frage, die sich die Kollegen beziehungsweise deren Gutachter stellen, wie viele Betten sie in Zukunft in Achern brauchen, wenn es die Klinik in Bühl nicht mehr gibt“, erklärt er. „Das ist an Frechheit und Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten.“

„Da geht die Musik ab“

Jung hat ein „gewisses Verständnis“ für die Probleme im Ortenaukreis. „Was es dort zu stemmen gilt, ist nicht vergnügungssteuerpflichtig“, sagt er. „Man hat sehr lange mit Reformen gewartet, jetzt geht dort die Musik ab. Vor dem anstehenden Veränderungsprozess habe ich Respekt. Ich habe auch Verständnis dafür, dass mehrere Gutachten in Auftrag gegeben werden.“ Doch damit endet das Verständnis auch schon. „Woher hat der Gutachter seine Zahlen und Weisheiten mit Blick auf Bühl?“ fragt Jung. „Mit uns hat niemand gesprochen.“ Offensichtlich suche das Ortenau Klinikum nun „sein Heil in anderen Einzugsbereichen“.

Patienten aus Ortenaukreis in Bühl

Der Zank um mögliche Patientenverschiebungen zwischen den Landkreisen stinkt Jürgen Jung gewaltig, zumal die neuen Zahlen aus seiner Sicht eine andere Sprache sprechen. „Wir haben in den vergangenen fünf Jahren einen erheblichen Patientenzuwachs aus dem Ortenaukreis in unseren Häusern in Baden-Baden und Bühl erfahren“, berichtet er. „Im vergangenen Jahr waren das im ambulanten und stationären Bereich 3725 Patienten, die sich offensichtlich bei uns besser aufgehoben fühlten als beim Angebot im Ortenaukreis.“ Allerdings hält Jung von diesen Zahlenspielen wenig. Er geht davon aus, dass es auch in Zukunft Patientenbewegungen in beide Richtungen über die Kreisgrenzen hinweg geben wird.

Klinik in Bühl gut ausgelastet

Eine Schließung der Klinik in Bühl, über die im Ortenaukreis spekuliert wird, steht für Jürgen Jung überhaupt nicht zur Debatte. „Wir hatten im ersten Quartal 19 Prozent mehr Patienten als im Vergleichszeitraum des Vorjahres“, stellt er fest. „Die OP-Zahlen haben sich verdreifacht. Bühl steht sehr gut da. Wir haben unsere Hausaufgaben bereits gemacht.“

Jung wünscht Zusammenarbeit

Jung ist überrascht, dass man in Offenburg keinen Kontakt über die Kreisgrenzen in Richtung Norden sucht. „Vor einigen Jahren habe ich mit dem Vorgänger des jetzigen Geschäftsführers bereits über eine gemeinsame Neuausrichtung der Kliniken in Bühl, Achern, Oberkirch und Kehl gesprochen. Leider war das nicht gewünscht.“ Sinn macht das aktuelle Konkurrenzdenken nach Meinung Jungs nicht. „Vielleicht kommt in Offenburg doch noch jemand auf die Idee, dass man größer denken muss“, hofft er.

Notfallversorgung nicht in Gefahr

Schließlich gibt es die sich ständig verschärfenden gesetzlichen Vorgaben, die den Kliniken die Arbeit ohnehin immer schwerer machen. Nach Vorstellungen des neuen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn sollen 612 Kliniken deutschlandweit aus der primären Notfallversorgung ausscheiden. Für die Standorte in Baden-Baden, Rastatt und Bühl sieht Jung aus jetziger Sicht dadurch keine Gefährdung. „Übrigens auch nicht für Achern“, meint er. „Betroffen sind aber eine ganze Reihe von Spezialkliniken.“