Der Wilhelmsturm ist wie das gesamte Schloss Bühlerhöhe ein Denkmal für Generalmajor Wilhelm Isenbarth. BNN-Redakteur Ulrich Coenen erklärt die Architektur. | Foto: Thomas Steuerer

Exkursion bei Architekturtagen

Zukunft der Bühlerhöhe weiter völlig unklar

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Zumindest aktuell gibt es keinen Grund zur Sorge. Alles wirkt gepflegt. Bühlerhöhe wird definitiv in den nächsten Jahren nicht einstürzen. Davon konnten sich die 30 Teilnehmer der Exkursion überzeugen, die die Stadt Bühl im Rahmen der trinationalen Architekturtage am Oberrhein organisiert hatte. Vortrag und Führung wurden vom BNN-Redakteur Ulrich Coenen geleitet. Er ist promovierter Architekturhistoriker und hat dieses Fach als Dozent an den Architekturfakultäten der Universitäten in Karlsruhe und Stuttgart gelehrt. Außerdem hat er 2004 ein Buch zur Baugeschichte Bühlerhöhes veröffentlicht.

Investoren aus Kasachstan

Vor zwei Jahren hatte Coenen im Zusammenhang mit den Architekturtagen zuletzt eine Exkursion zur Bühlerhöhe angeboten, für die sich damals ebenso wie in diesem Jahr mehrere hundert Interessenten gemeldet hatten. Getan hat sich in dieser Zeit nichts. Als die Stadt Bühl, die als Untere Denkmalschutzbehörde für das Hotel an der Schwarzwaldhochstraße zuständig ist, im vergangenen Jahr bei den kasachischen Eigentümern erneut wegen einer solchen Veranstaltung anfragte, erhielt sie eine Absage. Dieses Mal hatte sie mehr Erfolg.

In einem Vortrag im Salon van Dyck führte Ulrich Coenen in das Leben und Werk des Architekten Wilhelm Kreis ein. | Foto: Thomsa Steuerer

Hopp verlor 2010 das Interesse

Das Trauerspiel um Bühlerhöhe begann 2010, als SAP-Gründer Dietmar Hopp das Interesse an dem Denkmal verlor und es an eine Investorengruppe um den ukrainischen Oligarchen Igor Bakai verkaufte. Das Hotel wurde geschlossen. Nach der Insolvenz der von Bakai gegründeten Anna Maria Vermögensverwaltung 2013 kauften kasachische Investoren, die in Baden-Baden bereits mehrere Villen besitzen, Bühlerhöhe. Aus den wiederholt angekündigten Sanierungsplänen wurde nichts. Gleichzeitig gibt es aber offensichtlich keine Absichten, das Gebäude zu verkaufen, obwohl es Interessenten gibt. Das bestätigte die Stadt Bühl auf Anfrage. Selbst in der Redaktion dieser Zeitung meldete sich vor einigen Monaten ein Kaufinteressent mit der Bitte um die Vermittlung eines Gesprächs mit den Eigentümern.

Die Talseite Bühlerhöhes wurde vom Architekten Wilhelm Kreis nach dem Vorbild vom Schloss Stupinigi bei Turin gestaltet. | Foto: Ulrich Coenen

Riesiger Aufwand für Unterhalt

Der Aufwand für den Erhalt Bühlerhöhes ist gewaltig. Das Gebäude muss bewacht, beheizt und unterhalten werden. Die Teilnehmer der Exkursion konnten sehen, dass alles in Ordnung ist. Lediglich das Clubhaus des Tennisplatzes, ein Holzbau von 1914 im Schlosspark, hat gelitten. Dort besteht inzwischen erheblicher Sanierungsbedarf. Verantwortliche Mitarbeiter der von den kasachischen Eigentümern gegründeten Bühlerhöhe Castle Invest GmbH waren bei der Exkursion, (im Gegensatz zu dem Termin vor zwei Jahren) nicht zugegen. Lediglich ein Haustechniker und Wachleute begleiteten Exkursionsleiter Ulrich Coenen, Oliver Kunz, den Chef der städtischen Bauordnungsabteilung, und die 30 Teilnehmer. Fragen, wie es auf der Bühlerhöhe weitergeht, waren deshalb nicht möglich.

Die Bergseite Bühlerhöhes orientiert sich an Motiven des mittelalterlichen Burgen- und des neuzeitlichen Festungsbaus. | Foto: Ulrich Coenen

Denkmal von besonderer Bedeutung

Coenen wiederholte in seinem einstündigen Vortrag, der der Führung durch das Haus und den Landschaftspark mit seinen Architekturstaffagen vorausging, die Vorschläge, die er bereits vor zwei Jahren für die Revitalisierung Bühlerhöhes gemacht hatte. Das von Wilhelm Kreis errichtete Schloss ist laut baden-württembergischen Denkmalschutzgesetz kein „normales“ Denkmal, sondern ein „Denkmal von besonderer Bedeutung“. In diese Kategorie werden nur Gebäude von überregionaler oder nationaler Bedeutung eingeordnet. „Alle Erweiterungen sollten der hohen Qualität des Altbaus entsprechen“, forderte Coenen. „Das war in der Geschichte der Bühlerhöhe bisher nie der Fall. Die Anbauten waren bestenfalls von durchschnittlicher Qualität, oft aber sogar schlecht.“

Die Teilnehmer der Exkursion nutzen die Gelegenheit (wie hier in der Rotunde), um viele Fotos zu schießen. | Foto: Ulrich Coenen

Bilbao-Effekt für Bühlerhöhe

Architektur sei ein Tourismusfaktor, betonte Coenen. Nicht nur historische Gebäude wie der Kölner Dom würden Touristen anziehen, auch moderne Architektur. „Man spricht vom Bilbao-Effekt“, berichtete Coenen. „Darunter versteht man die bewusste Aufwertung durch bedeutende zeitgenössische Architektur. Der Begriff wurde durch das 1997 nach Plänen von Frank O. Gehry vollendete Guggenheim Museum in Bilbao geprägt.“

Bühlerhöhe im Modell: Im Zentrum steht das Schloss mit dem Innenhof, der dem Berg zugewandt ist. Rechts und links bzw. links hinten schließen moderne Erweiterungsbauten an. Das Modell befindet sich in der Rotunde Bühlerhöhes. | Foto: Ulrich Coenen

Vorbild ist Museum Burda

Coenen wies darauf hin, dass es auch in Baden-Baden mit dem Museum Burda ein wichtiges Beispiel für den Bilbao-Effekt gebe. „Das Museum wurde 2002 bis 2004 nach einem Entwurf von Richard Meier gebaut“, sagte er. „Dieses selbstbewusste Werk eines der besten zeitgenössischen Architekten lockt in jedem Jahr viele tausend Architekturfans in die Kurstadt.“

Die Präsidentensuite interessierte die Exkursionsteilnehmer besonders. Originale Ausstattung sucht man dort aber weitgehend vergeblich. | Foto: Ulrich Coenen

Therme Vals von Peter Zumthor

In der Hotelbranche lasse sich bisher nur selten ein Bilbao-Effekt feststellen. Das wichtigste Beispiel ist laut Coenen das Hotel Therme Vals. Peter Zumthor baute für den Schweizer Kurort 1996 eine Therme, die weltberühmt wurde. „Zumthor ist einer der bedeutendsten Architekten der Welt, erklärte Coenen und schlug den Bogen zu Bühlerhöhe. „Die geniale Architektur von Wilhelm Kreis und die einmalige Geschichte der Bauherrin Hertha Isenbarth sollten kongenial ergänzt werden. Die Topografie für eine Therme ist auf der Bühlerhöhe ähnlich wie in Vals. Auch hier könnte eine Architekturikone entstehen. Mit einem solchen Bad könnte man nicht nur Hotelgäste, sondern auch viele Tagesgäste aus Baden-Baden anziehen. Dies wäre ein Alleinstellungsmerkmal, mit der sich Bühlerhöhe von den Fünf-Sterne-Häusern in Baden-Baden abgrenzen könnte. Ohne ein besonderes Konzept und vor allem eine besondere Architektur hat die Bühlerhöhe am Markt keine Chance.“

Das Tennis-Clubhaus im Landschaftspark Bühlerhöhes entstand 1914. Der Holzbau zeigt inzwischen deutliche Schäden. | Foto: Ulrich Coenen

Architektur-Ikone leuchtet

Den Fehler des Bauherrn Max Grundig, der Bühlerhöhe vor drei Jahrzehnten sanieren und erweitern ließ, sollte man nach Ansicht Coenens nicht wiederholen. Damals seien Anbauten entstanden, die keinen gestalterischen Anspruch hätten. „Sehr bald sieht eine solche Architektur nach von gestern aus und wird von Tourismus-Experten und Gästen als nicht mehr zeitgemäß empfunden“, konstatierte Coenen. „Die Architektur-Ikone von Wilhelm Kreis hingegen strahlt auch nach einem Jahrhundert noch. Sie braucht unbedingt eine kongeniale Ergänzung.“

Das Treppenhaus Bühlerhöhes gehört zu den wenigen Räumen im Inneren des Schlosses, die noch original erhalten sind. | Foto: Ulrich Coenen

Bühlerhöhe wurde 1912 bis 1914 als Offiziers-Genesungsheim errichtet. Bauherrin war Hertha Isenbart, die ihrem verstorbenen Mann, General Wilhelm Isenbart, ein Denkmal setzen wollte. Mit dem Düsseldorfer Architektur-Professor Wilhelm Kreis beauftragte sie einen Star-Architekten dieser Zeit.
Seine ursprünglich zugedachte Aufgabe als Genesungsheim für Offiziere erfüllte Bühlerhöhe nie. Dies verhinderte der Ausbruch des 1. Weltkriegs. „Die Regierung hatte jetzt andere Probleme“, sagte Ulrich Coenen. Hertha Isenbart wurde depressiv und beging 1918 in Baden-Baden Selbstmord. Ihre Erben verkauften Bühlerhöhe 1920 an einen Hotelbetreiber. In seinem Vortrag berichtete Coenen, dass Bühlerhöhe zwei „Gesichter“ hat. Der heiteren Architektur der Talseite in der Formensprache eines barocken Schlosses steht die strenge Bergseite gegenüber, die sich am Festungs- und Burgenbau orientiert. Finanzielle Engpässe gab es schon damals: Wegen der Misswirtschaft eines örtlichen Bauleiters konnte die Bauherrin das Schloss nicht in der ursprünglichen beabsichtigten Form vollenden. Der zentrale Rundturm erhielt ein Stockwerk weniger als beabsichtigt, und auch auf die spektakuläre Aussichtsplattform musste verzichtet werden.
Vorbild für Bühlerhöhe ist Schloss Stupinigi bei Turin, ein ehemaliges Jagdschloss der italienischen Königsfamilie aus dem 18. Jahrhundert. Doch es gibt auch andere Einflüsse. „Das Schloss als Denkmal für eine Person oder eine Familie ist eine typische Bauaufgabe des 19. Jahrhunderts“, berichtete Ulrich Coenen. Er nannte Burg Hohenzollern, den Stammsitz des preußischen Königshauses, und die Schlösser des bayrischen „Märchenkönigs“ Ludwig II. Bühlerhöhe ist also in prominenter Gesellschaft. 

Der ehemalige Warteraum der Bäderabteilung wurde mit japanischen Motiven gestaltet. Er ist heute Eingangsbereich der sogenannten Japan-Suite. Ulrich Coenen erklärte die Architektur. | Foto: Thomas Steuerer