Bereits am 20. November 2012 wurde ein Teil des Kurhauses Hundseck nach jahrelangem Streit wegen Baufälligkeit abgerissen. Die restliche Ruine sorgt bis heute für Ärger. | Foto: Ulrich Coenen

Hundseck

Die halbe Zwangs-Versteigerung ist geplatzt

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Hundseck und kein Ende. Nachdem Josef Gramlich als Bevollmächtigter der beiden türkischen Eigentümer deren Schulden bei der Gemeinde Ottersweier überraschend bezahlt hat, kann die geplante Zwangsversteigerung am 28. April nicht in der bisher beabsichtigten Form stattfinden. Für Bürgermeister Jürgen Pfetzer ist das eine Katastrophe. „Damit ist die Arbeit von vielen Monaten zunichte gemacht“, erklärte er gegenüber dieser Zeitung. „Ich habe sehr gute Gespräche mit potenziellen und ernsthaften Investoren geführt, die gute und realisierbare Ideen hatten.“ Dass diese Projektentwickler unter den veränderten Vorzeichen noch Interesse an der Kurhausruine an der Schwarzwaldhochstraße  haben, ist für Pfetzer alles andere als sicher.

Schierige rechtliche Lage

Die rechtliche Situation ist nach der überraschenden Wende noch schwieriger geworden als bisher. Vom Tisch sind nämlich nach Auskunft von Pfetzer nur die Schulden, die die Hundseck-Eigentümer bei der Gemeinde Ottersweier hatten. Dabei ging es um Ausgaben für die Absperrung der Straße, die am ehemaligen Kurhaus vorbeiführt, Grundschuldzahlungen und Säumniszuschläge. Der Bürgermeister bezifferte gegenüber dieser Zeitung die Gesamtsumme, die nun beglichen wurde, auf 13 000 Euro.
„Offensichtlich wollen die Eigentümer die Zwangsversteigerung verhindern“, meinte Pfetzer.

In der Tat musste er den Antrag der Gemeinde auf diese Zwangsversteigerung nun zurückziehen. Doch die Eigentümer haben bei der Stadt Bühl als zuständiger Baurechtsbehörde und beim Landratsamt Rastatt weitere, deutlich höhere Schulden in der Größenordnung von vielen zehntausend Euro. „Glücklicherweise sind die Stadt und der Landkreis unserem Antrag zur Zwangsversteigerung beigetreten“, sagt Pfetzer.

Zwangsversteigerung findet statt

Der Termin am 28. April wird also stattfinden, allerdings unter stark veränderten Vorzeichen, die dem Bürgermeister überhaupt nicht gefallen. Versteigert wird nämlich nur die Kurhausruine mit dem umliegenden Grundstück südlich der L 80 b, die von der Schwarzwaldhochstraße nach Hundsbach führt. Das Gelände nördlich der Straße, das sich auf Gemarkung Bühlertal befindet und auf dem sich früher das Freibad und ein Minigolfplatz des Kurhauses befanden, kommen nicht unter den Hammer. Dieses Grundstück ist heute unbebaut. „Stadt und Landschaft haben sich nur dem Ottersweierer Zwangsversteigerungsantrag für die eigentlich Kurhausruine, nicht aber für dieses Gelände angeschlossen“, berichtet Pfetzer. Das können die Stadt und der Kommunalverband jederzeit nachholen, aber nicht bis zum 28. April. „Die Zeit reicht nicht“, bedauert er.

Hohe Kosten

Es kommt noch dicker. „Ein Käufer wird nur anbeißen, wenn das Grundstück lastenfrei ist“, sagt Jürgen Pfetzer. Das wäre es gewesen, wenn die Gemeinde Ottersweier ganz oben auf der Gläubigerliste steht. Weil die finanziellen Ansprüche der Ottersweierer inzwischen befriedigt wurden, rücken jetzt die zahlreichen anderen Gläubiger nach. Der neue Eigentümer muss in jede Fall die Kosten für Abriss und Entsorgung der noch stehenden Ruine übernehmen. Allein dies würde nach Schätzung von Pfetzer rund 300 000 Euro kosten.

„Die Investoren, mit denen ich sehr gute Gespräche geführt habe, wollen das Gelände natürlich lastenfrei übernehmen“, erklärt Pfetzer. Wie genau deren Pläne aussehen, will der Bürgermeister nicht verraten. „Es wurde Stillschweigen verabredet“, sagt er. Pfetzer lässt aber durchblicken, dass es sich um ein touristisches Projekt handelt.

Schlechte Chancen

Aufgrund der neuesten Entwicklungen sieht er die Chancen für eine erfolgreiche Zwangsversteigerung am 28. April ohnehin nicht mehr allzu günstig. „Unter den veränderten Rahmenbedingungen wird wahrscheinlich niemand mehr anbeißen“, befürchtet er.

Es gibt schwerwiegende Komplikationen.“ Angelika Pfistner ist beim Amtsgericht Baden-Baden für die Zwangsversteigerung des ehemaligen Kurhauses Hundseck zuständig. Das ist keine einfache Aufgabe. „Es gibt Gründe, weshalb das Amtsgericht seit Jahren keinen neuen Termin für die Zwangsversteigerung bestimmt hat“, sagt sie.

Veränderung bei Rangliste

Nachdem die Gemeinde Ottersweier ihren Antrag für die Zwangsversteigerung zurückziehen musste, hat sich die Sachlage gründlich verändert. Am 28. April kommt nur die Ruine, nicht aber das nördliche Nachbargrundstück unter den Hammer, allerdings unter veränderten Vorzeichen, wie Pfistner betont.
Die Gemeinde Ottersweier, die das Verfahren betrieben hat, hatte in der Rangliste der Gläubiger nach Auskunft des Amtsgerichts eines sehr guten Rang. Für die beiden anderen Betreiber der Zwangsversteigerung, Landkreis Rastatt und Stadt Bühl, gilt das nicht. Sie stehen in der Rangliste der Gläubiger weit unten.

Das hat bei der Zwangsversteigerung erhebliche Folgen für potenzielle Interessenten. Die Sicherheitshypotheken und Grundschulden für Hundseck belaufen sich auf insgesamt 209 513,11 Euro. Insgesamt sind neun Gläubiger eingetragen, darunter eine Bank, die einen früheren Kauf finanziert hat. Weil der Landkreis und die Stadt Bühl als Betreiber der Zwangsversteigerung als Gläubiger weit unten positioniert sind, muss ein Interessent die bestehenden Forderungen übernehmen. Das Mindestgebot von 2 100 Euro Gerichtskosten plus Zinsen fällt dann kaum mehr ins Gewicht.

Damoklesschwert

Daneben gibt es ein weiteres Damoklesschwert, das bisher in der Öffentlichkeit nicht bekannt war. Im Grundbuch sind zwei Käufer eingetragen, die Hundseck im Jahr 2008 von den jetzigen Eigentümern erworben haben. Es handelt sich bei dem Grundbucheintrag um eine sogenannte Auflassungsvormerkung. Der Kaufvertrag wurde damals zwar geschlossen, aber nicht zu Ende geführt.

Nach Auskunft des Amtsgerichts besteht aber ein bleibendes Recht, dass von potenziellen neuen Eigentümern erfüllt werden muss. „Ein Ersteigerer könnte also sein Eigentum wieder an diese Käufer von 2008 verlieren“, erklärt Pfistner.