Zwei denkmalgeschützte Rebbauernhöfe wurden im Bühler Stadtteil Kappelwindeck abgerissen. | Foto: Ulrich Coenen

Aus für Rebbauernhöfe

Zwei Baudenkmäler in Bühl mussten Bagger weichen

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Laut einer repräsentativen Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2012 fordern 84 Prozent der Deutschen, dass bei Stadtsanierungen historische Gebäude erhalten werden sollen. Sie ziehen die Sanierung einem Neubau vor. Dennoch sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Bundesrepublik weit mehr als 100 000 denkmalgeschützte Gebäude abgerissen worden. Im Bühler Stadtteil Kappelwindeck sind aktuell zwei weitere hinzugekommen. Zwei Neubauten für Wohnnutzung sollen im Bergelweg die beiden Rebbauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert ersetzen.

Denkmalschutz seit 1990

1990 hat die baden-württembergische Landesdenkmalpflege die unmittelbar benachbarten Wohnhäuser mit Ökonomietrakt und massivem Kellergeschoss in die Denkmalliste eingetragen. Die Fachwerkgebäude waren eingeschossig und trugen Satteldächer. Am Kellereingang des einen befand sich eine inschriftliche Datierung 1848. Das andere stammte aus dem Jahr 1782.

Repräsentative Beispiele

In der Denkmalliste wird das abgerissene Bauwerk aus dem Jahr 1848 als „repräsentatives Beispiel der landschaftstypischen Rebbauernhäuser“ beschrieben. Das zweite Fachwerkhaus von 1782 wird ebenfalls als „typisches Beispiel der landschaftsüblichen historischen Fachwerkbauweise der Rebbauern“ charakterisiert. Über beide Gebäude urteilte die Denkmalliste: Wegen der Aussagekraft als materielle Quelle für die Ortsbaugeschichte sowie für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte seien diese Bauten Kulturdenkmäler aus wissenschaftlichen Gründen. An der Erhaltung bestehe insbesondere wegen des dokumentarischen und exemplarischen Wertes ein öffentliches Interesse. Diese Feststellung der Kunsthistorikerin Wiltrud Heber, die damals für die Landesdenkmalpflege die Denkmalliste für das Stadtgebiet Bühl erarbeitet hat, ist jetzt Makulatur.

Wirtschaftliche Gründe

Die Stadt hat sich in ihrer Funktion als Untere Denkmalschutzbehörde dem Wunsch der Eigentümer, die die Baudenkmäler abreißen wollten, nicht widersetzt. „Wir orientieren uns in solchen Fällen an der Empfehlung des Landesamtes für Denkmalpflege“, erklärte Corina Bergmaier, Leiterin der Stabsstelle Baurecht/Wirtschaftsförderung im Bühler Rathaus. „Die Bauherrschaft hat jeweils nachgewiesen, dass eine Sanierung der Gebäude nicht wirtschaftlich ist. Natürlich ist uns als Untere Denkmalschutzbehörde jedes alte Haus wichtig. Aber es gibt für Denkmaleigentümer diesen Weg, und wenn er beschritten wird und die Landesdenkmalpflege keine Bedenken hat, stellen wir uns nicht quer.“

Holzschädling im Fachwerk

Bergmaier berichtete, dass die Stadt zuletzt 2006 eine Fassadensanierung des Gebäudes von 1848 genehmigt hat. „Damals wohnte noch ein älterer Herr in dem Haus, der inzwischen verstorben ist“, berichtete sie. Als sich 2016 ein Gutachter das Gebäude ansah, stand es bereits einige Zeit leer. „Damals wurde ein Holzschädlingsbefall festgestellt“, erklärte Bergmaier. „Nachdem wohl ursprünglich eine Sanierung des Hauses geplant war, haben die Eigentümer von diesem Plan inzwischen Abstand genommen.“

Zwei Neubauten geplant

Am Donnerstag wird Oberbürgermeister Hubert Schnurr den Technischen Ausschuss in seiner Sitzung um 18 Uhr im Friedrichsbau über den Abriss des Kulturdenkmals aus dem 19. Jahrhundert und den geplanten Neubau informieren. Das zweite Denkmal aus dem 18. Jahrhundert, das nun ebenfalls dem Bagger weichen musste, hat den Ausschuss nach Auskunft der Unteren Denkmalschutzbehörde bereits vor drei Jahren beschäftigt.

Urteil hat Gewicht

Das baden-württembergische Landesamt für Denkmalpflege, das seit der vorerst letzten Reform in seiner Gesamtheit zum Regierungspräsidium Stuttgart gehört, ist die zuständige Fachbehörde, die alle örtlichen Denkmalschutzbehörden landesweit in Fragen der fachlichen Denkmalpflege unterstützt. Sein Urteil hat bei einem Abrissantrag besonderes Gewicht.

Bedenken zurückgestellt

„Wir haben den Abrissen nicht explizit zugestimmt“, stellte Katja Lumpp, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart, auf Anfrage dieser Zeitung klar. „Wir haben lediglich unsere Bedenken zurückgestellt.“