Nicht immer einer Meinung sind Alt-Bürgermeister Wolfgang Oechsle (links) und sein Nachfolger Luca Wilhelm Prayon, hier im Januar beim Gesangverein Singen. Nun will Oechsle für den Gemeinderat kandidieren.
Nicht immer einer Meinung sind Alt-Bürgermeister Wolfgang Oechsle (links) und sein Nachfolger Luca Wilhelm Prayon, hier im Januar beim Gesangverein Singen. Nun will Oechsle für den Gemeinderat kandidieren. | Foto: Zachmann

Weiteres Engangement

Altbürgermeister Oechsle will für Remchinger Gemeinderat kandidieren

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Es ist die Sensation des Remchinger Kommunalwahlkampfs und auch in der Region eine äußerste Seltenheit: Altbürgermeister Wolfgang Oechsle wirft neun Jahre nach seiner aktiven Amtszeit den Hut erneut in den Ring, will es noch einmal wissen und kandidiert für das Amt des Gemeinderates.

Von unserem Mitarbeiter Julian Zachmann

Und das gleich mit einer ganzen Liste der neu gegründeten Wählervereinigung unter dem Namen „Bürgerliste für Umwelt, Transparenz und Fortschritt“ mit ihm an der Spitze – sofern die Nominierungsversammlung Mitte März ihr Okay dazu gibt. Die Liste geht hervor aus dem Bürgerverein für Demokratie und Bürgerbeteiligung, der sich im Zuge der Rathausneubau-Diskussion gegründet hatte.

Gerüchte bestätigt

Erste unter der Bürgerschaft kursierende Gerüchte hat Oechsle nun offiziell bestätigt: „Nach 43 Jahren als Bürgermeister, 37 davon in Remchingen, ist die Gemeinde fast wie eine Familie, zu der ich gehöre. Ich kenne nichts anderes und es juckt mich immer noch – das muss jeder verstehen“, begründete der 77-Jährige Unruheständler sein Ziel, an anderer Stelle wieder an den Ratstisch zurückzukehren.

Dem Gemeindewohl verpflichtet

Dies hätten nach der Gemeindefusion ja auch der frühere Singener und Nöttinger Bürgermeister Fritz Ebel und Hermann Kindler getan: „Nachdem ich meine Pension wie alle Gemeindebeamten von den Bürgern finanziert bekomme, empfinde ich eine gewisse Verpflichtung, mit meinen Möglichkeiten nützlich zum Gemeindewohl beizutragen.“

Diskussionen zwischen Prayon und Schultes

Ob es – im Falle einer Wahl – ein harmonisches Miteinander zwischen Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon, seinem Vorgänger und dem Rat geben wird oder ob sich die Remchinger vielmehr auf hitzige Diskussionen einstellen können, wird sich zeigen. Schließlich hatte Oechsle schon in den zurückliegenden Jahren zunächst im Hintergrund, dann öffentlich, gegen das Millionenprojekt Rathausneubau agiert und damit unter Außenstehenden die Diskussion entfacht, ob sich ein ehemaliger Rathauschef in die Geschäfte seines Nachfolgers einmischen sollte oder dies ein ungeschriebenes Tabu ist.

Außerdem schwelt nach der Kündigung des Altenheim-Trägervereins, zu dessen Vorstand Oechsle ebenso wie Prayon gehört, nach wie vor der Streit um die – je nach Sichtweise – vom Verein zurückbehaltenen oder überzahlten Mieten. Auf eine Klärung bestanden bei den Haushaltsreden im Dezember 2018 mehrere Fraktionsvorsitzende.

Fokus auf Umweltthemen

Dem Miteinander mit seinem Nachfolger sieht Oechsle gelassen entgegen: „Wir haben uns mittlerweile abgetastet und sind bis auf bestimmte Projekte ohnehin oft derselben Meinung.“ Zudem wolle sich Oechsle ohnehin verstärkt anderen Themen widmen – die Vergangenheit rund ums Rathaus lege der Verein ab: „Jetzt ist Zeit für Umweltthemen. Im Gegensatz zu früher habe ich jetzt die Zeit, mich genügend einzuarbeiten und diese voranzutreiben“, erklärte der Hobby-Imker – wohlwissend, dass er selbst Motor für wichtige Infrastruktur- und Bauprojekte der Gemeinde war und unter seiner Amtszeit die Bevölkerung von rund 8.000 auf fast 12.000 anstieg.

Engagement gegen das Vereinssterben

Jetzt gelte es, diese Projekte zu erhalten, wozu er sich mitverpflichtet fühle, anstatt sich weiter auszudehnen: „Irgendwann sind der Bedarf und die Finanzkraft erreicht, die ein Unterzentrum braucht.“ Auch wenn Prayon ab und zu Lob im Ratssaal für die unter ihm gewachsene Transparenz bekommt, wolle Oechsle für noch mehr Transparenz sorgen: „Nichtöffentlich vorzuberaten ist zwar zulässig, verstärkt aber auch das Desinteresse an der Gemeindepolitik und man sollte es nicht übertreiben.“ Außerdem wolle er sein Engagement gegen das Vereinssterben weiter intensivieren.

Prayon reagiert neutral

„Vom Grundsatz her ist es bei Wolfgang Oechsle wie bei jedem meiner 12.000 Mitbürgerinnen und Mitbürger: Ich begrüße es, wenn sich jemand kommunalpolitisch engagiert – losgelöst von jedem anderen Amt“, reagierte Prayon mit der gebotenen politischen Neutralität eines Bürgermeisters. Er sehe das emotionslos, konnte sich ein Schmunzeln aber dennoch nicht verkneifen: „Ich freue mich, wenn er im Sitzungssaal des Neuen Rathauses drinsitzen will, das zeigt dann doch sein Interesse am Neubau.“