Schmerzhaft: Denise Zeiher (links) und Lea-Marie Henn widmen sich nach dem Rückzug des TV Obernhausen neuen Aufgaben. | Foto: Rubner

„Rotz und Wasser geheult“

TV Obernhausen löst Faustball-Bundesligamannschaft wegen Nachwuchsmangel auf

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Lange Zeit wurde über den Schritt nachgedacht, am Ende war er unvermeidbar: Die Bundesliga-Faustballerinnen des TV Obernhausen ziehen ihre Mannschaft zurück. Sorgen, die man bei Champion TSV Dennach nicht kennt. Noch nicht.

Rund um die Weihnachtszeit qualmten bei den Faustballerinnen des TV Obernhausen nicht nur die Kerzen am Adventskranz, es rauchten auch die Köpfe. „Wir haben alle nachgedacht, wie und ob es weitergehen soll“, berichtet Melanie Münzenmaier. Immer wieder mal, so die Trainerin des Erstligisten, der die Hallenrunde am vergangenen Wochenende auf dem fünften Tabellenplatz beendete, habe es in der Vergangenheit Gedanken an ein Ende gegeben.

Nun wurde Nägel mit Köpfen gemacht: Das Team des TVO löst sich auf, geht schon in der im Mai beginnenden Feldsaison nicht mehr an den Start. „Wir haben alle Rotz und Wasser geheult. Aber die Bundesliga ist zeitlich ein großer Aufwand. Für einige war das nach der langen Zeit jetzt einfach zu viel“, sagt Münzenmaier.

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TVO-Trainerin Münzenmaier hätte anders entschieden

Eine Spielerin zieht es studienbedingt in die Bundeshauptstadt, andere Mitspielerinnen kündigten an, kürzertreten zu wollen. Entscheidungen, die die Trainerin zwar akzeptiert, die sie persönlich so aber nicht getroffen hätte. „Es gibt eben die, die unbedingt den Erfolg und Bundesliga spielen wollen, aber auch die, die Faustball eher als Hobby sehen“, so Obernhausens Trainerin, die nach vier Jahren Verantwortung beim TVO noch abwarten will, wohin sie ihre Reise in Zukunft führt.

Drei ihrer Spielerinnen, die größtenteils seit der C-Jugend, also seit zehn bis zwölf Jahren beisammen und nach wie vor erfolgshungrig sind, werden sich nach anderen Clubs in der Ersten und Zweiten Liga umschauen. Mit Calw, Dennach, Ötisheim und Unterhaugstett ist die Auswahl in der Region nicht eben gering. Isabell Knebel und Nina Müller wechseln in Obernhausens zweite Mannschaft, die in der Bezirksliga und damit ganz unten spielt.

TV Obernhausen muss mit Ordnungsstrafe rechnen

Die „Erste“ mit Akteurinnen von dort aufzufüllen, sei unmöglich gewesen. „Der Sprung von dort in die Bundesliga ist gewaltig“, sagt Münzenmaier. Und auch mit der Jugendarbeit sei das so eine Sache. „Nachwuchs zu gewinnen, geht noch. Aber alle über die Jahre bei der Stange zu halten, ist schwierig“, findet sie.

In Not brachte der Rückzug der Obernhausenerinnen Andreas Gerzabek. Im knapp 100 Kilometer entfernten Göppingen muss der Staffelleiter die Pläne der Feldsaison nun noch einmal überarbeiten. Da sich der TVO zu spät abmeldete, erwartet den Verein zudem eine Ordnungsstrafe. „Ich bin seit mehr als zwei Jahren Staffelleiter, allein in dieser Zeit haben im Frauenbereich drei, vier Mannschaften den Betrieb eingestellt. Bei den Männern ist das einfacher“, findet Gerzabek, der sich ein Stück weit auch damit abgefunden hat, dass „heutzutage jeder zum Studieren in alle Himmelsrichtungen zieht“.

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Auch beim Rivalen TSV Dennach bedauert man das Aus

Beim Ligarivalen TSV Dennach, der im Frauenbereich alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, ist man von Sorgen wie in Obernhausen noch weit entfernt. Stück für Stück werden junge Akteurinnen wie Leonie Pross (17), Laura Pross (19), Elena Kull (18) und Nicole Neumayer (18) herangeführt. „Wir haben gute, junge Spielerinnen hintendran, Neuzugänge finden bei uns aber auch ein gemachtes Bett vor. Wenn man erfolgreich ist, ist es immer leichter, Leute zu gewinnen.

Einfach ist es trotzdem nicht, Faustball ist und bleibt eine Randsportart“, sagt Vereinschef Alfred Gerwig. Dass sich die Obernhausenerinnen abgemeldet haben, bedauert er: „Es ist schade um die Lokalkämpfe, es waren immer viele Zuschauer da.“

Irgendwann werden vielleicht auch wir wieder kleinere Brötchen backen müssen

Doch auch in Dennach wird der Tag kommen, an dem die Ära der beiden deutschen Nationalspielerinnen Anna-Lisa Aldinger (28) und Sonja Pfrommer (29) endet. „Im Moment sind sie zum Glück noch gewillt, etwas zu erreichen. Aber gerade Schlagleute – alles steht und fällt im Faustball mit dem Angriff – wachsen nicht auf den Bäumen. Von daher ist Sonja nicht zu ersetzen“, sagt Gerwig – um kurze Zeit später nachdenklich zu ergänzen: „Irgendwann werden vielleicht auch wir wieder kleinere Brötchen backen müssen.“