Die Gefahr ist groß: Wie dringend die Maßnahme ist, zeigt die hohe Zahl der bisher an Covid-19 erkrankten und verstorbenen Menschen in Pflegeheimen.
Die Gefahr ist groß: Wie dringend die Maßnahme ist, zeigt die hohe Zahl der bisher an Covid-19 erkrankten und verstorbenen Menschen in Pflegeheimen. | Foto: Frank Rumpenhorst

Neue Strategie

Corona-Test für alle Mitarbeiter von stationären Pflegeheimen – auch ohne Symptome

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Die Mitteilung aus dem Sozialministerium in Stuttgart erreichte die 35 Landratsämter Baden-Württembergs am 24. April: In ihr fordert das Land in einer „erweiterten Teststrategie“, künftig unter anderem flächendeckend Bewohner und Mitarbeiter aller stationären Pflegeeinrichtungen auf eine Corona-Infizierung zu testen – auch, wenn bei diesen keine Symptome vorliegen.

„Damit“, so Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne), „schützten wir auch die vulnerablen Gruppen“. Diese Maßnahme bedeutet für die Gesundheitsämter in der Planung und Durchführung eine große Herausforderung. Jeder Landkreis muss ein auf seine Bedürfnisse ausgelegtes Konzept entwickeln.

Manche Ämter haben schon angefangen zu testen, manche sind noch in der Planungsphase. Wie dringend aber die Maßnahme ist, zeigt die hohe Zahl der an Covid-19 erkrankten und verstorbenen Menschen in Pflegeheimen während des bisherigen Verlaufs der Pandemie. „Das ist ein Thema, das uns unter den Nägeln brennt“, sagt ein Sprecher des Landratsamts Enzkreis. Für Pforzheim und den Enzkreis müssen „deutlich über 5.000 Tests“ organisiert werden. Noch befindet sich die Behörde in Pforzheim in der Planungsphase.

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Einen ersten Test organisiert, hat das Landratsamt Rastatt. „In den nächsten Wochen werden in Baden-Baden und dem Landkreis Rastatt zwischen 7.000 und 8.000 Tests in Pflegeeinrichtungen durchgeführt“, erklärt Sozialdezernent Stefan Biehl. Zehn von den 36 Einrichtungen im Landkreis hätten keinen eigenen Betreuungsarzt vorgeschlagen, der die Tests per Abstrich durchführe, so Biehl.

Tests müssen nicht zwingend von Ärzten durchgeführt werden

In diese Pflegeheime entsendet das Landratsamt einen Arzt aus dem Pool der Landesärztekammer. Die Kliniken und Krankenhäuser, die eigene Pflegeheime betreiben, sorgen selbst für die Durchführung der Tests. Das Landratsamt Rastatt stellt vier Mitarbeiter zur Verfügung. Generell müssen die Abstriche in den Einrichtungen aber nicht zwingend von Ärzten gemacht werden, auch Krankenschwestern und Hygiene-Fachkräfte können diese durchführen.

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Der Beginn dieser Tests fällt in die Zeit, in der Kontakt- und Besuchsverbote auch in Pflegeheimen langsam gelockert werden. Ein genauerer Überblick über mögliche Infizierungen könnte dazu führen, dass Menschen, die in Einrichtungen zu vereinsamen drohen, wieder stärker in Kontakt mit anderen Menschen treten können. Klärungsbedarf besteht noch, ob diese flächendeckenden Tests auch in Einrichtungen für behinderte Menschen stattfinden sollen.