Die Drohne bringt Bürgermeister Michael Schmidt (rechts) erst mal nicht dazu abzuheben. Da können auch Forstamtsleiter Frieder Kurtz (links) und Revierförster Martin Schickle nichts ausrichten. Erst am Abend hebt das Gerät der Gemeinde Neulingen vom freien Feld aus ab.
Die Drohne bringt Bürgermeister Michael Schmidt (rechts) erst mal nicht dazu abzuheben. Da können auch Forstamtsleiter Frieder Kurtz (links) und Revierförster Martin Schickle nichts ausrichten. Erst am Abend hebt das Gerät der Gemeinde Neulingen vom freien Feld aus ab. | Foto: Roth

Trockenheit bringt Schädlinge

Eine Drohne sucht im Wald nach Borkenkäfern

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Im Wald in Neulingen hat die Trockenheit schon viele Spuren hinterlassen. Fichten und Buchen leiden wie an vielen Orten zunehmend. Und das trockene Wetter nutzt den Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Viele Bäume müssen deshalb womöglich gefällt werden.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Roth

Es war eher eine Waldbefahrung als eine Waldbegehung – auf der Gemarkung Neulingen liegen die Waldbereiche weit auseinander. Da war es nur folgerichtig, dass die Gemeindeverwaltung samt Bürgermeister Michael Schmidt sowie Forstverwaltung Enzkreis mit Amtsleiter Frieder Kurtz und Revierförster Martin Schickle Fahrgemeinschaften bilden mussten.

Die Besichtigung stand vor allem unter dem Motto „Trockenheit“. Denn das macht sich angesichts eines überaus regenarmen Jahres 2018 auch im Neulinger Wald bemerkbar. Nicht nur dass laut Frieder Kurtz eine enorme Zunahme des Totholzes festzustellen ist: Mit der Trockenheit kommen auch die Schädlinge.

Borkenkäfer muss man schnell sichten

Vor allem den Borkenkäfer muss man schnell sichten. Wie Frieder Kurtz mitteilt, ist vor allem das Frühjahr die Zeit, in der man Ausschau halten muss, ob sich dieses Insekt in einem Baum festgesetzt hat. Bohrlöcher sind unter anderem ein Hinweis. Und dann gilt es schnell zu handeln, denn erkennt man einen Borkenholzkäfer-Befall an einem einzigen Baum nicht, sind es im Juli bereits 20 weitere Bäume, die vom Käfer befallen sein können.

Die neue Drohne der Gemeindeverwaltung wollte allerdings erst nicht funktionieren, mit der man die Schäden – vor allem an den Fichten – hätte von oben besichtigen können. Erst abends – auf dem freien Feld und mit genügend Funkkontakt außerhalb der dichten Baumkronen – konnte sie noch vorgeführt werden.

Befallene Bäume werden gehäckselt

Die Borkenkäfer-Bäume müssen dann auch entfernt werden, da hilft nichts. Und man müsse sie, so Kurtz, schnell aus dem Wald bringen. Die Kronen werden gehäckselt. Allerdings ist es seiner Aussage nach mittlerweile ein Problem deutschlandweit, die entsprechenden Fuhrwerke zu bekommen.

Deshalb bleibt oft nur die chemische Waffe. Diese wurde auf Neulinger Gemarkung noch nicht eingesetzt; Revierförster Schickle wird dies aber nur sorgfältig und gezielt in Erwägung ziehen. Dass die Fichte massenhaft vorkommt und massenhaft dem Schädling ausgesetzt ist rührt daher, dass die markgräflichen Wälder abgeholzt wurden und man schnell wachsende Bäume benötigte.

Buchen leider unter der Trockenheit

Ein weiterer Baum rückte bei der Waldbegehung in den Mittelpunkt: die Buche. Auch sie leidet unter der Trockenheit. Wenn dann, wie es in Neulingen der Fall ist, alte Buchen auf lichtdurchflutetem trockenem Boden stehen, dann wird es für den Baum langsam eng. Schadholz ist auch hier ein großes Thema. Zumal die laut Frieder Kurtz „schweren Geburten der Kinder“ die Bäume zusätzlich Kraft kosten.

Es liegt aber dann im Ermessen der Waldbesitzer, alte Buchen zu fällen, um dem Jungbestand darunter eine Chance zu geben. Dieser kann, so sagen die Fachleute, Kohlenstoffdioxid besser binden. Es ist allerdings ein Mix aus Schadstoffen und nicht zuletzt besagter CO2-Anteil (der enorm zugenommen habe; seit den 1950er Jahren um 50 Prozent), der die Bedeutung des Waldes bei der Speicherung unterstreicht.

Die Wälder bekommen generell, das wurde bei dem Rundgang auch klar, mit zunehmender Wärme – laut Kurtz waren es die 17 wärmsten Jahre seit Aufzeichnung der Temperaturen – kommen auch wärmeliebende Insekten. Die dann zum Beispiel auch eine Schleimflusserkrankung der Buche auslösen und damit eine Schwächung des Bestands herbeiführen können.

Die Empfehlung des Forstamtes kann so zusammengefasst werden: alte Buchen wegen der Gefahr herabfallender Äste an Stellen ernten, an denen Menschen zu Schaden kommen können; Naturverjüngung mit heimischen Sorten (etwa Eiche); den vorratsreichen Wald erhalten.

Im kommenden Jahr wird es interessant, wenn in den einzelnen Gemeinden die nächsten zehn Forstjahre besprochen und festgelegt werden.