Über die erfolgreiche Übernahme der Singener Landarztpraxis freut sich Dorothea Zeise-Süss. Ihr Nachfolger Christian Schmidt fühlt sich in der Gemeinde schon sehr wohl. | Foto: Zachmann

Nachfolger gefunden

Einzige Hausarztpraxis in Remchingen-Singen bleibt erhalten

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Zwar ist eine Ärztin auch nur ein Mensch, aber wenn es ihr nicht gut geht, will das schon was heißen. Mit Bauchschmerzen drehte Dorothea Zeise-Süss im Spätjahr 2019 den Schlüssel im Schloss ihrer Landarztpraxis an der Singener Blumenstraße um. Einige Monate zuvor hatte auch ihr Kollege Hubert Braun seine Praxis in Singen ruhestandsbedingt geschlossen und an eine Augenärztin übergeben. Um ein Haar hätte Remchingens zweitgrößter Ortsteil mit rund 3800 Einwohnern also keinen Allgemeinmediziner mehr vor Ort gehabt, wenn Zeise-Süss keinen Nachfolger gefunden hätte.

Von unserem Mitarbeiter Julian Zachmann

„Das war ein richtiger Krimi, da hätte ich mich nicht mehr aus dem Haus getraut“, erinnert sich die 67-Jährige, die zwar den einen oder anderen interessierten jungen Kollegen bei sich gehabt habe. „Aber allen war es zu viel Arbeit, auch was die Bürokratie und Genehmigungen angeht, und sie wollten lieber in die Stadt“ erzählt die Ärztin. Sie hatte ihr Auto schon vor den Toren der Kassenärztlichen Vereinigung geparkt, um die Praxiszulassung abzugeben, da erhielt sie in letzter Minute den entscheidenden Anruf – von Christian Schmidt, dem neuen Singener Landarzt, der ihre Praxis schließlich übernommen hat.

Ich bin gottglücklich, dass ich mich so entschieden habe und jetzt auf dem Land bin. Das Miteinander mit den Patienten ist hier sehr harmonisch.

Christian Schmidt, der die Praxis von Dorothea Zeise-Süß in Remchingen-Singen übernommen hat.

„Ich bin gottglücklich, dass ich mich so entschieden habe und jetzt auf dem Land bin. Das Miteinander mit den Patienten ist hier sehr harmonisch“, freut sich der junge Familienvater, der zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern in Vaihingen-Enz wohnt.

Neuer sieht sich als Familienarzt

Schmidt ist Facharzt für Allgemeinmedizin mit der Zusatzausbildung Notfall- und Palliativmedizin und war zuletzt als Oberarzt im Bereich der „Inneren“ sowie als Leiter der Notaufnahme an den Sana-Kliniken Bad Wildbad tätig. Er sieht sich selbst als Familienarzt: „Schließlich kümmert sich ein Hausarzt um alle, vom Kind bis zur Urgroßmutter.“

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In Singen beschäftigt Schmidt fünf medizinische Fachangestellte und bekommt montagnachmittags Unterstützung vom Allgemeinmediziner Peter Laux. Neben Notarzt-Einsätzen geht er, soweit zeitlich möglich, mit dem Team gerne auf Hausbesuche, die aufgrund der alternden Bevölkerung unabdingbar seien: „Moderne Verfahren wie die Telemedizin haben ihre Grenzen – man kann einen Arzt eben nicht klonen.“

Moderne Verfahren wie die Telemedizin haben ihre Grenzen – man kann einen Arzt eben nicht klonen.

Bei Schmidts Arbeit sind Hausbesuche bei der älteren Bevölkerung unabdingbar.

„Ich vergleiche so eine Praxisübernahme gerne mit dem Heiraten: Die Chemie zwischen uns beiden hat gestimmt und es hat gleich gefunkt“, erklärt er mit Blick zu seiner Vorgängerin.

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Die schaut zwar ab und zu noch in dem von ihr 1983 zur Praxis umgebauten, schmucken Häuschen vorbei, hält sich aber aus dem dortigen Arbeitsalltag heraus– schließlich widmet sich die Medizinerin im „Unruhestand“ in ihrer Privatpraxis für integrative Medizin in Wilferdingen nun mit jeder Menge Herzblut einer neuen Aufgabe: Neben der Naturheilkunde hat sich Zeise-Süss mit zahlreichen Studien im Bereich der Akkupunktur einen Namen gemacht und unter anderem den ZS-Punkt entdeckt.

Ganz aufhören kann die Ärztin nicht

Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Parkinson-Krankheit. Ihre Vision: ein „Parkinson-Haus“, in dem betroffenen Patienten unter einem Dach neben der Diagnostik auch gleich entsprechende Therapie- und Rehasport-Angebote von Therapeuten finden können. Eine entsprechende Studie zur Verbindung von Akkupunktur und Rehasport bei Parkinsonpatienten hatte sie bereits 2017 in Kooperation mit örtlichen Therapeuten durchgeführt.

„Mir fällt das einfach zu und ich kann nicht aufhören. Wenn ich mit dem Hund aus dem Haus gehe, komme die Leute auf mich zu und wir reden über die Medizin“, sagt Zeise-Süss zufrieden.