Auf dem Rasen zuhause: Die Faustballer vom TV Waldrennach um Markus Kraut (links) und Kai Ehrhardt hoffen, dass die Feldsaison stattfinden kann – ebenso wie die Dennacher Frauen. Doch wegen Corona steht die Bundesliga auf der Kippe. | Foto: Archiv Rubner

Bundesliga in Gefahr

Faustball-Teams aus dem Enzkreis bangen wegen Corona um die Feldsaison

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Anna-Lisa Aldinger macht keinen Hehl daraus, für welchen Spielort ihr Faustballherz schlägt. „Ich bin eine absolute Feldfanatikerin“, sagt die Spielertrainerin vom Frauenbundesligisten TSV Dennach. Eigentlich käme Aldinger jetzt voll auf ihre Kosten: Im Mai sollte die Bundesliga-Feldsaison starten. Doch die muss wegen der Corona-Krise verschoben werden – oder sogar ganz ausfallen.

Während die Deutsche Faustball-Liga (DFBL) die Feldsaison der unteren Klassen bis zur Schwabenliga sowie der Jugendligen bereits abgesagt hat, soll die Entscheidung zu den Bundesligen bis spätestens 25. Mai fallen.

Viel Ungewissheit bei den Faustballern

Fest steht bisher nur, dass die Saison auf keinen Fall vor dem 20. Juni beginnen kann. „Klar ist diese Ungewissheit für uns momentan schwierig“, sagt Aldinger. „Aber wir sind alle Sportler, da müssen wir jetzt irgendwie durch.“

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Genau wie die Dennacher Faustballerinnen sind auch die Männer vom TV Waldrennach, die auf dem Feld ebenfalls in der Bundesliga spielen, derzeit im Wartemodus. Abwehrspieler Carsten Scheerer ist mit Blick auf die Feldsaison wenig optimistisch. „Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass wir ganz normal spielen können“, sagt er.

Verschiebung der Feldsaison wäre auch sportlich problematisch

Auch das derzeit diskutierte Szenario, an zwei großen Spieltagen im Juli und August die Teilnehmer für die deutsche Meisterschaft auszuspielen, hält er für unrealistisch. „Es ist fraglich, ob das mit so vielen Menschen möglich ist.“ Obwohl es in diesem Fall keine Absteiger, sondern nur Meister geben soll, würde diese Lösung auch sportliche Schwierigkeiten mit sich bringen.

Das Niveau der Bundesliga würde sicherlich leiden.

Carsten Scheerer, Faustballspieler TV Waldrennach

„Die Teams könnten sich nicht wie normal zwei Monate auf die Spiele vorbereiten. Das Niveau der Bundesliga würde darunter sicherlich leiden“, glaubt Scheerer. Ein weiteres Problem: Mit einem späteren Ligastart würde sich auch die im August geplante deutsche Meisterschaft weiter nach hinten verschieben. Im Herbst werden die Spielfelder aber witterungsbedingt schlechter. „Der Ball muss noch richtig prellen können. Das geht maximal bis Anfang Oktober.“ Und im November würde bereits die neue Hallensaison starten.

Faustball-Teams aus dem Enzkreis halten sich mit individuellem Training fit

Trotz der vielen offenen Fragen müssen sich die Topteams aus dem Enzkreis auf jedes Szenario vorbereiten. Beim TSV Dennach haben die Spielerinnern individuelle Trainingspläne bekommen. „Alle müssen selbst etwas tun, an Schnelligkeit, Sprungkraft und mit dem Ball arbeiten“, sagt Aldinger, um anzufügen. „So gut es in der momentanen Lage eben geht.“

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Schließlich habe nicht jede Spielerin einen Garten zum Trainieren vor der Nase, und die Sportanlagen sind geschlossen. Ähnlich sieht es in Waldrennach aus. Carsten Scheerer versucht, sich mit Wandern oder Radfahren fit zu halten. „Aber ein richtiges Mannschaftstraining kann das natürlich nicht ersetzen.“

Corona wirkt sich auf die Vereinsfinanzen aus – aber nicht auf die Spielerkader

Unterdessen wirken sich die Corona-bedingten Einschränkungen auch auf die Finanzen der beiden Vereine aus. Ihnen fehlen Einnahmen der Spieltage, während laufende Kosten, etwa für die Platzpflege, weiterhin anfallen. Der TSV Dennach muss außerdem auf die Erlöse seines beliebten Pfingstturniers verzichten, das bereits abgesagt ist. Falls möglich, soll dieses aber im September nachgeholt werden.

Zumindest mit den Spielerinnen und Spielern bekommen die Vereine keine Probleme: Im Gegensatz zu Fußball, Handball oder Basketball ist Faustball ein reiner Amateursport. Selbst in den Bundesligen bekommen die Spielerinnen und Spieler kein Geld und haben auch keine Verträge. Somit bleiben die Mannschaftskader trotz der Corona-Krise zusammen. Die Dennacher Frauen haben in der Zwischenzeit sogar Zuwachs bekommen: Denise Zeiher (TV Obernhausen) hat sich für einen Wechsel zum TSV entschlossen. „Sie ist eine Verstärkung für uns“, freut sich Aldinger.

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Aldinger hofft noch auf die Frauen-WM im November

Die Spielertrainerin hofft derweil noch, dass sie bei einem weiteren Event auf dem geliebten Feld antreten kann: Für November ist die Frauen-WM in Chile geplant. Ob der Internationale Faustball-Verband (IFA) daran festhält, ist aber fraglich:

Die für Sommer geplante EM der Männer in Italien wurde bereits um ein Jahr verschoben. Gleiches gilt für die World Games, eine Art Olympia der nicht-olympischen Sportarten, die im Juli 2021 in den USA stattfinden sollten. Gut möglich also, dass Corona auch Feldfanatikerin Aldinger einen Strich durch die Rechnung macht.