Auf dem Weg zum Hackfleisch: Die grobe Zerkleinerung ist einer von vielen vollautomatischen Schritten, die Mitarbeiter bei dieser Produktion kontrollieren.
Angesichts der Kritik an Corona-Ausbrüchen in Schlachtbetrieben wie Müller-Fleisch in Birkenfeld gibt die Fleischindustrie den Widerstand gegen ein Verbot von Werkverträgen auf. | Foto: Kopf

Leiharbeiter vorab testen

Fleischwirtschaft lenkt ein: Müller-Fleisch unterstützt Gesetz gegen Werkverträge

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Angesichts der Kritik an Corona-Ausbrüchen in Schlachtbetrieben wie Müller-Fleisch in Birkenfeld gibt die Fleischindustrie den Widerstand gegen ein Verbot von Werkverträgen auf. Der Verband der Fleischwirtschaft um Vorstandsmitglied Martin Müller von Müller-Fleisch teilte jetzt mit, das entsprechende Gesetzesvorhaben der Bundesregierung zu unterstützen.

Erste Umsetzungen von Mitgliedsunternehmen zeigten die Ernsthaftigkeit, mit der die Branche in ihrer Gesamtheit eine Umkehr der bisherigen Praxis anstrebe und das System der Werkverträge in der Schlachtung und Zerlegung beenden wolle.

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Das Bundeskabinett hatte Ende Mai Eckpunkte für Neuregelungen in der Fleischbranche beschlossen. Kernpunkt ist ein weitgehendes Verbot von Werkverträgen – also dass die komplette Ausführung von Arbeiten bei Subunternehmern eingekauft wird.

Scheinbar findet ein öffentliches und zaghaftes Umdenken in puncto Werkverträge statt

Katja Mast. SPD-Abgeordnete aus Pforzheim

Der Gesetzentwurf für neue Standards soll auf im Juli vorgezogen werden, wie die SPD-Abgeordnete Katja Mast (Pforzheim) ankündigt. Zum Einlenken der Fleischindustrie sagte sie: „Wir nehmen diese Äußerungen mit Interesse zur Kenntnis. Scheinbar findet ein öffentliches und zaghaftes Umdenken in puncto Werkverträge statt – zur Leiharbeit hören wir jedoch nichts.“

Baden-Württemberg will Leiharbeiter auf Coronavirus untersuchen lassen

Sie wolle echte Verbesserungen und keine Verlagerung von Werkverträgen hin zu Leiharbeit. Das baden-württembergische Sozialministerium will unterdessen Leiharbeiter vor der erstmaligen Arbeitsaufnahme auf das Coronavirus untersuchen lassen.

Das sieht ein Entwurf eines Eckpunktepapiers vor, der mit dem Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium abgestimmt wird, wie eine Sprecherin von Sozialminister Manne Lucha (Grüne) mitteilte. Vor dem Hintergrund der teilweise hohen Fluktuation der Schlachtbetriebs-Leiharbeiter stelle die erstmalige Arbeitsaufnahme ein besonderes Risiko für den Eintrag des Corona-Erregers in die Betriebe dar.

Mast kritisiert den Entwurf als „grün-schwarzes Politikversagen mit Ansage. Ich kann als zuständige Bundespolitikerin und Bundestagsabgeordnete für Pforzheim und damit auch den Standort von Müller-Fleisch in Birkenfeld wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln“.

Die Landesregierung scheine nicht in der Lage zu sein, wirksam gegen das Geschäftsmodell vorzugehen, das mit dem Infektionsgeschehen zusammenhängt.

mit Material von dpa