Das Happiness-Festival lockt jährlich tausende Menschen nach Straubenhardt. | Foto: zac

Petition gegen „Happianer“

Festival-Veranstalter reagieren entsetzt auf Rassismus-Vorwurf

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Mit Entsetzen und Unverständnis haben die Veranstalter des Happiness-Festivals auf Vorwürfe reagiert, ihr „Maskottchen“, der Happianer, lasse rassistische Züge erkennen.

Unter dem Titel „Indigene Kultur ist kein Partyprinzip“ startete Helena Leucht am Dienstag eine Petition gegen das stilisierte Symbol eines amerikanischen Ureinwohners, mit dem auf der Festival-Homepage für die Veranstaltung im Juli 2019 geworben wird. Auch die Wortschöpfung „Happianer“ lasse Assoziationen an das „rassistische und kolonialistische Wort Indianer“ zu, kritisiert Leucht.

Am „Marsianer“ orientiert

Happiness-Pressesprecher Philipp Jungk erklärt hingegen: „Wir hatten vor einigen Jahren den Künstler Marteria zu Gast, der seine Fans ,Marsianer‘ nennt. Auch wir wollten unsere Fans direkt ansprechen können. ,Happianer‘, eine Gruppe fröhlicher Leute – das fanden wir damals ziemlich genial.“ Der Begriff bilde sich durch das allgemein gebräuchliche Suffix „-ianer“ (wie beispielsweise auch in den Wörtern Freudianer oder Wagnerianer) und habe keinerlei Bezug zur Bezeichnung „Indianer“.

Foto: Screenshot bba

Kritik am Tipi

Das im Petitionstext angeführte Tipi, das Leucht als weiteres Indiz für eine verkürzte und somit letztlich rassistische Darstellung einer eigentlich komplexen Kultur wertet, habe ebenfalls eine vom Kontext völlig losgelöste Entstehungsgeschichte: „Dieses Tipi besteht seit 2011, und zwar unabhängig vom Festival. Es wird von einem Künstlerkollektiv in Straubenhardt betrieben“, so Jungk.

Bereits längere Zeit vor dem Start der Petition hatte sich Leucht mit den Veranstaltern in Verbindung gesetzt, um ihre Bedenken bezüglich des Motivs zu äußern. Nach mehreren Gesprächen sei der Kontakt allerdings vor etwa einem Monat von Seiten der Kritikerin abgebrochen, berichten die Veranstalter.

Darf der „Happianer“ bleiben?

Wie es nun mit dem „Happianer“ weitergeht, ist noch unklar. „Grundsätzlich nehmen wir jede Rückmeldung ernst. Und wir sind uns bewusst, dass das Thema Rassismus ein sehr aufgeladenes Feld ist, bei dem Sensibilität gefragt ist“, sagt der Happiness-Pressesprecher. In diesem Fall werde nun erst einmal gemeinsam im Team überdacht, wie nachvollziehbar die Kritik sei und ob Handlungsbedarf bestehe. Wird der „Happianer“, wie ursprünglich einmal angedacht, künftig auf Festival-Shirts und anderen Fanartikeln prangen? „Es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts in Stein gemeißelt“, so Jung.

Unverständnis auf Facebook

Während sich die Unterzeichner der Petition langsam der 200er-Grenze nähern, teilen die meisten Kommentatoren auf Facebook das Unverständnis der Festival-Macher. „Oh mein Gott… Man kann auch bei wirklich allem was finden“, schreibt eine Nutzerin. „Bald wird man beim Fasching auch noch aufpassen müssen, wie man sich kostümiert“, befürchtet ein anderer.