Auch in Niefern-Öschelbronn wurde ein Maibaum errichtet. Statt Muskelkraft kam diesmal ein Kran zum Einsatz. | Foto: pr

Zeichen der Hoffnung

In der Corona-Krise ist der Maibaum für viele Gemeinden mehr als nur Tradition

Anzeige

Corona hat den Feierlichkeiten zum 1. Mai einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Während einige Gemeinden auch liebgewonnene Traditionen wie das Maibaum stellen verzichten, wollen sich andere nicht vom Virus unterkriegen lassen. Manche werden dabei mehr als kreativ.

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

Egal ob Tradition oder Premiere: Corona sorgt zum 1. Mai dafür, dass geplante Veranstaltungen und Feste in diesem Jahr überall abgesagt werden müssen. Vereine aus dem Enzkreis haben mit den ausbleibenden Einnahmen zu kämpfen. Manche zeigen sich aber auch kreativ: Sie planen Aktionen, welche die gesetzlichen Bestimmungen in dieser Krise berücksichtigen. Und auch der Maibaum soll vielerorts stehen.

Maibäume gelten nach alter Tradition schließlich „als Symbole der Liebe, Zuneigung, Lebensfreude und Fruchtbarkeit“. Darauf weist jedenfalls die Gemeinde Niefern ihre Bürger hin und kündigt an: Trotz Corona sollen auch in diesem Jahr Maibäume das Bild in den Ortsteilen prägen. Darum haben sich die Mitarbeiter des Bauhofs gekümmert. Sie haben die Maibäume – rund 15 Meter hohe Fichten – bereits am Mittwoch aufgestellt. Zwar ohne Feierlichkeiten, dafür aber mit bunt geschmückten Bändern, die „als Zeichen der Hoffnung wehen“ sollen.

Auch interessant: In manchen Karlsruher Stadtteilen steht ein Maibaum

Einige wollen trotz Corona an Traditionen festhalten…

In anderen Gemeinden wird das ähnlich gehandhabt. Beispiel Eutingen: Sah es zunächst so aus, als gäbe es hier gar keinen Maibaum, hat Ortsvorsteher Andreas Renner in Zusammenarbeit mit dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr, Jürgen Karst, und Ortschaftsrat Andreas Vollmer eine Lösung gefunden. Aufgestellt wird er pünktlich zum 1. Mai, wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wir wollen trotzdem ein freudiges Signal in den Frühling senden.

Steffen Bochinger, Bürgermeister von Keltern

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Keltern ab: Auch hier wird man in diesem Jahr nicht auf einen Maibaum verzichten, auf das Stellen müssen der verantwortliche Motorradclub und der OGV aber verzichten. „Wir wollen trotzdem ein freudiges Signal in den Frühling senden“, erklärte Bürgermeister Steffen Bochinger gegenüber dem Pforzheimer Kurier. Statt einer Tanne wird jeweils eine Birke vom Bauhof aufgestellt. Geschmückt werden sollen die Bäume von Kindergartenkindern.

Auch interessant: DGB Pforzheim will am 1. Mai trotz Corona Gehör finden

Und auch in Bad Wildbad will Bürgermeister Klaus Mack an der langjährigen Tradition des Maibaums festhalten. Diese lasse man sich „auch durch Corona nicht kaputt machen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Helfen musste dabei die Technik: Weil die „traditionelle Aufstellung per Muskelkraft mit vielen starken Handwerkern und Feuerwehrleuten“ untersagt ist, so Mack, kam dieses Jahr ein Langholzfahrzeug zum Einsatz. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, betonte Mack in dem Zusammenhang.

Ein Langholzfahrzeug hilft in Bad Wildbad beim Aufstellen des Maibaums. Die Kurstadt will auch in Corona-Zeiten an der langjährigen Tradition festhalten. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, teilt Bürgermeister Klaus Mack mit. | Foto: pr

… andere hoffen auf das kommende Jahr

Andere Gemeinden verzichten in diesem Jahr komplett auf einen Maibaum und hoffen stattdessen auf 2021. In Königsbach-Stein beispielsweise musste das regelmäßig stark besuchte Maibaumstellen, ein Spektakel für Macher und Besucher, ersatzlos abgesagt werden. Dieses gilt dort als erste große Freiluftveranstaltung des Jahres.

In Remchingen wiederum musste der Skiclub ebenfalls sein traditionelles Maifest absagen, obwohl man „sehr gerne“ mit den Besuchern „auf unserer neugestalteten Wiese gefeiert“ hätte, wie der Verein auf seiner Homepage mitteilt. Ein Schicksal, dass man sich unter anderem auch mit dem OGV Langenalb teilt, der ebenfalls seine alljährliche 1. Mai-Hocketse streichen musste.

Auch interessant: Pforzheimer Band Fools Garden trommelt Promis für Benefizfestival am 1. Mai zusammen

Bewohner von Lienzingen werden kreativ

Doch nicht nur Traditionsfeste sind reihum von der Krise betroffen: Der 1. FC Engelsbrand 1913 e.V. beispielsweise hätte in diesem Jahr eigentlich zu einer Maiwanderung eingeladen. Es wäre das erste Mal gewesen. Die Entscheidung, dass auch diese Wanderung abgesagt werden muss, hat den Verein letztlich „nicht mehr ganz so überraschend getroffen“, verriet Vorstand Stefan Schuler. Das Szenario war schon bei den Planungen immer wahrscheinlicher geworden. Die Einnahmen werden dennoch fehlen, zumal Schuler auch nicht damit rechnet, dass bis Ende des Jahres überhaupt noch Fußball gespielt werden kann; letztlich komme dem Verein in dieser Situation aber zugute, „dass wir zurückliegend gut gewirtschaftet haben.“

Kreativ zeigen sich wiederum die Lienzinger. Zwar sind auch dort Dorffeste bis auf weiteres abgesagt – und damit auch das traditionelle Maibaumsetzen des Männergesangvereins „Freundschaft“, das dieses Jahr zum 19. Mal stattgefunden hätte. Dem haben sich die Bürger, die in der „Herzenssache“ Lienzingen engagiert sind, aber nicht geschlagen geben wollen, erklärte Günther Bächle in einer Pressemitteilung. Gemeinsam mit den Sängern ist die Idee entstanden, statt einen Maibaum vor der Kelter einfach das ganze Dorf bunt zu schmücken. Häuser, Garten, Balkone oder Bäume sollen daher mit Stoffen, Farben oder Tüchern verziert werden – frei nach dem Motto: „Alles ist möglich. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“