Einen großen Sprung haben die KTV Straubenhardt und der neue Sportliche Leiter Steve Woitalla vor. | Foto: Rubner

Kunstturnen

Interview: Woitalla will als neuer Sportlicher Leiter bei KTV Straubenhardt Neues wagen

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Seit Jahresbeginn ist Steve Woitalla neuer Sportlicher Leiter bei den Turnern der KTV Straubenhardt. Mit BNN-Redakteur Sebastian Kapp sprach er über die Perspektiven des Teams in der WM-Saison und welche neuen Akzente die KTV in dieser Saison setzen möchte.

Herr Woitalla, Sie sind kürzlich nach Straubenhardt gezogen. Haben Sie sich gut eingelebt?

Woitalla: „Auf jeden Fall. Ich wohne endlich da, wo ich auch wohnen sollte. Die Menschen hier sind sehr nett, immer gesprächsbereit. Man fühlt sich nach kurzer Zeit schon sehr heimisch. Man denkt manchmal, dass hier jeder einen kennt.“

Als Nachfolger von Dirk Walterspacher treten Sie in große Fußstapfen. Sind Sie nun der „neue Walterspacher“?

Woitalla: „Das bin ich sicherlich nicht. Ich bin sehr, sehr stolz, bei diesem Verein diese Aufgabe zu übernehmen. Da hängt so viel Herz und Leidenschaft von so vielen Menschen dran. Hier ist etwas Einzigartiges entstanden ist. Da können sich einige Vereine eine Scheibe von abschneiden. Aber ich bin der Steve, nicht der neue Walterspacher – auch wenn ich die Serie der Meisterschaften wieder aufnehmen möchte.“

Das heißt, Sie wollen neue Akzente setzen?

Woitalla: „Nicht nur ich, sondern der ganze Verein möchte etwas Neues wagen. Zum Beispiel wollen wir die Saison möglichst bis zum Finale nur mit unseren deutschen Turnern bestreiten. Wir können uns auch vorstellen, in den kommenden Saisons in die Pforzheimer Bertha-Benz-Halle für einen Wettkampf zu gehen – was aber noch ein Gedankenspiel ist und natürlich wird unsere Heimat weiter unsere Arena in Straubenhardt bleiben. Das Publikum ist hier schon besonders und gibt unseren Jungs nochmals den extra Schub. In den letzten zwei Saisons waren fast alle Heimwettkämpfe ausverkauft.“

Sie verzichten also auf David Belyavskiy oder Vahagn Davtyan?

Woitalla: „David gehört weiter zum Team. Er ist für ein mögliches Finale und bei Verletzungen von einem unser deutschen Top-Turner bereit, in die Saison einzusteigen. Aber außer ihm sind es zwölf deutsche Jungs, ja. Und wir wollen versuchen, möglichst ohne internationale Unterstützung bis zum Finale auszukommen.“

Hat das auch mit der Heim-WM in Stuttgart zu tun? Immerhin haben Sie gleich fünf deutsche Nationalturner im Kader.

Woitalla: „Sagen wir so: Das ist eine Supersache, die den Bundestrainer erfreuen sollte. Aber hauptsächlich geht es uns um den neuen Akzent.“

Sie haben in der vergangenen Saison eine bittere Finalniederlage gegen die KTV Obere Lahn kassiert und sind sicherlich heiß auf den Titel. Andererseits ist WM-Jahr. Inwieweit beeinflusst das die „KTV Deutschland“?

Woitalla: „Ich hoffe doch positiv. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Jungs in absoluter Top-Verfassung aus der WM zu uns kommen.“

Am letzten Wettkampftag kommt die TG Saar nach Straubenhardt, die sich mit Lukas Dauser verstärkt hat und schon vorher ein Top-Team der Liga war. Worauf darf man sich da freuen?

Woitalla: „Auf einen hochklassigen Wettkampf auf jeden Fall. Wir hoffen, dass wir bis dahin fürs Finale qualifiziert sind. Womöglich geht es da gegen den Finalgegner um die deutsche Meisterschaft.“

Beim letzten Finale kam es zu einigen Irritationen bezüglich Bewertungen – auch deshalb hat man nicht gewonnen. Wie sehr wurmt diese Niederlage noch?

Woitalla: „Es war bitter und es hat auch mehrere Tage danach noch weh getan. Aber es macht keinen Sinn, jetzt noch über Kampfrichter zu sprechen, da ist alles gesagt. Mein Ziel ist es einfach, mit so hohem Abstand zu turnen, dass auch die Kampfrichter nicht mehr entscheidend Einfluss nehmen können.“

Nun galt Dirk Walterspacher als Stratege, weniger als eigentlicher Trainer. Inwieweit können Sie da einen anderen Einfluss nehmen?

Woitalla: „Zunächst einmal haben unsere Turner alle Heimtrainer, da sind meine Möglichkeiten begrenzt. Aber man spricht sich frühzeitig ab, schickt Videos von den Übungen und ich kann dann schon sagen: Tausch diese Übung oder streich sie ganz. Die wissen aber in der Regel schon, was sie tun.“

Und wollen das auch bei der WM in Stuttgart zeigen. Was trauen Sie den Jungs zu?

Woitalla: „Ich glaube schon, dass sie ins Mannschaftsfinale kommen. Ich war ja damals 2007 als Reserve-Turner dabei. Das war unglaublich. Man hatte das Gefühl, ganz Deutschland schaut aufs Turnen. Das wünsche ich den Jungs auch. Vor allem aber müssen sie gesund bleiben oder im Fall von Andreas Bretschneider werden. An eine Medaille glaube ich nicht, dafür sind die Russen, Chinesen und Japaner zu weit weg. Das Ziel lautet, sich für Olympia zu qualifizieren. Und ohne Lukas Dauser und Andreas Toba wird es nicht gehen.“

Also die beiden Nicht-KTVler im Nationalteam. Was trauen Sie ihren jungen Wilden zu, vor allem Nick Klessing und Nils Dunkel?

Woitalla: „Ich glaube, es hängt von den Konstellationen ab, wen der Bundestrainer am Ende mitnimmt. Nils hat seine Stärken im Mehrkampf, Nick vor allem bei den Spezialgeräten Sprung und Ringe.“

Nils Dunkel sagte den BNN, er setze auf den „doppelten Heimvorteil“ in Stuttgart. Sehen Sie das ähnlich?

Woitalla: „Das hängt davon ab, wie schnell die Straubenhardter Karten kaufen. Die gehen nämlich an den Verkaufstagen sehr schnell weg.“