MIT SEKT UND WORTEN lassen die Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann, die stellvertretende Bundesvorsitzende Ricarda Lang sowie die Kreisvorsitzenden Klaus Fingerhut und Rosi Linkenheil (von links) Bündnis 90/Die Grünen hochleben. Die Partei feiert 40-jähriges Bestehen, sieht sich in einem Höhenflug und hat viel vor. | Foto: Wacker

Wahlkampf kündigt sich an

Neujahrsempfang in Bilfingen: Ricarda Lang „flasht“ die Grünen aus Pforzheim und dem Enzkreis

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Bei den Grünen herrscht fortgesetzte Aufbruchstimmung. Geht es nach der Landtagsabgeordneten Stefanie Seemann, dann stehen dem Land statt goldenen Zwanzigern nun „grüne Zwanziger“ bevor.  „Wir sind die starke Stimme und wir haben erst angefangen“, unterstreicht sie auf dem Neujahrsempfang der Partei in Bilfingen ihre erneute Kandidatur für den Enzkreis.

Seemann sieht dabei mindestens zwei Gäste, die es ebenfalls nach Stuttgart zieht: Der Pforzheimer Felix Herkens hat in dem früheren Bundestagsabgeordneten für Pforzheim und den Enzkreis, Memet Kilic, einen Konkurrenten bekommen. Er sei von etlichen Mitgliedern dazu aufgefordert worden, erläutert Kilic. Am Samstag habe er dem Kreisvorstand seine Bewerbung übergeben.

Gelegenheit, unmittelbar zu zeigen, was möglich ist, haben aber nicht die beiden Pforzheim-Bewerber, sondern Ricarda Lang. Die 26-Jährige, seit wenigen Wochen stellvertretende Bundesvorsitzende ihrer Partei, „flasht“ die Mitglieder des Kreisverbands, wie Kreisvorsitzende Rosi Linkenheil meint.

Klimaschutz ist kein Trend, sondern die Existenzfrage

Ricarda Lang

Routiniert und kämpferisch betont Lang vor den rund 100 Gästen des Neujahrsempfangs in der alten Kelter von Bilfingen: „Klimaschutz ist kein Trend, sondern die Existenzfrage“.

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Die angehende Juristin geißelt eine Reduktion des Begriffs Vernunft als Ausdruck von Unterordnung unter selbstgeschaffene Sachzwänge und setzt dagegen: „Vernunftgeleitete Politik ist konsequenter Klimaschutz“ und stehe nicht für kurzfristige Profite.

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Als frauenpolitische Sprecherin fordert Lang dazu auf, „Feminismus auf die Dorfplätze“ zu tragen, und gibt den Männern der Partei mit, „die Geschlechterolle schränkt uns alle ein.“ Eine neue Blickrichtung hat Lang für konservatives Sicherheitsgeraune parat: „Jedes Frauenhaus, das mangels Finanzierung schließen muss, ist ein sicherheitspolitischer Skandal“. Und zu menschenverachtenden Netzkommentaren fordert sie ganz generell „niemand darf mit Hass und Angst allein gelassen werden“.

Es ist wichtig, dass Grüne überall sicht- und ansprechbar sind

Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann

Auch Stefanie Seemann kommt auf Gewalt gegen Frauen zu sprechen, als sie Parteifreundinnen und -freunde auf den Wahlkampf einschwört.

Im neuen Landeshaushalt, „ein Ergebnis wirklich zäher Verhandlungen“, sei es gelungen, zwölf Millionen Euro für dringend notwendige Unterstützung einzustellen. Als weitere wichtige Punkte stellt Seemann Nachhaltigkeit sowie Innovationsförderung heraus. Letzteres sei die Basis für Zukunft, Arbeitsplätze und die Chance, dass Baden-Württemberg als Vorbild voranschreiten kann.

Wissenschaft und Wirtschaft seien zwei Seiten einer Medaille, die Verzahnung von Hochschulen und Betrieben von hoher Bedeutung. „Es ist wichtig, dass Grüne überall sicht- und ansprechbar sind“, sagt Seemann mit Blick auf ein „unglaubliches Wachstum“ und die Gründung neuer Ortsverbände.

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Es sei aber nicht so, dass die Grünen in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien. „Immer mehr Menschen erkennen, dass wir die richtigen Fragen stellen“, insofern sei die Mitte der Gesellschaft zu den Grünen gekommen.

Bürgermeisterwahlen im Visier

Was das lokalpolitisch bedeuten kann, lässt Klaus Fingerhut aufblitzen. Nachdem die Grünen „politisch nicht rankommen“, Bürgermeister im Kreistag und damit am Tisch ihres Dienstherrn zu begrenzen, „müssen wir ran“, nimmt der Ko-Kreisvorsitzende künftige Bürgermeisterwahlen ins Visier.

Weiter unterstreicht er, dass die Grünen „den Rückenwind“ für die Landtags- und die Bundestagswahl nutzen müssen. Christine Fischer, die für den jetzt 25 Jahre alten Ortsverband Kämpfelbach spricht, unterstreicht die Erfolgsbilanz. Sei erinnert an große Stimmengewinne bei den Kommunalwahlen.