Alles hört auf ihr Kommando: Nicole Kuhnle hat den Ball fest unterm Arm, gibt zum Trainingsbeginn erste Anweisungen an die Fußball-B-Juniorinnen des FV Niefern. | Foto: Harry Rubner

Julian Nagelsmann als Vorbild

Nicole Kuhnle ist engagierte Fußball-Jugendtrainerin beim FV Niefern

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Jung, keck, mutig, extrem ehrgeizig und innovativ – es gibt viele Attribute, die auf Julian Nagelsmann und dessen Trainerarbeit beim Fußball-Bundesligisten RB Leipzig zutreffen. Und es sind durchaus Eigenschaften, die auch die zehn Jahre jüngere Nicole Kuhnle beschreiben. Die 22-Jährige, die den Leipziger Coach bewundert und dessen Vorgehensweise einst einen Tag bei 1899 Hoffenheim erleben durfte, ist beim FV Niefern eine feste Größe. Auf und neben dem Platz.

Als Spielerin kämpft sie mit den Fußballerinnen des FV Niefern II in der Landesliga um Punkte, als Trainerin steht sie bei den B-Juniorinnen an der Seitenlinie. 2017 wurde sie vom Badischen Fußball-Verband (bfv) bei der Aktion „Fußballhelden“ ausgezeichnet, Lohn war obendrauf eine Bildungsreise nach Spanien. Im März hätte sie als eine von acht Teilnehmern aus Baden am Jugendfußball-Kongress des Deutschen Fußball-Bundes teilnehmen sollen – das Coronavirus durchkreuzte die Pläne.

Für Kuhnle ist ein Leben ohne Fußball schwer vorstellbar – das war nicht immer so

„Ich könnte es mir ohne Fußballspielen nicht vorstellen“, sagt Kuhnle. Doch das war in jungen Jahren noch anders. Früh begann das Gebolze mit ihrem vier Jahre älteren Bruder Simon. Irgendwann, auf dem Rasen häufig fast ausschließlich umringt von Jungs, ging der Spaß verloren. Interesse weckte viele Jahre später erst wieder eine Einladung des FV Niefern zu einem Mädchentag, an dem die damals Elfjährige wieder die Schuhe schnürte.

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Im Alter von 14 Jahren wechselte Kuhnle zum Karlsruher SC, spielte dort eine Saison lang, ehe der Aufwand zu groß wurde. Es ging zurück zu den Grün-Weißen nach Niefern, die im Frauenbereich (B-Juniorinnen ohne Spielgemeinschaft, Landesliga- und Oberligateam) zu den Aushängeschildern in Pforzheim und dem Enzkreis zählen.

Schon mit 16 Jahren als Trainerin beim FV Niefern engagiert

Im Verein wurde man früh auf Kuhnle und deren Engagement aufmerksam. „Mit 16 wurde ich gefragt, ob ich die Bambini mittrainieren will“, berichtet sie. Die Zusage folgte prompt.

Es macht mir einfach Spaß, etwas weiterzugeben, was mir einst beigebracht wurde.

Nicole Kuhnle, Fußball-Jugendtrainerin FV Niefern

„Es macht mir einfach Spaß, etwas weiterzugeben, was mir einst beigebracht wurde“. An der Sportschule Schöneck begann die Trainerausbildung, den C-Schein hatte Nicole Kuhnle mit 18 in der Tasche. Der FV Niefern stand ihr – gerade auch finanziell – stets zur Seite. „Darüber bin ich sehr glücklich, denn das ist nicht selbstverständlich“, betont Kuhnle, die derzeit eine Ausbildung zur Erzieherin macht.

Ihre Spielerinnen hat Kuhnle trotz ihres jungen Alters gut im Griff

Im Sommer des vergangenen Jahres übernahm sie die Nieferner B-Juniorinnen, sie ist zudem Jugendreferentin beim bfv. Der Aufwand ist immens. „Es sind nicht nur zweimal Training plus Spiel die Woche, es geht auch um die Vorbereitung und die Planung der Trainingsabläufe“, gibt sie zu bedenken.

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Doch Kuhnle, die von der Mutter einer Spielerin unterstützt wird, hat die rund 18 Mädels im Alter zwischen 14 und 16 Jahren im Griff. Gemeinsam wurde sogar ein Regelkatalog erarbeitet. „Wer gegen den Schiedsrichter oder eine Mitspielerin meckert, wird sofort ausgewechselt“, verrät sie.

Der Verein ist fast schon mein zweites Zuhause.

Nicole Kuhnle, Fußball-Jugendtrainerin FV Niefern

Dass Nicole Kuhnle vor zwei Jahren den Ehrenamts-Förderpreis erhalten hat und sich auf dem Lehrgang in Spanien weiterbilden konnte, verdankt sie ebenfalls dem FVN, der damals die Bewerbungsunterlagen eingereicht hatte. „Hier unterstützt einfach jeder jeden. Der Verein ist schon fast mein zweites Zuhause“, sagt sie.

Die B-Trainer-Lizenz und ein Besuch in der Allianz-Arena als nächste Ziele

Und auch wenn der DFB-Kongress fürs Erste abgesagt werden musste, beschäftigt sich die 22-Jährige intensiv mit Themen wie der Nachwuchsgewinnung und damit, wie Amateurvereine zukünftig Kinder und Jugendliche gewinnen, fördern und dauerhaft begeistern können. Kuhnles Aufgaben, sie dürften in Zukunft und nach dem Ende der Corona-Pandemie nicht weniger werden.

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Ebenso wie ihre Ziele. Die B-Lizenz soll in Angriff genommen werden, bei den B-Juniorinnen will Kuhnle ebenfalls weitermachen. Und: Auch der Besuch eines Spiels des FC Bayern München in der Allianz-Arena steht noch aus. Am liebsten mit der Familie. „Ohne sie und deren Unterstützung wäre ich nicht hier“, sagt Kuhnle.

Fußball ist viel zu schön, um ihn allein den Männern zu überlassen.

Nicole Kuhnle, Fußball-Jugendtrainerin FV Niefern

Daran, dass sie an der Seitenlinie oder bei Trainersitzungen fast nur männliche Kollegen um sich hat, hat sich Nicole Kuhnle längst gewöhnt: „Am Anfang hat man sich ein wenig verloren gefühlt. Doch nach und nach wurde man immer besser aufgenommen.“ Keck fügt Kuhnle an: „Fußball ist viel zu schön, um ihn allein den Männern zu überlassen.“ Julian Nagelsmann hätte es vermutlich nicht besser formulieren können.