Nahe Engelsbrand sollen zwei 240 Meter hohe Windkraftanlagen gebaut werden. Der Teilflächenregionalplan eröffnet Projektierern von Windkraftanlagen neue Möglichkeiten. Foto: Richter

240 Meter hohe Anlagen geplant

Nun doch Windkraft auf dem Sauberg?

Von Heinz Richter

Der Standort Sauberg auf Engelsbrander und Pforzheimer Markung schien für die Windkraft verloren zu sein, nachdem die Stadt Pforzheim vor etwas über einem Jahr den Genehmigungsantrag der Firma Juwi abgelehnt hat. Der Grund war ein von der Bund-Ortsgruppe nachgewiesener Rotmilan-Horst. Aber jetzt gibt es neue Pläne auf einer Waldfläche etwa 600 Meter entfernt auf Engelsbrander Markung. Am 7. Juni beginnen wie berichtet im Landratsamt Enzkreis erste Gespräche für einen geplanten Genehmigungsantrag. Die Firma Juwi Energieprojekte möchte dort zwei Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von 240 Metern erstellen.

Erste Gespräche am 7. Juni

Ohne den am 21. Februar dieses Jahres vorgestellten Teilregionalplan wäre ein erneuter Versuch, auf dem Sauberg Windkraftanlagen zu erstellen, kaum denkbar gewesen. Noch steht der Satzungsbeschluss dieses Teilregionalplans durch die Regionalverbandsversammlung Nordschwarzwald aus. Danach müsste die Genehmigung durch die oberste Landesplanungsbehörde erfolgen. Die Veröffentlichung im Staatsanzeiger würde diesen Plan rechtskräftig machen.

11 000 Einwände und Stellungnahmen

Derzeit läuft die öffentliche Anhörung zu diesem Plan. Bürger hatten bis Ende April die Möglichkeit, ihre Meinung dazu mitzuteilen. Bei der Region Nordschwarzwald gingen über 11 000 Einwände und Stellungnahmen ein. Die Kommunen und Träger öffentlicher Belange haben noch bis 29. Juni Zeit, Stellungnahmen abzugeben. Danach werden die Einwände und Anregungen geprüft und schließlich der Verbandsversammlung vorgelegt.

Zehn Gebiete in Plan ausgewiesen

Der Teilflächenregionalplan eröffnet den Projektierern von Windkraftanlagen neue Möglichkeiten, in der Region Anlagen zu bauen. Als Leitgedanke ist darin zu lesen: „Gebiete in der Region Nordschwarzwald, die über ein hohes Windenergiepotenzial verfügen, sollen im Sinne einer nachhaltigen Energieversorgung genutzt werden. Zehn Gebiete sind in diesem neuen Plan im Stadtkreis Pforzheim/Enzkreis ausgewiesen. Darunter der Sauberg in Engelsbrand/Büchenbronn. Der Windatlas weist in 140 Meter Höhe eine Windhöffigkeit zwischen 5,50 und 6,25 Meter pro Sekunde aus. Die Firma Juwi wartet den Satzungsbeschluss und damit die Genehmigung des Teilflächenregionalplanes gar nicht ab und beginnt nun bereits mit der Antragsstellung auf Genehmigung.

Konferenz im Landratsamt

Am 7. Juni findet im Landratsamt eine Vorantragskonferenz statt. Dabei soll geklärt werden, welche Unterlagen von der Genehmigungsbehörde, dem Landkreis, gefordert werden. Da es sich beim späteren Genehmigungsverfahren um das sogenannte förmliche Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung handelt, ist auch der Scoping-Termin öffentlich.

Anlagen von 240 Metern Höhe geplant

Nachdem Juwi im Herbst des vergangenen Jahres den Antrag zum Bau zweier Windenergie-Anlagen auf Pforzheimer Gemarkung im gleichen Planungsgebiet aufgrund neu aufgetretener artenschutzrechtlicher Gründe zurückgezogen hat, plant die Firma nun zwei Anlagen auf Gemarkung Engelsbrand. Dieses Mal handelt es sich um wesentlich größere Anlagen als bei der ersten Planung: Gesamthöhe 240 Meter, Nabenhöhe 161 Meter, Rotordurchmesser 158 Meter. Die Nennleistung beträgt jeweils 5,3 Megawatt. Die Windkraftanlagen sind erheblich höher als der 217 Meter hohe Fernsehturm in Stuttgart.

Keine Zweifel an Windhöffigkeit

Eigentümer der Fläche, auf dem die Firma Juwi die Windkraftanlagen errichten möchte, ist das Land Baden-Württemberg, vertreten durch den ForstBW. „Der Gestattungsvertrag zwischen Juwi und dem Land Baden-Württemberg ermöglicht den Bau und Betrieb der Windenergie-Anlagen auf dem Planungsgebiet“, erklärt Pressesprecher Felix Wächter von der Firma Juwi in Wörrstadt. Bereits vor dem Genehmigungsverfahren zeigt sich die Firma Juwi sehr gut vorbereitet. „Bislang wurden die artenschutzrechtlichen Kartierungen für die neuen Standorte von Fachgutachtern durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen die Genehmigungsfähigkeit der Standorte, auch hinsichtlich des Rotmilans“, sagt Pressesprecher Wächter.
Vor wenigen Wochen hat Juwi die Baugrunduntersuchungen abgeschlossen. Die Gutachten zu den Themenkomplexen Schall, Schattenwurf und Umwelt und weitere seien aktuell in Arbeit. In diesem Sommer plant Juwi erneut eine einjährige Windmessung mit einem Lidar-Gerät. „Wir gehen davon aus, dass wir den Genehmigungsantrag im Spätsommer/Herbst einreichen werden und rechnen mit einer Verfahrensdauer von etwa neun bis zwölf Monaten“, betont Felix Wächter.

Antrag soll bis Herbst eingereicht werden

Mit der neuen Lidar-Messung, darauf legt die Firma Juwi Wert, gehe es ausschließlich um die Erfüllung der einschlägigen Richtlinien zur Erstellung von Ertragsgutachten. „Zweifel an der sehr guten Windhöffigkeit des Standorts bestehen keine“, sagt Pressesprecher Wächter. Heinz Richter