Streitpunkt Tiefgarage: Altbürgermeister Wolfgang Oechsle bezweifelt die von Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon (Mitte) bei der Führung durch den Neubau genannte Zahl von einer Million Euro. | Foto: Ehmann

Ex-Rathauschef Oechsle

Remchinger Altbürgermeister zweifelt an Zahlen zu Rathausneubau

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Tiefgarage, Mitarbeiterzahl, Bepflanzung: Altbürgermeister und Gemeinderat Wolfgang Oechsle kritisiert Äußerungen, die vergangene Woche bei der Führung durch den Rathausneubau in Remchingen-Wilferdingen gefallen sind.

Von „zweifelhaften Informationen“ schreibt der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste für Demokratie, Bürgerbeteiligung und Umwelt in einer E-Mail an den Pforzheimer Kurier. Oechsle hinterfragt beispielsweise die von Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon genannten Kosten von einer Million Euro für die mit Landeszuschüssen geförderte Tiefgarage und rechnet vor, diese würden sich laut Berechnung des Gemeindearchitekten auf 3,3 Millionen Euro belaufen.
Schöner tagen: Der Ratssaal im zweiten Obergeschoss bietet einen Panoramaausblick auf den San-Biagio-Platani-Platz. | Foto: Ehmann
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Zeitplan. Wie berichtet, war der Rathausbezug für Anfang Oktober vorgesehen – er verzögert sich aber bis Jahresende. Oechsle nennt eine Broschüre der Gemeindeverwaltung vom Juli 2016, in der steht, der Bezug sei für Juni 2018 geplant. „Das war, bevor der Bürgerverein das Verfahren mit Klagen vor Gericht ins Stocken gebracht hat“, kontert Bürgermeister Prayon auf Nachfrage. Es habe zudem Schwierigkeiten mit dem Rohbau gegeben, dennoch liege das Bauprojekt „gut im Zeitplan“. Die Vorwürfe seines Amtsvorgängers bezeichnet Prayon als „abenteuerlich“. Er will in der nächsten Ausgabe des Mitteilungsblattes zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

 

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Auch die genannte Zahl der Mitarbeiter im neuen Rathaus zweifelt der Altbürgermeister an: „50 Mitarbeiter werden bei weitem nicht erreicht.“ Prayon jedoch addiert alle Mitarbeiter zusammen und kommt aktuell auf 45. Stichwort mobile Bäume auf dem San-Biagio-Platani-Platz: Die Bürgerliste schließe sich dem Antrag der Grünen an, in der neuen Ortsmitte nach Flächen zu suchen, wo große Bäume möglich sind, schreibt Oechsle weiter. Die Pflanzung an geeigneten Stellen solle auf die Tagesordnung genommen werden.
Die Brauerei im Erdgeschoss hat seit zwei Monaten geöffnet. | Foto: Ehmann
„Kein Baum fällt weg“, betont Bürgermeister Prayon. Es würden genau so viele Bäume gepflanzt, wie durch den Rathausneubau weggefallen sind. Beispielsweise entlang der Bundesstraße und bei der Kulturhalle, hin zum Parkplatz. Dass der San-Biagio-Platani-Platz nach dem Bau des neuen Rathauses keine Parkanlage sein würde, sondern ein „Verkehrsplatz“ mit Gastronomie und künftig einem Wochenmarkt, sei klar gewesen, so Prayon. Daher sollen wie berichtet kleinere mobile Bäume in Behältern auf dem Platz aufgestellt werden. Der Antrag auf das Pflanzkonzept sei vor den Sommerferien besprochen worden und werde im September oder Oktober auch Thema im Gemeinderat.

Rathauschef rechnet nicht mit Klimanotstand

Oechsle fordert die Gemeindeverwaltung darüber hinaus dazu auf, mit Blick auf den erwarteten Klimanotstand Auskünfte zu einem Klimaschutzaktionsplan einzuholen und eine Stellungnahme oder Empfehlung zu einer ähnlichen Vorgehensweise abzugeben. Mit einem Klimanotstand in Remchingen rechne er zwar nicht, die Verwaltung werde aber Informationen einholen. „Das wird passieren“, versichert Prayon.
Großes Interesse hatten die mehr als 150 Besucher am neuen Rathaus in Wilferdingen. In vier Gruppen wurden sie durch die drei Obergeschosse und das Foyer geführt. Am Jahresende soll das Gebäude offiziell eröffnet werden. | Foto: Ehmann

Ex-Schultes Wolfgang Oechsle und der Bürgerverein haben den Rathausneubau lange bekämpft und zogen deshalb sogar vor Gericht. Sie befürchteten, dass das Bauprojekt deutlich teurer wird als die geplanten 13,7 Millionen Euro.