Ungewollt im Mittelpunkt stand am vergangenen Spieltag Ines Bechtel. Die Schiedsrichterin, die für den ATSV Mutschelbach pfeift, musste beim Spiel zwischen Germania Singen und Bauschlott einiges einstecken. | Foto: Waidelich

Sexismus in der Kreisliga

Singener Fußballer soll Schiedsrichterin „in die Küche“ geschickt haben – Verein dementiert

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Es scheint einiges im Argen zu liegen bei Fußball-Kreisligist Germania Singen. Da ist zum einen die sportliche Krise beim ursprünglichen Aufstiegskandidaten, die sich nach dem 3:5 gegen Tabellenführer FC Bauschlott weiter verschärft und die nun zum Rücktritt des Trainerteams Rudi Herzog/Andres Bullert geführt hat. Künftig hat FCG-Urgestein Jörg Schäfer das Sagen. Es gibt aber wohl auch Entgleisungen abseits des Platzes, wodurch das Team in der Kritik steht.

Spieler pöbelt Schiedsrichterin in ihrer Kabine an

Der Gipfel dieser Undiszipliniertheiten fand nach dem Abpfiff gegen Bauschlott in der Kabine von Schiedsrichterin Ines Bechtel statt. „Es fielen die Worte: ,Du gehörst in die Küche’“, bestätigt Christian Eiffler vom Badischen Fußball-Verband (BFV) eine sexistische Beleidigung seitens eines Singener Spielers.

Singen-Sportvorstand kritisiert Leistung der Schiedsrichterin

Die 23-jährige Unparteiische, die für den ATSV Mutschelbach pfeift, hatte während des Spiels dem Torschützen Görkem Günasan wenige Sekunden nach dessen 1:3 die Rote Karte gezeigt, nachdem dieser den Ball eilig aus dem Netz holen wollte. Dabei hatte sie eine Tätlichkeit Günasans erkannt. „Es gibt den Vorwurf eines Schlages. Aus unserer Sicht war es aber so, dass sich ein Bauschlotter über den Ball geworfen hat, diesen nicht rausgeben wollte und unser Spieler dann auf diesen geschubst wurde“, sagt Andreas Matussek, Sport-Vorstand beim FC Germania Singen. Ohnehin sahen sich die Singener ungerecht behandelt. „Die meisten Aktionen wurden gegen uns gepfiffen, zwei Tore trotz Foulspiel gegeben.“ Auch der laut Matussek zu frühe Schlusspfiff, es gab nicht eine Minute Nachspielzeit, erhitzte die Gemüter. Nach Spielende stürmte ein Germanen-Spieler – nicht Günasan – in Bechtels Kabine und beschimpfte laut BFV diese wie dargestellt.

Germania-Vorstand streitet Vorfall ab

Mittlerweile hat sich der Verein auch zu den konkreten Vorwürfen geäußert. „Er hat lediglich gesagt, dass er die kurze Nachspielzeit nicht in Ordnung fand bei den ganzen Spielunterbrechungen und dem übermäßigen Zeitspiel des Gegners“, betont Germania-Sportvorstand Matussek. „Mehr hat er nicht gesagt. Hierfür gibt es Zeugen, die das bestätigen können.“

Augenzeuge: Kabinengänger schon auf dem Spielfeld respektlos gegen Schiedsrichterin

Allerdings stehen auch noch andere Vorwürfe der Respektlosigkeit gegen den Spieler im Raum. „Der Spieler hat sich schon während des Spiels so verhalten“, berichtet ein Augenzeuge, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Das war von der ganzen Mimik her sehr respektlos. So hätte er sich sicherlich nicht gegenüber einem 40-jährigen männlichen Schiedsrichter verhalten.“

BFV: Bechtle ist „erfahrene Schiedsrichterin“

Nun mahlen die Mühlen der Fußball-Gerichtsbarkeit. Ein Bericht sei von Bechtel verfasst worden, sagt Staffelleiter Thomas Distel, der von den Vorfällen weiß. Zunächst werden beide Vereine angehört, anschließend entscheidet das Sport- oder Verbandsgericht. „Sowas passiert nicht jede Woche – aber auch nicht das erste Mal“, berichtet Eiffler, der Bechtel als „erfahrene Schiedsrichterin“ einstuft, die seit acht Jahren im Einsatz ist, Kreisliga und Frauen-Regionalliga pfeift.

„Die meisten Beleidigungen gegenüber Schiedsrichterinnen sind geschlechtsneutral“

Statistiken über Beleidigungen führt der Verband nicht, über sexistische schon gar nicht. „So blöd es klingt: Die meisten Beleidigungen gegenüber Schiedsrichterinnen sind geschlechtsneutral, die treffen genauso auch unerfahrene männliche Schiedsrichter“, sagt Eiffler: „Die wenigsten werden in die Küche geschickt.“ Bitter ist das für den Verband auch deshalb, weil man händeringend Schiedsrichternachwuchs sucht, gerade auch weiblichen. „Ich glaube aber nicht, dass deshalb jemand nicht Schiedsrichterin wird“, sagt Eiffler.