Wenig zu tun gab es für Kirsten Speidel, Udo Hahnenkratt und Ulrich Stüber im Wahlbüro Mühlacker. Viele Wähler nutzten die Möglichkeit der Briefwahl.
Wenig zu tun gab es für Kirsten Speidel, Udo Hahnenkratt und Ulrich Stüber im Wahlbüro Mühlacker. Viele Wähler nutzten die Möglichkeit der Briefwahl. | Foto: sf

Briefwahl wird gut angenommen

Stimmzahlen bei Kirchenwahl im Enzkreis rückläufig

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Mit einer leicht geringeren Wahlbeteiligung als vor sechs Jahren endeten die Kirchenwahlen am Wochenende im Enzkreis. Während in den evangelischen Kirchenbezirken Calw-Nagold-Neuenbürg und Vaihingen-Mühlacker auch Vertreter der Landessynode gewählt wurden, haben die Christen in Pforzheim lediglich über ihre Kirchenältesten abgestimmt.

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

Die Landessynode ist die gesetzgebende Versammlung der Landeskirche: Deren Vertreter werden allerdings nur im württembergischen Teil direkt gewählt, zu denen die Kirchenbezirke Calw-Nagold-Neuenbürg und Vaihingen-Mühlacker zählen. Pforzheim ist Teil der badischen Landeskirche. Hier wurde am Sonntag in den einzelnen Gemeinden lediglich die neue Zusammensetzung der Ältestenkreise bestimmt. Die schicken – nach dem Delegationsprinzip – dann Vertreter in die Stadtsynode, die ihrerseits bestimmen darf, wer in die Landessynode gehen soll.

Wahlmodalitäten sehr unterschiedlich

Unterschiede gab es aber auch in den Wahlmodalitäten: Während in Pforzheim, also im Bereich der badischen Landeskirche, ausschließlich Briefwahl möglich war, hatten im württembergischen Teil Wahllokale bis Sonntagabend geöffnet. Ob dies Auswirkungen auf die Wahlbeteiligungen insgesamt hatte, lässt sich zwar nicht belegen. Faktisch haben im württembergischen Bereich – prozentual gesehen – aber mehr als doppelt so viele Menschen ihre Stimmen abgegeben wie im Kirchenbezirk Pforzheim-Stadt.

Im Bezirk Mühlacker-Vaihingen etwa lag die Wahlbeteiligung bei 26,3 Prozent (2013: 28 Prozent). Unter den Laien-Kandidaten haben hier Dorothee Knappenberger (Lebendige Gemeinde/Wir lieben Gemeinde, 6 259 Stimmen) und Gerhard Keitel (Arbeitsgemeinschaft Offene Kirche/Evangelium und Kirche, 5 379 Stimmen) die Wahl für sich entschieden.

Als Theologe wurde Matthias Hanßmann (Lebendige Gemeinde, 6 283 Stimmen) in die Synode gewählt. Der Bezirk Calw-Nagold-Neuenbürg wiederum meldete eine Wahlbeteiligung von 28,1 Prozent; diese fiel ebenfalls leicht geringer aus als 2013 mit damals 30,3 Prozent.

Anja Holland (Lebendige Gemeinde, 15 977 Stimmen), Martin Wurster (Lebendige Gemeinde, 14 001 Stimmen) und Götz Kanzleiter (Kirche für morgen, 10 298 Stimmen) haben hier die meisten Wähler überzeugt. Als Theologe wird Dekan Ralf Albrecht den Bezirk in der Landessynode vertreten.

Stimmenkönigin aus Huchenfeld-Würm

In Pforzheim sind erwartungsgemäß alle 76 Kandidaten auf die 76 verfügbaren Plätze der Ältestenkreise gewählt worden, darunter waren 40 Frauen und 36 Männer, respektive 52 Kandidaten, die schon in der vergangenen Wahlperiode das Amt ausgeübt hatten.

Prozentual gesehen kam die Stimmenkönigin dabei aus Huchenfeld-Würm: Birgit Kalmach-Hörter erhielt dort 97,3 Prozent aller abgegebenen Stimmen und damit deutlich mehr als alle anderen Kandidaten, die zwischen 74 und 89 Prozent Zustimmung erhielten. Die Wahlbeteiligung lag im gesamten Bezirk zudem nur bei 13 Prozent und damit, so Dekanin Christiane Quincke, „wie befürchtet nicht ganz so hoch“.

Möglichkeit zur Briefwahl war „ein kluger Zug“

Ihr Ziel ist es daher, mit Blick auf die nächste Wahl, wieder mehr Kandidierende zu finden, „um eine echte Auswahl zu ermöglichen.“ Dass im württembergischen Bereich der Landeskirche dieses Mal auch eine Briefwahl erlaubt war, hat sich nicht zuletzt in den Wahllokalen gezeigt. In Mühlacker beispielsweise haben bis zum frühen Nachmittag nur etwa 2,5 Prozent aller Wahlberechtigten persönlich ihre Stimme abgegeben, erklärten Ulrich Stüber, Kirsten Speidel und Udo Hahnenkratt, die das Wahllokal in der Pauluskirche betreuten.

Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, „dass eher mit Briefwahl zu rechnen ist“, so Speidel. „Die ist neu und wird sehr gut angenommen.“ Schon vor einer ersten Leerung der Wahlbriefkästen vor dem Wahlsonntag waren etliche Wahlumschläge abgegeben worden. „Diese Möglichkeit zu geben, war sicher ein kluger Zug“, bemerkte Kirsten Speidel. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass auch in ihrer Nachbarschaft der überwiegende Teil der Wähler zur Briefwahl gegangen ist.