Unfälle durch Lastwagen
Laut dem Statistischen Bundesamt verunglückte im Jahr 2017 alle 18 Minuten ein Kind unter 15 Jahren in Deutschland im Straßenverkehr. Im ganzen Jahr waren fast 30.000 Unter-15-Jährige Teil eines Unfalls, 61 starben. | Foto: Arno Burgi

2017 bundesweit 61 tote Kinder

Unfälle mit Kindern im Straßenverkehr: Alle 18 Minuten passiert etwas

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Am Samstagnachmittag ist im beschaulichen Neulingen-Göbrichen im Enzkreis der Albtraum aller Eltern passiert: Ein vierjähriges Mädchen lief zwischen geparkten Autos auf die Hohwaldstraße, wurde von einem Auto erfasst und starb wenig später an den Folgen. Ein tragischer Unfall, der in ganz Deutschland immer wieder passiert.

Laut dem Statistischen Bundesamt verunglückte im Jahr 2017 alle 18 Minuten ein Kind unter 15 Jahren in Deutschland im Straßenverkehr. Im ganzen Jahr waren fast 30.000 Unter-15-Jährige Teil eines Unfalls, 61 starben. Baden-Württemberg gehört dabei zu den Bundesländern, in dem neben Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz in dem Jahr die wenigsten Heranwachsenden verunglückten, und zwar 221 Kinder pro 100.000 Einwohnern. Die Zahlen klingen erschreckend, dennoch hat der Nachwuchs im Vergleich zu seinem Bevölkerungsanteil ein geringeres Unfallrisiko als andere Altersgruppen, so das Statistische Bundesamt.

Zahlen seit Jahren stark rückläufig

Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre wird deutlich, dass die Straßen für Kinder immer sicherer werden: Während 1997 noch 311 Heranwachsende ihr Leben verloren, war es sieben Jahre später die Hälfte. Noch niedriger als im Jahr 2017 war der Wert nur 2013: In dem Jahr starben 58 Kinder.

Schlechter Trend für 2018

Für 2018 scheint sich der Trend zu wandeln: Während zwischen Januar und Oktober 2017 52 Kinder bei Unfällen im Straßenverkehr starben, waren es 2018 im selben Zeitraum fast 40 Prozent mehr, nämlich 72. Bei den Schwerverletzten hingegen sind die Zahlen des vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorjahr für den Zeitraum rückläufig. Die genauen Zahlen für das gesamte Jahr 2018 werden laut Statistischem Bundeamt derzeit noch zusammengestellt, für das laufende Jahr gibt es noch keine Werte.

Tragischer Fall in Gaggenau

Für große Bestürzung und Trauer sorgte etwa im vergangenen Jahr der tödliche Unfall mit Fahrerflucht in Gaggenau (die BNN berichteten). An einem Freitagabend im Juli verloren ein sieben Monate alter Junge und seine Großmutter ihr Leben, als ein vermutlich betrunkener und bekiffter Mann von der Straße abkam und sie überfuhr. Der mutmaßliche Todesfahrer muss sich ab April vor Gericht dafür verantworten.

Die Goethestraße in Gaggenau auf Höhe von Daimler.
Zwischen Werksgelände (links) und dem Ausbildungszentrum von Daimler kam es zu dem schlimmen Unfall in Gaggenau, in dessen Folge ein Kleinkind und dessen Oma starben. Auf dem Boden sind noch heute die grünen Unfall-Markierungen der Polizei zu sehen. | Foto: Haendle

Am häufigsten Unfälle als Beifahrer

Die meisten Kinder verunglückten 2017 als Insassen eines Autos. Viele Unfälle passierten auch auf dem Fahrrad oder zu Fuß. Die meisten der getöteten Kinder verloren als Mitfahrer im Auto ihr Leben, rund ein Drittel als Fußgänger. Trotz vieler Unfälle mit dem Zweirad gingen diese meist glimpflicher aus.

Risikobereite Jungen

Jungen sind dabei insgesamt gefährdeter als Mädchen, so das Statistische Bundesamt. Ein Grund dafür, dass Jungen in über die Hälfte der Unfälle mit Kindern verwickelt waren, dürfte demnach ihre größere Risikobereitschaft sein; ein anderer, dass es 2017 mehr männliche Unter-15-Jährige gab als weibliche. Vor allem auf dem Fahrrad und zu Fuß verunglückten die Jungen dabei viel häufiger als die Mädchen. Besonders gefährdet seien Kinder dem Statistischen Bundesamt nach auf dem Weg zur Schule sowie auf dem Heimweg.

Oft auch Fehler der Kinder

Den schlimmen Unfällen liegen oft auch Fehler der Kinder selbst zu Grunde. 2017 passierten deshalb rund 3500 Unfälle in Deutschland. Die häufigsten Ursachen dabei sind das Überqueren der Fahrbahn, ohne auf den Verkehr zu achten, und das – so wie am Samstag in Neulingen – plötzliche Hervortreten hinter geparkten Autos und anderen Sichthindernissen.

Sicherer als andere Länder

Im internationalen Vergleich der EU-Länder sind Kinder im deutschen Straßenverkehr aber eher sicher. Nur in Schweden, Spanien, den Niederlanden, Portugal, Großbritannien und Österreich verunglückten 2016 weniger Kinder. Am gefährlichsten ist es für den Nachwuchs laut dem Statistischen Bundesamt in Bulgarien, Rumänien, Luxemburg, Estland und Malta, wobei in manchen der Ländern ältere Zahlen verglichen wurden.

Folgen für die Psyche

Menschen, die einen schweren Unfall miterleben mussten, leiden danach häufig an psychischen Problemen. Wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) 2014 in einer Studie veröffentlichte, habe jedes vierte Unfallopfer ernstzunehmende psychische Beschwerden wie Angst, Depressionen oder eine Posttraumatische Belastungsstörung. Bei einem Großteil der Betroffenen würden die psychischen Symptome lange andauern.

Für ihre Studie hatte die BASt Opfer von Unfällen, die sich zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus befanden, unter Hinzuziehen der Patientenakte zu drei Zeitpunkten nach dem Unfall befragt.