Bei der Typisierungsaktion für Gökhan Simsek lässt sich in der Moschee auch Ilayda Ezim (rechts) Blut abnehmen. | Foto: Ulrich Krawutschke

Erfolg für Aktion in Moschee

380 Menschen typisiert: Große Solidarität mit blutkrankem Gökhan(5)

Von Ulrich Krawutschke

Gökhan Simsek steht ganz ruhig an der Trennwand und schaut höchst interessiert, was dahinter passiert. Ja, er freue sich, sagt er. Denn er weiß, dass die vielen Menschen in der Mevlana Moschee in Ettlingen wegen ihm gekommen sind. Der Fünfjährige, Sohn des Imam der Gemeinde, leidet unter der recht seltenen Fanconi-Anämie, eine Erbkrankheit, deren Merkmal sehr dünnes Blut ist, so Beate Wimmer von blut.ev, die die gestrige Typisierungsaktion mitorganisiert hat. Die Erkrankung des kleinen Türken wurde erst vor Monaten entdeckt „und jetzt“, so Pirsene Yilmaz, die den Mitgliedern der Gemeinde, auch der Familie Simsek, die vor drei Jahren nach Deutschland kam, auch als Übersetzerin zur Seite steht, „haben die Ärzte Alarm geschlagen, dringend etwas zu tun“. Sie haben Yilmaz auch die Adresse von blut.ev gegeben. „Das war wichtig, denn wir haben ja davon keine Ahnung gehabt“, sagt sie. In der Moschee in der Rheinstraße wurde die Aktion organisiert, die letztlich ein großer Erfolg war.

Abstrich oder Blutabnahme

Schon von weitem ersichtlich, ein Pulk von Männern steht vor der Tür. Im Erdgeschoss ist die umfangreiche, vor allem süße Bewirtung organisiert, die mithelfen soll die Kosten für die Typisierungsaktion zu decken. Oben im Gebetsraum, den alle ohne Schuhe betreten, läuft die Aktion. Zwei Möglichkeiten gibt es: Abstrich mit dem Wattestäbchen oder Blutabnahme. „Blut ist besser“ sagt Beate Wimmer, die die Spender registriert. „Sind sie über 45?“ fragt sie und Sakan Zehai muss bejahen. „Leider, ich hätte gerne geholfen“ versichert er. Er ist zu alt, nur wer zwischen 17 und 45 Jahre alt und mindestens 50 Kilogramm schwer ist, darf mitmachen. Kein Problem hat da Ilayda Ezim. Die junge Türkin ist gerne gekommen, „weil ich Gökhan, wenn möglich, helfen will“. Sie lässt sich Blut abnehmen, wie so viele der Frauen, die schon kurz nach 13 Uhr neben wenigen Männern den Raum füllen. „Das ist normal“, sagt Pirsene Yilmaz, „die meisten Männer kommen erst nach dem Freitagsgebet“. Und so passiert es. Neben vielen ehrenamtlichen Helferinnen der Gemeinde ist blut.ev mit einem Team vertreten, darunter ein Arzt und medizinische Fachangestellte, die das Blut abnehmen. Auch Peter Stadtherr ist da. Der Koordinator für allogene Stammzelltransplantation an der Universität Heidelberg sagt, dass es künftig vermehrt Aktionen mit türkisch-stämmigen Menschen geben soll.

Es gibt Unteschiede bei den Nationen

Hintergrund ist, dass für eine Transplantation die Gewebemerkmale übereinstimmen müssen und „das hat auch etwas mit der Abstammung zu tun, es gibt also Unterschiede bei den Nationen“. Weil bisher wenige Türken registriert sind, „ist es derzeit noch schwer einen Spender zu finden“, so Stadtherr. Das ist für Pirsene Yilmaz ein weiterer Grund sich zu engagieren. „Vielleicht können wir hier Hilfsgrundlagen für spätere Erkrankungsfälle legen“, meint sie. Deshalb hat sie für die Aktion weit außerhalb Ettlingens geworben. Der Andrang ist zwar groß, „aber ich hoffe, dass bis 19 Uhr noch viel mehr Helfer auch von außerhalb kommen“, sagt Yilmaz.

Grundschüler legen Taschengeld zusammen

Die Abschlussbilanz zur Aktion fiel dann durchweg positiv aus: „Es lief super den ganzen Tag über“, freut sich Beate Wimmer von blut.eV über das Ergebnis: Insgesamt 380 Menschen haben sich beteiligt, neben überwiegend türkischen Teilnehmern waren es auch einige Deutsche. „Bis ein Ergebnis vorliegt, ob ein passender Stammzellenspender dabei ist, wird es sechs bis acht Wochen dauern“, sagt Wimmer. Schon im Vorfeld der Typisierung sind durch Aktionen des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Ettlingen 3 800 Euro zusammengekommen, der Verkauf während der Typisierungsaktion hat weitere 1 500 Euro gebracht, 500 Euro hat eine Frau gespendet, die aus Altersgründen nicht mitmachen konnte. „Sehr gefreut“ habe man sich laut Beate Wimmer über sechs türkische Grundschüler aus Malsch, die ihr Taschengeld zusammengelegt und in einem Umschlag überreicht haben – 59 Euro zusammen.

Damit ist ein gutes Drittel der Kosten der Typisierung, etwas über 15 000 Euro, eingegangen. Beate Wimmer, die ganz besonders den türkischen Frauen dankt, „die das komplette Helferteam fürsorglich unter anderem mit Essen versorgt haben“, hofft nun, dass weiteres Geld durch Spenden eingeht. Etwa auf das von blut.ev eingerichtete Konto bei der Sparkasse Karlsruhe, IBAN: DE07 6605 0101 0010 1738 88.