Erneut Zoff gibt es im Rathaus Ettlingen. Bürgermeister Thomas Fedrow soll eine Mitarbeiterin gemobbt haben. | Foto: Archiv

Amtsleiter schreiben an OB

Mobbing-Vorwürfe gegen Ettlinger Bürgermeister

Mobbing-Vorwürfe gegen  den Ettlinger  Bürgermeister Thomas Fedrow (CDU) : Ein Amtsleiterbrief sorgt in der Vorweihnachtszeit für Wirbel im Rathaus. OB Johannes Arnold kündigt Konsequenzen an, er will  Fedrows Dezernat  jetzt  beschneiden. Schon seit Jahren gibt es Zoff zwischen ihm und  dem Beigeordneten, ähnlich  wie  er  zwischen seiner Amtsvorgängerin Gabriela Büssemaker (FDP)  und Thomas  Fedrow bis 2011 an der Tagesordnung  war.

In der Form ist der Fall einmalig: Zehn Amtsleiter der Stadt Ettlingen wenden sich in einer Art Brandbrief an den Oberbürgermeister und bitten ihn, eine Mitarbeiterin – konkret die Justiziarin – aus dem Einflussbereich des Bürgermeisters herauszunehmen. Grund: Sie werde dort gemobbt und massiv unter psychischen Druck gesetzt. So geschehen in der letzten Novemberwoche 2016. Unterzeichner sind Amtsleiter sowohl aus dem Dezernat I (OB Johannes Arnold) als auch aus dem Dezernat II (Beigeordneter Thomas Fedrow).

Wir appellieren an Ihre Mitarbeiterfürsorgepflicht

Unter anderem heißt es in dem Brief, man sehe im Vorgehen Fedrows gegenüber der jungen Kollegin ein „sich permanent wiederholendes, erniedrigendes Verhaltensmuster“. Um zu verhindern, dass die betroffene, seit Wochen krank geschriebene Mitarbeiterin  dauerhaft gesundheitlichen Schaden nimmt,  „appellieren wir geschlossen und solidarisch an Ihre Mitarbeiterfürsorgepflicht und bitten Sie darum, die Kollegin sowohl aus dem Zuständigkeitsbereich des Bürgermeisters als auch der räumlichen Nähe herauszunehmen ….“.  Und weiter: … wir bitten Sie, alles dafür zu tun, dass die Werteordnung und Organisationskultur in der Stadtverwaltung wieder den sonst üblichen Gepflogenheiten folgt …. Auch monieren die Unterzeichner, dass im Dezernat Fedrow Projekte entgegen den Vorgaben Arnolds vorangetrieben würden; ständige Loyalitätskonflikte seien die Folge. Informationen an den OB würden von Fedrow untersagt, der entsprechenden Druck ausübe.

Thomas Fedrow (links) bei seiner Vorstellung als Bürgermeister. Gewählt wurde er vom Gemeinderat 209.
Thomas Fedrow (links) bei seiner Vorstellung als Bürgermeister. Gewählt wurde er vom Gemeinderat 2009. | Foto: Alabiso

OB organisiert im Rathaus um

Nachdem er den Brief erhalten hatte, suchte der Rathauschef Mitte voriger Woche den Kontakt zu den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat. Er habe sich zwar in seiner Mitarbeiter- und Personalfürsorgepflicht gefordert gesehen, sei aber ergebnisoffen in dieses Gespräch gegangen, so Arnold . Überlegt worden sei unter anderem, das Justiziariat „auf Zeit“ dem Dezernat I zuzuordnen, um den Konflikt im Dezernat II zu entschärfen. Eine kommissarische Lösung sei aber juristisch anfechtbar. In Absprache mit den Fraktionsvorsitzenden will Arnold   jetzt von seiner Organisationshoheit im Rathaus Gebrauch  machen  die Verwaltungsstruktur dahingehend ändern, dass die fünf Mitarbeiter im Justiziariat künftig dem Dezernat I und damit  ihm  zugeordnet werden. Ihr Arbeitsplatz befindet  sich fortan nicht mehr auf der Etage des Bürgermeisters, sondern in Räumen, die die Sparkass am Marktplatz freigemacht hat. Das Einvernehmen zu diesem Vorschlag will Arnold kommende Woche in der letzten Sitzung 2016 des Gesamtgemeinderats herstellen.

Kein persönliches Gespäch mit Fedrow

Bei Bürgermeister Fedrow sollen, wenn die Volksvertreter es absegnen, das Ordnungs- und Sozialamt, das Stadtbauamt, das Bauordnungsamt, die Abwasserbeseitigung und die Stadtbau GmbH verbleiben. Über den geplanten Schritt setzte Arnold Fedrow am Montag schriftlich in Kenntnis. In dem Schreiben habe Fedrow die Gelegenheit erhalten, sich zu äußern, so Arnold. Ein persönliches Gespräch in der Sache fand bis dato nicht statt. Fedrow sagte den BNN  in einer Stellungnahme  zunächst, er kenne den Inhalt des Briefes der Amtsleiter nicht. Später mutmaßte er dann, die Unterschriften seien nicht alle freiwillig erfolgt, sondern dafür habe ein dem OB nahestehender Amtsleiter gesorgt. Er arbeite mit der Justiziarin „auf sachlicher Ebene“ zusammen.