Feierlich verlieren wurde im Schloss der Narrenbrunnenpreis. Von links Klaus-Ludwig Fees, Johannes Arnold, Preisträger Andreas Franz, Bernhard Maier, Ralph Klein und Wolfgang Litfin. | Foto: Gustl Weber

Ettlinger Narrenbrunnenpreis

„Andreas Franz kann auf höchst geistreiche Art die Leviten lesen“

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Nachdem im vergangenen Jahr mit der Preisverleihung an den Mainzer-Sitzungspräsidenten Andreas Schmidt die rheinische Fastnacht im Fokus stand, richteten sich die Blicke beim 56. Narrenbrunnenpreis im Asamsaal des Ettlinger Schlosses jetzt auf die badisch-pfälzische Fastnacht. Der über den Südwesten hinaus begehrte „Narren-Bambi“ ging an den Hofnarren des Ramsteiner Karnevalsvereins „Bruchkatze“, Andreas Franz.

Von Gustl Weber
Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold nahm sich bei der Begrüßung der Gäste gleich mal selbst auf die Schippe: „Ich bin schon froh, dass ich heute noch dabei sein darf. Schließlich war in diesem Jahr Oberbürgermeisterwahl in Ettlingen.“ Standen die Hofnarren oft mal außerhalb der Gesellschaft, so sei dies bei Andreas Franz sicher nicht der Fall. Er stehe mitten drin und male sich in seinen Beiträgen gekonnt mit dem Pinsel die Welt, wie sie ihm gefällt, so Arnold.

Bedeutsame Brauchtumspflege

Als amtierender Präsident der 1903 gegründeten „Narrengilde Ettlingen“, sprach Ralph Klein im Zusammenhang mit der Preisverleihung von einer „bedeutsamen Brauchtumspflege“. Und: „Dass heute immerhin zwölf ehemalige Preisträger gekommen sind, beweist die hohe Bedeutung dieser Veranstaltung“, betonte Klein.
Der Bekanntheitsgrad des jetzt mit der renommierten Ettlinger Fastnachtstrophäe ausgezeichneten Multitalents Andreas Franz resultiere nicht zuletzt aus seinen regelmäßigen Beiträgen im Rahmen der alljährlichen SWR-Fernsehsitzungen der „Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine“ in Frankenthal. Seine Figuren als „Der Soldat“ oder als „Hofnarr“ unterstützen in der breiten Öffentlichkeit das Brauchtum in diesem Metier, wie Laudator Klaus-Ludwig Fees, Präsident des „Bund Deutscher Karneval“, herausstellte.

Witz und Charme als Markenzeichen

In der letzteren Rolle bringe Andreas Franz mit viel Witz und Charme, aber auch selbstkritisch den politischen Prolog in Reimform den Menschen näher. Keiner bekomme dabei das Gefühl, verletzt oder herablassend behandelt zu werden. „Der Förderschullehrer mit einem Studium der Theaterpädagogik kann auf höchst geistreiche Art den Zeitgenossen die Leviten lesen“, meinte Fees. Der Preisträger dankte in der ihm spürbar in die Wiege gelegten Ironie: „Vielen Dank für das Gefühl einer lebendigen Hochachtung für meine Person, in der mir angeborenen Bescheidenheit“.

Vom Brunnensockel ins Schloss

Im voll besetzten Asamsaal hatte Bernhard Maier als Hofnarr „Hans von Singen“, vom Sockel der Brunnens vor dem Schloss herabgestiegen, gekonnt auch nachdenkliche Töne angestimmt: „In diesem Sommer ist auch mir auf dem Narrenbrunnen nicht entgangen, wir stecken in einem Klima Dilemma, ja, wir sind bereits gefangen. Es scheint, dass ihr alle tatsächlich sehr viel wisst, vielleicht auch nur sehr viel von Nichts, zumindest aber nicht sehr viel von dem, was für das Überleben unseres Planeten, unseres Erdballs wichtig ist. Jetzt mach ich erst mal Aktiv-Urlaub, denn heute ist nicht aller Tage, ich komme wieder, keine Frage.“

Hochkarätig war der Auftritt von Mezzosopranistin Clara-Sophie Bertram, Tanja Maria Wagner am Cello und des Chordirektors des Badischen Staatstheaters, Ulrich Wagner mit Titeln aus Oper, Operette und Musical.