DER MODE-SCHÖPFER: Nur die wahren Stars dieser Welt dürfen jedes Jahr bei den Oscar-Verleihungen über den roten Teppich schreiten. Modedesigner sind für sie ganz wichtig. Der gebürtige Ettlinger George Clinton zählt dazu. | Foto: PR Clinton

George Clinton aus Ettlingen

Auf Tuch-Fühlung mit Hollywood-Stars

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Sein Name ist Clinton. George Clinton. Und das ist kein Künstlername, obwohl er in Hollywood lebt und regelmäßig Weltstars die Hand drückt. George Clinton (48) hieß von Geburt an so. Der Vater US-Amerikaner, die Mutter Deutsche, aufgewachsen in Ettlingen. Klassenkameraden wussten, dass er bestimmt nicht Industriekaufmann werden würde, Kfz-Mechaniker oder sonst so ein Beruf, den viele junge Männer im Kopf haben. Kunst und Französisch waren seine Lieblingsfächer auf der Anne-Frank-Realschule, die damals noch Realschule am Kapellenweg hieß – nicht Sport oder Technik, wie bei den meisten Jungs. Schon als Teenager wollte er in die weite Welt. Vor allem hatte er damals diesen einen Traumberuf: Modedesigner/Herrenschneider.

Auch dem Hollywood-Beau George Clooney half George Clinton modetechnisch schon aus der Patsche. Foto: dpa

Längst ist er das, mit eigenem Studio in Hollywood. Er schneidert für die Stars, wenn diese wieder mal auf einen der vielen roten Teppiche müssen oder ein Foto-Shooting mit einem People-Magazin angesagt ist. Und natürlich für Geschäftsleute, die gerne seine schicken Maßanzüge tragen, die klassisch-zeitlos, aber zugleich modern sind.

Wehe, wenn der Reißverschluss auf dem Roten Teppich platzt

Im Hof vor seinem Atelier hat sich schon Demi Moore auf den Boden gelegt, um mit seinem Hund zu spielen. Sie sei fast wie eine Freundin, erzählt Clinton, der natürlich auch die Macken und Marotten der Superstars kennt – und sich artig darüber ausschweigt. Diskretion ist ein Muss bei einem, den die Stars ganz nah an sich ranlassen. Clinton sieht sie schließlich in seinem Atelier halb nackt.

Schätzt ebenfalls den gebürtigen Ettlinger: die Aktrice Charlize Theron. Foto: dpa

Routine sind für den bodenständig gebliebenen Exil-Badener die Oscar-Verleihungen. Erschöpfend und nervenaufreibend seien sie trotzdem, sagt Clinton. „Die Award-Saison fängt am 2. Januar mit so vielen Award-Shows an und endet im Koma am Tag der Oscars. Es ist wahnsinnig aufregend. Nachdem ich es so viele Jahre mit Herzblut erlebt habe, bin ich von vielem nicht mehr überrascht und versuche, cool zu bleiben.“ Und doch gibt es eine Horrorvorstellung, plaudert Clinton aus dem Nähkästchen. „Unsere Tradition ist, sobald alle auf dem Roten Teppich sind, eine Flasche Champagner zu öffnen und zu hoffen, dass während der Show kein Reißverschluss platzt.“ Denn dann wäre auch der Couturier im Rampenlicht, that’s guaranteed!

George Clinton und seine Pläne für Berlin

Clinton, der noch Verwandte im Raum Ettlingen hat, hat beim damaligen Modegeschäft Ingold seine Ausbildung begonnen. München, Hamburg, Chicago und New York waren weitere Stationen, bevor er sich 2002 in Los Angeles selbstständig machte. Sein Ehemann kümmert sich ums Kaufmännische, er um Beratung, Design, Schnitt bis hin zur Anprobe. Vier feste Mitarbeiter haben sie beschäftigt, zu wilden Oscar-Zeiten kommen etliche freie Mitarbeiter hinzu. „Ich bin stolz auf mein Team“, sagt Clinton im Gespräch mit den BNN. „Für Anzüge brauchen wir nur die erste und letzte Anprobe. Für Abendkleider sind drei Anproben, höchstens vier üblich.“ Geschneidert wird in seinem Atelier, nur der Stoff wird nicht im Hause Clinton hergestellt.

 

Wirtschaftlich sei er mit seiner kleinen, aber feinen Firma zufrieden. „Die einzige Konkurrenz, die ich habe, sind die großen Luxus-Modehäuser.“ Aber seine Kunden schätzten seinen persönlichen Service. „Meine Kunden stehen nicht darauf, der Welt zu zeigen, dass sie teure Labels tragen, sondern tragen understated, schicke und gut passende Kleidung.“ Prominente und Geschäftsleute steuern jeweils 50 Prozent zu seinem Umsatz bei. Und Mundpropaganda ist es, mit der er an Neukunden kommt.

 

Neuerdings arbeitet Clinton mit einem spanischen Geschäftspartner zusammen, für den er auch Schuhe entwirft. Und nach seinem jüngsten Deutschland-Trip hat ihn das Heimweh gepackt. „Wir haben vor, in der nahen Zukunft meinen Service in Berlin fortzuführen.“ Die Planungen laufen bereits intensiv. Erst kürzlich hatte er die Metropole besucht.

Sehnsucht nach hausgebrautem deutschen Bier

Von der deutschen Hauptstadt schwärmt er, aber auch von einem hausgebrauten Bier im „Vogelbräu“ und einem guten Schnitzel oder einem badischen Kartoffelsalat. Er lächelt, als er darüber plaudert, weiß er doch, dass seine Hollywood-Kundschaft anderen Trends anhängt: glutenfrei, vegan und was sonst noch. „Auch die vier Jahreszeiten, einen Laubwald und Jahrhunderte alte Kultur“ vermisse er schon in Kalifornien.

 

Aber dort gibt es dafür unter anderem Weltklassestrände: Den von Santa Barbara mag er beispielsweise. „Mit unserer Corgi Faye gehen wir am Wochenende im Griffith Park wandern.“ In seiner raren Freizeit fährt Clinton mit seinem Partner Patrick auch gerne nach Palm Springs, weg von all der Hollywood-Hektik. „In der Rush hour brauchen wir schon manchmal 45 Minuten von unserem Haus in Hollywood, gleich bei den Paramount Studios, bis in mein Atelier in West Hollywood.“

 

Wer jetzt neugierig ist, mit wem George Clinton schon so alles beruflich zu tun hatte, kann noch den Extra-Text lesen. Zwei Prominente fehlen allerdings, die er noch gerne einkleiden wollte: Barack Obama und Angela Merkel.

 

 

 

Die Karriere

Nach der Mittleren Reife im Jahr 1985 startet George Clinton in Ettlingen bei Mode Ingold eine Ausbildung, den Herrenschneider-Abschluss erlang er in München.

  • Anfang der 90er-Jahre wagt er den Sprung über den großen Teich. In den Witt-Studios in Los Angeles ist er Kostümschneider für die Golden Girls und die Crew von Raumschiff Enterprise. Auch Diana Ross und Cher schätzen seine Arbeit.
  • Mitte der 90er geht’s nach Chicago. „Das Gehalt als Änderungsschneider war besser, und ich musste mich als Designer etablieren“, erinnert sich Clinton. Er arbeitet für die High-End-Designer-Boutique Ultimo mit Marken wie Jil Sander, Armani und Sonja Rykiel.
  • Von 1997 bis 1999 ist Clinton bei Armani in Manhattan, New York, Chef eines Teams von zwölf Schneidern. Die wichtigen Anproben sind sein Part. „Die aufregendsten Erinnerungen, die ich habe, sind die mit Sophia Loren, Mitgliedern der Kennedy-Familie, Lauren Bacall, Lauryn Hill und Ricky Martin.“
  • 1999 bis 2002 ist er bei Jeffrey in New York. Auch in diese Edelboutique kommen Weltstars: Meryl Streep und Elton John gehören zu seinen Kunden.
  • 2002 macht er sich in Los Angeles selbstständig. Er arbeitet für Stars, wenn diese auf den roten Teppich müssen, oder für Hochglanzmagazine fotografiert werden: Demi Moore, Jennifer Garner, Charlize Theron, Dustin Hoffman, Cameron Diaz, Ben Affleck, Brad Pitt, Penelope Cruz, Kate Blanchett, Julianne Moore, Susan Sarandon, Hillary Swank – Clinton nennt noch etliche mehr, aber der Autor muss jetzt einfach kürzen. Denn da wären ja auch noch Promis, für die er als Maßschneider arbeitet: Zac Efron, Channing Tatum, Tom Cruise, Elon Musk, Kesha, Melissa Etheridge, Joseph Gordon Levit – und auch hier wurde kräftig gekürzt.

George trifft George

Clinton, der Couturier mit wahrlich reichlich Erfahrung, was Hollywood-Prominente angeht, ist tatsächlich einmal mächtig ins Schwitzen gekommen – weil er damals keine Fliege binden konnte. Und das ausgerechnet, als ihn kein Geringerer als George Clooney bei einem Fotoshooting für die „New York Times“ bat, genau dies zu tun.
„Ich war zehn Zentimeter von seinem Gesicht entfernt und habe gezittert und noch nie im Leben so geschwitzt“, erinnert sich der blonde Hüne. „Ich weiß nicht, was passiert ist, aber die ,Fliegen-Götter’ kamen, und ich konnte ihm seine Fliege binden.“ Mr. Clooney war very impressed, wie die Amis sagen.