Auf YouTube mit Märchen erfolgreich: Die Ettlinger "Marmeladenoma". | Foto: hei

Star aus dem Netz in Ettlingen

Live-Auftritt mit der „Marmeladen­oma“ aus YouTube

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Die Ettlinger „Marmeladenoma“ ist ein Star auf YouTube. Am 20. Juli hat sie ein „Heimspiel“ in Ettlingens Schlossgartenhalle.

Das kleine Zimmer, in dem ihr Enkel Janik früher regelmäßig übernachtete, gleicht einer Bibliothek. Einer ganz besondereren, auf Märchen spezialisierten. „Märchen von Bäumen“, „Böhmische Märchen“, „Märchen von der Seele“, „Märchen aus dem Mittelalter“ , „Dänische Märchen“ und viele, viele andere stehen schön geordnet im Regal. Dazu natürlich die Klassiker aus „1001 Nacht“, der Gebrüder Grimm und von Hans Christian Andersen. „Die Leute schicken mir laufend neue Märchen, da komme ich mit dem Lesen kaum mehr hinterher“, erzählt Helga und lacht.

Mit 87 Jahren wöchentlich im Netz präsent

„Die Leute“, das sind die zahlreichen Fans der „Marmeladenoma“. Als solche liest die 87-Jährige Ettlingerin einmal wöchentlich auf YouTube Märchen, beantwortet Fragen und gibt Ratschläge in allen Leb17enslagen. Helga ist in hohem Alter das geworden, was man einen „Internetstar“ nennen könnte: 197 000 Abonnenten auf der Video Plattform, mehr als elf Millionen Aufrufe oder „Klicks“. Seit Sommer 2017 schmückt sie sich mit dem deutschen Webvideo-Preis, der ihr in Düsseldorf vor großem Publikum verliehen wurde (wir berichteten) und seit Herbst 2017 mit der „goldenen Erbse“. Die gab‘s für Helgas Verdienste um die Bewahrung der Märchenkultur.

Ich habe kein Lampenfieber

Jetzt hat die neue Festspielintendantin Solvejg Bauer („eine tolle Frau“) die „Marmeladenoma“ für ihren Theatersommer entdeckt: Am kommenden Samstag ist Helga mit Janik zu Gast in der Schlossgartenhalle und liest ab 20 Uhr live fürs Netz. Ob sie denn Lampenfieber habe? Die „Marmeladenoma“ mit den wachen Augen und der klaren Stimme schüttelt den Kopf. „Eigentlich nicht,“ meint sie dann. „Erstens ist Ettlingen meine Heimat und zweitens habe ich schon vor 5 000 Leuten gesprochen“.

Welches Märchen liest sie denn?

Autogrammkarten werde sie mitbringen und gerne signieren. Welche Märchen und Geschichten sie vorträgt, das verrät sie vorab nicht – Überraschung. Aber sie erzählt, was ihr persönliches Lieblingsmärchen ist: das von dem Mädchen mit den Schwefelhölzern, traurig zwar, aber mit einer „irgendwie auch positiven Schlussbotschaft“.

Enkel Janik kümmert sich um die Technik

Dass technisch alles klappt, dafür ist der mittlerweile 18-jährige Enkel zuständig, der jeden Samstag von seinem früheren Kinderzimmer aus zusammen mit der Oma online geht. Von den ersten Honoraren, erzählt Helga, „haben wir eine professionelle Ausrüstung gekauft, zuvor mussten wir ziemlich improvisieren“.
Ob die vielen Klicks sie reich gemacht haben? Helga überlegt nicht lange: „Natürlich hat sich gleich das Finanzamt gemeldet und will jetzt Steuervorauszahlungen, aber wir haben ja auch einiges an Kosten“.

Seit 40 Jahren in Ettlingen

Seit 40 Jahren lebt die „Marmeladenoma“ in Ettlingen, aufgewachsen ist sie in Karlsruhe. Ihren Künstlernamen verdankt sie Janik, der sie deshalb so nannte, weil „ich früher viele Marmeladen für die Familie eingekocht habe“. Sie selbst wäre „nie auf diese Idee gekommen“ und schon gar nicht darauf, mit ihren Märchenerzählungen einen online-Kanal zu speisen.

Fangemeinde wächst stetig

Der Erfolg, den die alte Damen damit hat, gibt Janik recht: Die „Marmeladenoma“ ist ein Begriff und darf sich über eine ständig wachsende Fangemeinde freuen. „Mehr Männer als Frauen, mehr Ältere als Jüngere“, sagt sie, verfolgen ihre Auftritte auf Youtube, reagieren teilweise ganz altmodisch mit Briefen und Paketen. Manche Botschaften kommen von weither: Aus den USA, Japan, Australien fliegt Helga Sympathie zu. „Ich versuche, alle Post selbst zu beantworten, manches Mal dauert es halt ein bisschen“. Der Geist sei wach, der Körper spiele aber oft nicht mehr so mit, wie „ich mir das wünsche“.

Ratschläge für alle Lebenslagen

Die „Marmeladenoma“ weiß, dass sie für so manchen ihrer Zuhörer auch Kummerkasten ist, dass Rat von ihr erwartet wird „in allen möglichen Lebenskrisen“. . Sie hofft, ihre Fans noch nicht allzu bald enttäuschen zu müssen. „Ich lebe so gerne und bin ein positiver Mensch“, sagt sie. Und wer sie so anschaut, wie sie in ihren Märchenbüchern blättert, sich Notizen macht und dann wieder ihrem Gesprächspartner zuwendet, der glaubt ihr das aufs Wort.

Karten für den 20. Juli gibt es hier.