Wütende Reaktionen von Tierfreunden hat die Verbreitung von Flugblättern in Karlsbad ausgelöst, in denen zur Tötung eines Vierbeiners aufgerufen wird. | Foto: Symbol Hirschberger

Kopfgeld bewegt Gemüter

„Auftragsmord“-Flugblätter: Fall um Hund in Karlsbad gibt noch Rätsel auf

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Für erhebliches Aufsehen und ungläubiges Kopfschütteln hat der mit Flugblättern in Karlsbad im Albtal gestartete Aufruf, einen „Auftragsmord“ an einem Hund zu begehen (die BNN berichteten). Mit dem Flugblatt, das den Badischen Neuesten Nachrichten inzwischen vorliegt, sollen Leute dazu gebracht werden, besagten Hund zu töten – für die Tat winke eine Belohnung von 1.000 Euro in bar.

In der Nacht auf Samstag wurden in Langensteinbach beim Rathausplatz und entlang der Speicherstraße, beim Friedhof sowie in den Schneidergärten Flugblätter verteilt, landeten in Briefkästen, an Autos oder auf der Straße. Zudem im Gewerbegebiet „Stockmädle“ im Karlsbader Ortsteil Ittersbach, wo der zu tötende Vierbeiner zu finden sei. Keinen wirklichen Reim kann man sich weiter zu den Hintergründen der Tat bei der Polizei machen. Man befinde sich aber im laufenden Verfahren, daher lassen sich die Ermittler ungern in die Karten schauen.

Ordnungsamtsleiter reagiert mit Unverständnis

„!!! Zahle 1 000 Euro Belohnung !!! wenn du brauner Hund von folgender Adresse tötest“ ist auf dem Flugblatt zu lesen. Dazu wird die Adresse und der Name des Halters „geliefert“. Weiter heißt es: „Wenn erledigt melden unter:“ Dann wird der Karlsbader Ordnungsamtsleiter mit Diensthandy-Nummer genannt. Wenig amüsiert ist dieser im BNN-Gespräch vom Aufruf zur Tötung. „Bekannte haben mich informiert, dass da was in Umlauf ist“, erklärt dieser. Einer Vorgeschichte könne er diese Entgleisung nicht zuordnen. „Ich kann es mir nicht erklären – das ist noch dubios.“ Der Amtsleiter hat Anzeige erstattet, denn „es wird so dargestellt, als hätte ich den Aufruf gestartet“.

Wer will Hund und Halter schaden?

Jemand wolle wohl in irgendeiner Form dem Hundehalter schaden, der am Dienstag nicht zu erreichen war. Der Tötungsaufruf bezieht sich auf eine Firmenadresse im Gewerbegebiet. Dass sich ein Nachbar vielleicht durch lautes Bellen gestört fühlt, ist in einem Industriegebiet wenig wahrscheinlich.

Daran glaubt auch der Ordnungsamtsleiter nicht. Die wenigen Sätze auf dem Flugblatt sind in grammatikalisch schlechtem Deutsch verfasst. Dies könnte durch tatsächliche Deutsch-Defizite oder absichtlich so verfasst sein. Rechtschreibfehler sind keine enthalten.

Heftige Reaktionen in den sozialen Netzwerken

Auch in den sozialen Netzwerken hat der Fall für heftige Reaktionen gesorgt. Auf der BNN-Facebook-Präsenz schreibt eine Leserin: „Da spiegelt sich die ganze Unzufriedenheit eines Menschen der wahrscheinlich einsam ist. Wenn ich jetzt an die Strafe denke, die der Täter bekommt, so wissen wir alle, es passiert wenig bis gar nichts. Übrigens, das ist kein Einzelfall.“

Die Kommentare reichen von „Einfach nur krank“ bis zur Frage „Wo leben wir eigentlich?“. Die Hoffnung kommt zum Ausdruck, dass die Polizei den Täter schnell fasst und Mitleid wird dem Hundehalter zuteil, „der mit der Angst um sein Tier leben muss“.

Die Polizei ermittelt weiter wegen öffentlicher Aufforderung zu einer Straftat sowie Verleumdung und hofft auch auf sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung: An das Polizeirevier Ettlingen unter Telefon (0 72 43) 3 20 00.