Prüfender Blick: Firmenchef Martin Günter (rechts) in der Leiterplattenproduktion seines Unternehmens in Ettlingen mit Mitarbeiter Markus Zimmermann.
Prüfender Blick: Firmenchef Martin Günter (rechts) in der Leiterplattenproduktion seines Unternehmens in Ettlingen mit Mitarbeiter Markus Zimmermann. | Foto: Fabry

Expansion dank Großaufträgen

Aus Ettlingen nach Abu Dhabi: MG Industrieelektronik erschließt neue Märkte

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Der Arm der Maschine saust wie wild vor und zurück, dass es einem beim Zuschauen schwindelig wird. Eine grüne Leiterplatte nach der anderen wird mit Elektronikkomponenten bestückt und kommt danach in die benachbarte Lötanlage. Es läuft offensichtlich rund bei der MG Industrieelektronik GmbH in Ettlingen.

„Wenn es so weitergeht wie jetzt, geht es im aktuellen Geschäftsjahr in Richtung acht Millionen Euro“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Martin Günter. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2018/19 (30. Juni) erlösten die Ettlinger 4,4 Millionen Euro.

Vor allem zwei Großaufträge beflügeln das 1982 als Ingenieurbüro gegründete Unternehmen: Die Stadtwerke München haben 1.740 Displays für ihre Busse bestellt. Darauf werden dem Fahrgast künftig der nächste Stopp, die kommenden Stationen sowie ein Unterhaltungsprogramm angezeigt. Außerdem arbeitet MG fleißig einen Auftrag für Abu Dhabi ab.

Weiteres Wachstum angepeilt

Ist dieser abgeschlossen, werden in 240 Bussen und 60 Sprintern die TFT-Displays „Made in Ettlingen“ installiert sein. Nach Hongkong ist dies der zweite außereuropäische Großauftrag.

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Günter zeigt sich im Gespräch überzeugt, dass es bei seinem Unternehmen gut weitergeht. Erstens fördert der Staat aktuell massiv den Öffentlichen Personennahverkehr – er setzt wegen der Klimawende auf Bus, Tram und U-Bahn.

Zweitens sieht der Unternehmer auf dem österreichischen Markt noch ordentliches Potenzial. Drittens rüsten die Ettlinger bislang überwiegend Busse und Trams aus, aber noch relativ wenige U-Bahnen. Und viertens ergebe sich eine Grundauslastung, weil die ÖPNV-Betreiber pro Jahr etwa zehn Prozent ihrer Flotte austauschen.

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Alles aus einer Hand

Wer durch die alte, enge Firmenzentrale geht, der spürt, dass hier echte Tüftler am Werk sind: In den Räumen werden Bordrechner entwickelt und hergestellt, aber auch Fahrgastinformationssysteme, Personenzähl-Sensoren, WLAN-Geräte und Anlagen, mit denen sich ein Busfahrer bei der nächsten Ampel grünes Licht holt. Von der Beratung bis zum fertigen Produkt alles aus einem Haus: Das ist eine Maxime von Günter. Die Fertigungstiefe sei bewusst groß, der Qualität und Flexibilität wegen.

„Wir gehen auf kundenspezifische Anforderungen ein, liefern maßgeschneiderte Lösungen“, so Vertriebsmitarbeiter Hans Ebert. So wurde beispielsweise ein Display entwickelt, das sich dem halbrunden Dach einer Tram anpasst. Auch sonst würden Fachleute am Design und an der Haptik erkennen, „dass ein Monitor von uns ist“.

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In der Fertigung wurde personell aufgestockt. Dort arbeiten nun 20 der insgesamt 34 MG’ler, die übrigens auch die Software für ihre Geräte selbst entwickeln.

Zu den Kunden zählen PostAuto in der Schweiz, die Verkehrsbetriebe von Karlsruhes Partnerstadt Halle, die Stadtwerke Ulm, Dortmund und der Regionalverkehr Köln, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Herausforderung Fachkräftemangel

In der Region hat man bislang die Stadtwerke Baden-Baden als Referenz. Allein nach Berlin habe MG rund 1.500 Anlagen geliefert, mit denen sich Busfahrer grünes Ampellicht holen. In Hamburg und Brüssel ist die entsprechende Technik aus Ettlingen ebenfalls installiert.

Insgesamt gebe es in Europa eine Handvoll Unternehmen, die auf diesem Markt mitmischen. Es habe eine große Konsolidierung gegeben, erläutert Günter.

Stark präsent ist MG mit seinen Systemen in der Schweiz. Betrachte man eine längere Zeitachse, dann kämen 30 Prozent der Erlöse aus dem Nachbarland. „Die Schweizer wollen Qualität“, sagt Vertriebler Ebert.

Als Herausforderung nennt der Geschäftsführende Gesellschafter Günter das Thema Fachkräftemangel. Hier komme ihm zupass, dass viele Automobilbauer schwächeln. Er werde weiterhin in den Maschinenpark investieren, denn mit einer schlanken Produktion ließen sich auch künftig in Deutschland die MG-Produkte herstellen.

Günter muss nur zwei Autominuten zu seinem dritten Standort fahren. Bisher hatte MG 750 Quadratmeter angemietet, jetzt kamen noch knapp 1.200 große, moderne Räume dazu: für Büros, einen Showroom, aber auch für Hochgeschwindigkeits-Fräsmaschinen und die Monitormontage. Dort erinnert nichts mehr an die Tüflter-Räume von MG. Im neuen Werk ist das Unternehmen mit Großauftrag aus Abu Dhabi klar für die Zukunft ausgerichtet.