Der Ursprung der Albtal- und Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ist die Strecke zwischen Bad Herrenalb und Ettlingen. Die Gleise liegen in zwei Landreisen.
Der Ursprung der Albtal- und Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ist die Strecke zwischen Bad Herrenalb und Ettlingen. Die Gleise liegen in zwei Landreisen. | Foto: Alabiso

Stadtbahnlinie

AVG fordert jährlich halbe Million Euro für die Strecke zwischen Steinhäusle und Bad Herrenalb

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Es scheint einigen Verantwortlichen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft in Karlsruhe (AVG) jetzt erst „aufgefallen“ zu sein, dass ein Teilstück der Stadtbahnlinie S1 zwischen Ettlingen und Bad Herrenalb nicht zum Landkreis Karlsruhe gehört. Denn jetzt flatterte – wohl völlig überraschend – dem Calwer Landrat Helmut Riegger eine Forderung in Höhe von 500.000 Euro als jährliche Betriebszuschuss für den kleinen Streckenabschnitt zwischen dem Steinhäusle (badisch-schwäbische Grenze/Grenze zum Kreis Karlsruhe) und dem Bahnhof Bad Herrenalb zu.

Bislang war das kostenfrei. So ist es auch aus der Vorlage des Landratsamts Calw für den Calwer Kreistag zu entnehmen. Die Albtalbahn habe die Kosten bislang selbst getragen. Kein Wunder, für den früheren AVG-Chef Dieter Ludwig hatte die Kurstadt immer einen herausgehobenen Stellenwert in seinem Schienennetz. Aber längst ist eine andere Zeit im Öffentlichen Nahverkehr angebrochen: Es wird mehr in Gebietskörperschaften, Kreisen, Gemeinden und Zuständigkeiten gedacht.

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Zusätzlicher Beitrag zur Kostendeckung

Die AVG hat deshalb die Linie S1 zwischen Steinhäusle und Bahnhof in Herrenalb in den Blick genommen, um einen zusätzlichen Beitrag zur Kostendeckung zu erreichen. Begründet wurde das Ansinnen von der AVG in der Vorlage für die jüngste Sitzung des Calwer Kreistags, dass sich die Lage auch deshalb geändert habe, „weil der Betrieb der Albtalstrecke bisher ohne Beteiligung des Landkreises Calw im Rahmen einer Mischkalkulation innerhalb der AVG finanziert worden ist“. Dafür gebe es keine Grundlage mehr. Deshalb wünsche die Geschäftsführung der AVG ein Gespräch mit dem Landkreis Calw.

Die Kunde aus dem Calwer Kreistag hat mich nicht überrascht. Landrat Helmut Riegger hat mich vorab informiert.

Klaus Hoffmann, Bürgermeister von Bad Herrenalb

Sinnigerweise sitzt der Kreis Calw schon seit Urzeiten in der Gesellschafterversammlung von KVV/AVG. Herrenalbs neuer Bürgermeister Klaus Hoffmann, der aktuell fast täglich mit neuen Löchern in seinem Haushalt konfrontiert ist, sieht die Forderungen der Karlsruher AVG gelassen, zu deren Erfüllung auch die Kurstadt herangezogen werden könnte, gelassen: „Die Kunde aus dem Calwer Kreistag hat mich nicht überrascht. Landrat Helmut Riegger hat mich vorab informiert.“ Er habe Vertrauen in die Verhandlungsführung des Landrats.

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Bad Herrenalb habe eine starke Position, weil die AVG im engen Albtal für seine Stadtbahnlinie eine enge Wendeschleife brauche. Im Landkreis Calw ist man deshalb bei den Verantwortlichen auch sicher, dass man den von der AVG geforderten Betriebskostenzuschuss herunterhandeln kann.

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Sicher sei allerdings auch, dass man nicht drum herumkommen werde, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Argumente, die AVG sei erst auf die Idee durch die Diskussion wegen des „Kreiswechsels“ gekommen, verweisen aber die Beteiligten in den Bereich der Fabel.

Kreis Calw plant Gespräche mit dem Land

Als weiteres Vorgehen plant jetzt der Kreis Calw erst einmal mit dem Land über eine Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs Gespräche aufzunehmen. Gleichzeitig werde mit der AVG die im Raum stehende Forderung sowohl grundsätzlich als auch von der Höhe her verhandelt. Mit der Stadt Bad Herrenalb werde das Gespräch über die kommunale Mitfinanzierung gesucht. Sobald verwertbare Ergebnisse vorliegen, werde sich der Verwaltungs- und Wirtschaftsausschuss des Kreistags Calw mit der Angelegenheit befassen.