Gläserne Produktion: Auch im Stall wird es auf dem Milchhof Knodel in Langensteinbach für kleine und große Besucher viel zu erkunden geben. | Foto: Klaus Müller

Von Konventionell auf „Öko“

Bauern bewältigen langen Weg zum Bio-Bauernhof

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Von Klaus Müller

Karlsbad/Malsch. Von heute auf morgen geht Bio schon mal gar nicht: die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf „Bio“, auf eine recht streng reglementierte „biologische Landwirtschaft“. Die BNN haben sich umgehört. Da brauche man einen langen Atem, sagt Thomas Knodel, Chef auf dem gleichnamigen Milchhof bei Langensteinbach. Der Gedanke, auf Bio umzustellen, hatte er nach eigenem Bekunden bereits vor etlichen Jahren. Bis zur endgültigen Entscheidung und der dann folgenden Umsetzung zogen erst einmal etliche Jahre ins Land. „So etwas muss gut überlegt und gut geplant sein“, so der Landwirt weiter.
Die eigentliche Umstellung erfolgt Schritt um Schritt. Zwei Jahre Übergangszeit liegen nun hinter dem Hof. Seit wenigen Tagen darf sich der Milchhof Knodel offiziell als „Bio-Betrieb“ bezeichnen. „Wir gehören jetzt dem Verband Bioland an.“ Zur Erklärung: Dabei handelt es sich um einen ökologischen Anbauverband mit teilweise restriktiveren Bewirtschaftungsvorgaben als beispielsweise in der EG-Öko-Verordnung vorgegeben werden. Das, was Knodel nun produziert, was am Ende der Kette seine Kühe abgeben – eben Milch – darf das Siegel „Bio“ tragen. Zuvor mussten die Ställe ausgebaut, musste deutlich mehr Platz für die Tiere geschaffen werden. Hinzu kommen Weideflächen (Grünlandbewirtschaftung) rund um den Hof. Gentechnik, chemisch-synthetisches Düngen, Massentierhaltung oder der Einsatz von Pestiziden sind bei Bio-Anbau verboten.

Den Schritt zu Bio (noch) nicht bereut

Nein, bisher habe er den Schritt, überhaupt die Umstellung angegangen zu sein, nicht bereut – vor allem dann nicht, wenn er sehe, wie wohl sich seine Tiere fühlten. Abgesehen davon, ein Umstand, der bei seinen Überlegungen ebenfalls eine nicht unbeträchtliche Rolle spielte, erhält er nun mehr Geld für den Liter Milch. EU-Prämien und Übergangsgelder (für die zwei Jahre) erleichterten obendrein die Entscheidungsfindung. Den Großteil seiner Milch übernimmt „Schwarzwaldmilch“. Zudem kann auf dem Hof direkt frische Milch gekauft werden. Dafür gibt’s sogar einen 24-Stunden-Milchautomaten.
Von einer in allen Bereichen rosaroten Bio-Anbauwelt lässt sich freilich nicht sprechen. In jedem Fall sei es eine Herausforderung, so Knodel, verbunden mit gewissen Risiken. Das gelte insbesondere für den Ackerbau. Die Eingriffsmöglichkeiten sind begrenzt oder gar nicht vorhanden. Beispiel Krähen: Mehrere Male, berichtet der Landwirt, hätten die ihm die Aussaat weggefressen. Viel machen kann und darf er dagegen nichts. Auch in Malsch, auf dem Hof von Beatrix und Frank Müller, soll in absehbarer Zeit „Bio“ ganz oben auf der Agenda stehen: „Wir befinden uns gerade in der zweijährigen Übergangszeit. Die Hälfte davon haben wir geschafft.“ Ackerbau, Mutterkuhhaltung und Schweinmast machen neben dem gut frequentierten „Bauernlädle Kohm & Müller“ die betriebswirtschaftlichen Säulen des Hofs aus. Vom Schritt in Richtung Bio sind die Müllers überzeugt; ebenso davon, dass die Kunden bereit sind, fürs „Bio-Fleisch“ etwas mehr zu bezahlen. Und dass ihre Tiere die Umstellung schätzen und genießen, steht für sie eh außer Frage.

Der Bio-Milchhof Knodel in Langensteinbach, im Steinig 7, hat am Sonntag, 17. September, von 12 bis 17 Uhr zu einem „Tag der gläsernen Produktion“ ein.