In den nächsten Tagen wird sich in unserer Region die Beerdigungskultur wegen des Coronavirus komplett verändern.
In den nächsten Tagen wird sich in unserer Region die Beerdigungskultur wegen des Coronavirus komplett verändern. | Foto: imago images (Symbol)

Verordnungen in Gemeinden

Beerdigungen in Zeiten des Coronavirus: Kleine Feiern direkt am Grab

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In den nächsten Tagen wird sich in unserer Region die Beerdigungskultur wegen des Coronavirus komplett verändern. Die meisten Gemeinden, so Ettlingen und Malsch, haben schon die Verordnungen dafür erlassen.

„In Abstimmung mit der evangelischen, katholischen und neuapostolischen Kirchengemeinde finden ab sofort und bis auf weiteres Trauerfeiern und Bestattungen nur noch im Freien direkt am Grab und im allerengsten Familienkreis statt“, so die Pressemitteilung der Gemeinde Malsch vom Montagabend.

Sie zeigt: Das Coronavirus wird auf Zeit die Trauer- und Beerdigungskultur auf den kommunalen Friedhöfen komplett verändern.

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Strenge Anordnung in Malsch

Das Schreiben von Heribert Reiter, Hauptamtsleiter der Gemeinde Malsch, beschreibt, was sich in den nächsten Tagen auf allen Friedhöfen ändern wird. Trauerreden dürften vermutlich nur noch selten zu hören sein, wenn der Seelsorger die letzten segnenden Worte sprechen und dann die Bestatter die Überreste eines Verstorbenen in die Erde bringen.

Denn viele Gemeinden beschränken jetzt die Beerdigungsfeier auf Partnerin oder Partner, Kinder und Enkel sowie die Geschwister des oder der Verstorbenen. „Und in Malsch ist die Aussegnungshalle geschlossen“, so Reiter. Eng zusammengearbeitet mit dem Corona-Krisenstab im Rathaus Ettlingen hat auch Bestattungsmeister Lorenzo Saladino vom Beerdigungsinstitut Gartner.

Bestattungsinstitute haben Leitlinien besprochen

Er hat schon vergangenen Freitag zu seinen Kollegen den Bestattungsinstituten von Schürkamp-Weber und Aufinger in Ettlingen Kontakt aufgenommen und besprochen, wie in den kommenden Wochen bei Beerdigungen auf den Ettlinger Friedhöfen zu verfahren ist. Diese Woche sind noch ganz kleine Feiern in der Aussegnungshalle möglich, danach ist die Beerdigung nur noch direkt am Grab unter freiem Himmel.

Vorgaben des Ettlinger Krisenstabs

Bürgermeister Moritz Heidecker teilte am Montag aus dem Krisenstab mit, dass die Stadt diese Vorgaben gemacht hat.

Pfarrer Roland Merz von der Seelsorgeeinheit Ettlingen-Land hat in Absprache mit den Angehörigen einer Verstorbenen bereits am Wochenende vereinbart, dass die Trauerfeier in ganz kleinem Kreis auf dem örtlichen Friedhof erfolgt. „Wir werden die Rituale ohne große Trauerfeier am Grab vollziehen“, so Saladino.

Keine Umarmungen am Grab

Selbst der Abschied am Grab von einem geliebten Angehörigen ist stark eingeschränkt. Im eigenen gesundheitlichen Interesse sollte auf Umarmungen, sei der Schmerz über den Verlust noch so groß, verzichtet werden.

Händeschütteln, wenn man nicht gerade in einer Wohnung zusammenlebe, sei nicht empfehlenswert. In Kondolenzbüchern wird man sich nicht mehr eintragen können. „Die Ansteckungsgefahr ist schlicht zu groß“, sagt Moritz Heidecker.

Weihwasser, Grabschaufel und Kondolenzbuch ist weg

Die Auflagen der Bestatter gehen noch weiter: Mit dem Weihwasserstab am Grab den Sarge oder die Urne zu besprengen sei ebenso verboten wie Erdwurf mit der kleinen Schaufel oder das Verteilen von Blütenblättern.

Für den, der auf all dies nicht verzichten will, gibt es nur eine Alternative, die Einäscherung der sterblichen Überreste und danach die Urne erst nach Abebben der Epidemie im üblichen Rahmen Wochen später beizusetzen.

Schließlich noch etwas ganz Makabres, wenn es mit dem Coronavirus so schlimm wie in Italien kommen sollte: Bei den Ettlinger Beerdigungsinstituten gibt es ausreichend Infektionshüllen für die Körper der Verstorbenen.