Von Einsamkeit ist die Corona-Zeit in Pflegeheimen geprägt. Ab Montag, 18. Mai, sollen die Besuchsverbote dort gelockert werden.
Von Einsamkeit ist die Corona-Zeit in Pflegeheimen geprägt. Ab Montag, 18. Mai, sollen die Besuchsverbote dort gelockert werden. | Foto: dpa

Heimleitungen sind vorsichtig

Besuchsverbot in Pflegeheimen in Ettlingen und Umgebung wird nur zögerlich gelockert

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Sozialverbände, Angehörige und der Pflegeschutzbund hatten auf eine Lockerung des Besuchsverbots in Pflegeheimen gepocht – am kommenden Montag, 18. Mai, soll sie nun kommen. Eine Rückkehr zur Normalität bedeutet das in den Pflegeeinrichtungen in Ettlingen, Rheinstetten und Malsch jedoch nicht: Die Heimleitungen und Trägerverbände sind vorsichtig.

Einige wollen mit der Steigerung der Besucherfrequenz lieber noch eine Weile warten. Vielerorts sind Besuche in Ausnahmesituationen schon jetzt möglich, zum Beispiel, wenn Bewohner sehr stark unter der Isolation leiden oder in Fällen der Sterbebegleitung.

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Die Möglichkeiten für Besuche, die darüber hinaus gehen, sind wegen der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen begrenzt. Pro Bewohner sind maximal zwei Besucher erlaubt. Eine Anmeldung ist erforderlich, ebenso das Tragen von Schutzkleidung und Händedesinfektion.

Nicht genug Schutzkleidung für jeden Angehörigen

Im Seniorenzentrum Rösselsbrünnle in Rheinstetten, wo sich unter anderem der Stadtrat Otto Deck für eine Lockerung des Besuchsverbots stark gemacht hatte, wird der Kontakt zwischen Bewohner und Besucher weiter vorrangig durch die Fenster im Erdgeschoss stattfinden, sagt Heimleiter Hartmut Vöhringer.

Nur in Ausnahmefällen, etwa bei Bettlägerigen, werde der Zutritt zum Haus ermöglicht. Vöhringer hält die Lockerung des Besuchsverbots für viel zu riskant. Schutzausrüstung sei vorhanden, „aber nicht für jeden Angehörigen“.

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Einhaltung von Abstandsregeln ist schwer zu gewährleisten

Zudem bezweifelt er, dass die Besucher die notwendige Zurückhaltung an den Tag legen: „Ich kann das schon verstehen, wenn man die eigene Mutter acht Wochen nicht gesehen hat und sie umarmen will“, sagt er. Dieser Leichtsinn könnte jedoch verheerende Folgen haben.

Wir werden zunächst eine beobachtende Position einnehmen.

Marcus Günsche, Vorstandsmitglied Caritasverband Ettlingen

Auch das Seniorenzentrum am Horbachpark in Ettlingen wird in der kommenden Woche noch nichts an seinen Besuchsregelungen ändern, erklärt Marcus Günsche vom Trägerverband Caritas. „Wir werden zunächst eine beobachtende Position einnehmen und schauen, wie sich die Fallzahlen entwickeln“, sagt er. Angesichts von Fällen wie in Bretten-Neibsheim, wo in einem Pflegeheim nach Corona-Infektionen mehr als 30 Bewohner gestorben sind, begegne man der Situation mit „sehr viel Respekt“.

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Mit Plexiglasscheibe und Gegensprechanlage

Weiterhin könnten Angehörige die Bewohner des Seniorenzentrums bei schönem Wetter draußen treffe. Pro Bewohner ist ein Besucher erlaubt. Bei schlechtem Wetter steht ein Besucherraum zur Verfügung, wo man sich durch eine Scheibe sehen und über eine Gegensprechanlage kommunizieren kann.

Angehörige fragen nach Lockerungen

Im Marienhaus Malsch nutzten schon jetzt viele das Angebot des kontaktlosen Treffens in einem Raum mit Plexiglasscheibe, über Fenster, Balkone oder die Terrasse, berichtet Pflegedienstleiterin Helmine Packi. Wie die Lockerungen des Besuchsverbots umgesetzt werden, stelle sich erst in einem Gespräch mit dem Träger, der Diakonie, am Mittwoch heraus. Viele Angehörige hätten schon danach gefragt. Packi sieht die Lockerungen nicht ganz sorgenfrei: „Wir hoffen nur, dass es gut geht“, sagt sie.